Friedenskirche braucht weder Schmuck noch Glocken

Gemeinde erst seit 1993 Eigentümer der Immobilie / Gotteshaus ohne Geläut

GUBEN Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischen oder katholischen Glaubens oder konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt die Kirchen der Region Guben und darüber hinaus vor und erklärt die Besonderheiten. Heute: die Friedenskirche der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde.

Die Friedenskirche in der Gubener Dr.-Ayrer-Straße wird heute von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde genutzt.
Foto: Jana Pozar/zar1

Im Sommer ist die Friedenskirche von wildem Wein umrahmt, der sich im Herbst in tiefe Rottöne färbt. Die Friedenskirche der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde steht versteckt zwischen Neiße und Naemi-Wilke-Stift, aber das Laub bedeckte Haus kennt fast jeder Gubener. Die Gemeinde ist erst seit dem Jahr 1993 Eigentümer des Gotteshauses. Zuvor waren die Kirchentüren lange verschlossen. Der einstige Eigentümer, die katholisch-apostolische Kirche nutzte das Haus nicht mehr, weil die Gemeinde aufgrund des Glaubensbekenntnisses immer kleiner wurde. "Sie konnten die Kirche nicht mehr bewirtschaften und haben sie deshalb zum Kauf angeboten", erinnert sich Lothar Meusel von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Guben. Und so hat die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Guben hat nach zahlreichen Sanierungsarbeiten und kleinere Umbauten den unter Denkmalschutz stehende neugotischen Bau aus dem Dornröschenschlaf erweckt und ihr den Namen "Friedenskirche" gegeben. Neben einer neuen Dacheindeckung, die Installation einer Fußbodenheizung und einem neuen Anstrich bekam die Friedenskirche auch ein massives Taufbecken. "Der schlichte Altar wurde etwas nach hinten verschoben, davor das Taufbecken in den Boden gesetzt", berichtet Lothar Meusel. Das Besondere: In der Gemeinde werden nur Menschen getauft, die selbst über diese Zeremonie entscheiden können, sie werden komplett ins Taufwasser getaucht. Dementsprechend groß ist das Taufbecken.

Der Bäckermeister Ewald Wichers aus Guben hat am 23. Februar 1886 von Friedrich Wilke ein Stück Acker in der damaligen Friedrichstraße gekauft. Er wollte dort ein Gotteshaus erbauen lassen. Schon sieben Monate später, zum Ernte-Dankfest am 3. Oktober 1886, konnte der Bau durch die katholische apostolische Gemeinde eingeweiht werden. Das Kirchlein ist noch heute im ursprünglichen Stil erhalten. Nur die Sakristei wurde im Laufe der Jahre angebaut. Leider sind Altar, das Gestühl für Engel und weitere Schmuckelemente aus der Zeit der Nutzung durch die katholisch-apostolische Gemeinde nicht mehr vorhanden. Die Gemeinde hat sie vernichtet, weil ihr Glaube es nicht erlaubte, sie anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Die Friedenskirche hat kein Geläut. "Glocken sind nicht typisch für unsere Gemeinde", sagt Meusel. Auch Altar und Schmuckgegenstände sind in der Friedenskirche kaum zu finden. "Wir lehnen Schmuck ab, eine Heiligenanbetung gibt es nicht. Gott ist im Himmel, er braucht keine Gegenstände auf Erden", erklärt Lothar Meusel diese Tatsache. Auch die Bänke der Kirche sind nach der Sanierung verschwunden. "Wir wollten ein Begegnungszentrum, das vielseitig genutzt werden kann. Da stören feste Bänke nur", sagt Meusel. Heute dürfen die Besucher auf bequemen Stühlen sitzen.

Die Orgel vom Gubener Orgelbauer Otto Waldow ist stillgelegt. "Claudius Eckert hat sie nach dem Kauf des Gotteshauses vor der Verschrottung gerettet", betont Meusel. Eine Sanierung sei zu teuer, aber sie gehöre zur Kirche. Heute ist sie hinter eine Wand versteckt und gut geschützt. Ein heller Raum davor dient heute als Bibelraum.

Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde lädt regelmäßig zu Konzerten ein auch der Stadtchor Guben präsentiert dort regelmäßig sein Sommerkonzert. Außerdem werden immer wieder Ausstellungen und Vorträge angeboten.

Jana Pozar/zar1

Lausitzer Rundschau vom 15. Januar 2015

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