Kirche wird Synagoge Jüdische Gemeinde Cottbus hat ein eigenes Gotteshaus

Am internationalen Holocaust-Gedenktag wird die Thora-Schrift von den Gemeinderäumen in einen Schrein gebracht / Alter Chanukka-Leuchter mit neuem Platz

COTTBUS In Cottbus zieht jüdisches Leben in eine ehemalige Kirche ein. Es ist die erste Synagoge in Brandenburg seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die jüdischen Gemeindemitglieder freuen sich, aber es gibt auch Sorgen.

Das Gotteshaus in der Sprem: Seit gestern hat Cottbus wieder eine Synagoge.
Foto: dpa

Von außen sieht sie immer noch aus wie eine Kirche, doch die ehemalige Schlosskirche in der Cottbuser Fußgängerzone ist jetzt eine Synagoge. Es ist die erste in Brandenburg nach dem Holocaust.

Die Fenster in der früheren evangelischen Kirche sind umgestaltet: In blau-gelben Fensterbildern sind mehrarmige Leuchter und Davidsterne zu erkennen. Die einstige Synagoge war von den Nazis 1938 niedergebrannt worden. Am gestrigen Dienstag wurde das neue Gotteshaus geweiht. Hunderte kamen, um den festlichen Umzug der Thora-Schriftrolle von den naheliegenden Gemeinderäumen mitzuerleben. "Die Synagoge ist das Herz der Gemeinde", sagte Landesrabbiner Nachum Presman. Die Jüdische Gemeinde zog mit der Thora-Rolle und Klezmer-Musik klatschend zunächst um die Synagoge. Bevor die Schriftrolle in das Gotteshaus kam, wurde vor der Synagoge ein Band zerschnitten und eine Mesusa eine Kapsel mit einem Segensspruch am rechten Türpfosten befestigt.

Die Jüdische Gemeinde Cottbus ist stolz, dass ihr Gotteshaus im Stadtzentrum liegt. Bedenken gibt es trotzdem. "Wir hoffen, dass die Synagoge von den Cottbusern angenommen wird", sagt Gemeindemitglied Max Solomonik. Zunächst habe es Bürger gegeben, die die Entwidmung der Schlosskirche negativ aufgenommen hätten. Stets schwinge in der Gemeinde auch die Sorge vor möglichen Angriffen auf das jüdische Leben mit. "Die Geschichte kann man nicht vergessen", sagt Solomonik. Aber die Verbindung zu Stadt und Polizei sei gut: "Wir fühlen uns sicher. "

Heute hat die Jüdische Gemeinde in Cottbus, die sich seit 1998 langsam wieder aufbaute, etwa 460 Mitglieder. Bundesweit gibt es nach Angaben des Zentralrats der Juden in Deutschland 99 Synagogen und rund 100 000 Gemeindemitglieder. Vize-Präsident Mark Dainow sagt über Cottbus: "Mit der Umwidmung der früheren Kirche ist die Synagoge zugleich ein Symbol für den Zusammenhalt der Religionen. Das ist in diesen Zeiten besonders wichtig."

Auch ein Überbleibsel aus der einstigen Cottbuser Synagoge kam mit in das neue Gotteshaus, ein mehrarmiger Chanukka-Leuchter. "Der Leuchter wurde aus der niedergebrannten Synagoge gerettet", sagt Solomonik.

In der Fußgängerzone der Stadt mit ihren knapp 100 000 Einwohnern zeigen sich Passanten positiv bis gleichgültig gegenüber der künftigen Synagoge. "Ist mir egal, ich bin ohnehin aus der Kirche ausgetreten", sagt eine Frau. Ein vorbeihastender Mann: "Jeder soll seinen Glauben leben können, das ist doch okay." Die Mitarbeiterin eines Süßwaren-Geschäfts meint: "Wir sind offen und gespannt, wie sich das jüdische Leben entwickelt." Was in Cottbus geglückt ist, ist in Potsdam noch nicht in Sicht. Im Sommer legte die damalige rot-rote Landesregierung die Planungen für einen Synagogen-Neubau auf Eis. Hintergrund: Unter den drei jüdischen Gemeinden in der Stadt gibt es keine Einigung etwa zum Architektenentwurf.

Anna Ringle-Brändl

Lausitzer Rundschau vom 28. Januar 2015

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