Nieder Neuendorfer Kirche soll frische Farbe erhalten

Pilgerkirche in Pastell

Mit der Wiederinbetriebnahme des Läutewerks fand vor acht Jahren die umfangreiche Außensanierung der mittelalterlichen Dorfkirche von Nieder Neuendorf ihren Abschluss. Turmgebälk, Dach und Glockenstuhl waren erneuert, das Mauerwerk trockengelegt worden. Die Sanierung des Innenraums wurde damals auf später vertragt. Jetzt ist sie wieder Thema.

Pfarrerin Barbara Eger mit den Farbmustern.
Quelle: Ulrich Bergt

Nieder Neuendorf. Anfang vorigen Jahres hat sich der Gemeindekirchenrat der Sanierung des Innenraums der mittelalterlichen Dorfkirche in Nieder Neuendorf wieder angenommen. Der Restaurator legte unter der hellrosa Wandbemalung aus den 1990er-Jahren alte Farbschichten frei. Zusammen mit dem Denkmalschutz wurde dabei dem Zustand der 1920er-Jahre Vorrang eingeräumt. Das Kirchenschiff war damals in einem hellen Beigeton gestrichen, die Empore in Ocker und Braun. Von der mittelalterlichen Bemalung der Kirche, die einst am Pilgerweg nach Wilsnack lag, ist nichts erhalten.

„Unsere Kirchengemeinde hat seit geraumer Zeit die finanziellen Mittel für die Innensanierung angespart“, erklärt Pfarrerin Barbara Eger. Beim Anlegen von „Probeachsen“ – schmalen Streifen in der künftigen Bemalung – erlebten die Restauratoren eine unliebsame Überraschung. „Der bisherige Untergrund ist in einem so schlechten Zustand, dass ein aufwändigeres Sanierungsverfahren vom Denkmalschutz angeordnet wurde“, sagt Barbara Eger. Dadurch haben sich die veranschlagten Kosten nahezu verdoppelt – auf rund 150.000 Euro.

Die Kirchengemeinde hat davon knapp ein Drittel bereits auf der hohen Kante. Der Kirchenkreis Berlin Nord, zu dem Nieder Neuendorf gehört, steuert 30.000 Euro bei. Mit 25.000 Euro beteiligen sich die Stadtwerke Hennigsdorf. Und auch die Stadt will die Sanierungsarbeiten unterstützen. Der Hauptausschuss bewilligte in der vergangenen Woche einstimmig einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro.

Märkisches Kleinod

Die Dorfkirche von Nieder Neuendorf wurde zwischen 1490 und 1500 aus Feld- und Backsteinen errichtet.
Ein Vorgängerbau, vermutlich eine kleine Kapelle, stammte aus dem 13. Jahrhundert und zählt damit zu den ältesten Kirchen in der Mark Brandenburg.
Im Mittelalter lag die Kirche am Pilgerweg zur Wunderblutkirche in Wilsnack und diente den Pilgern als Andachts- und Raststätte.
Eine Erweiterung des Kirchenschiffs wurde im 18. Jahrhundert vorgenommen. Es wurde um fünf Meter verlängert und um einen Meter aufgestockt.
Altar, Kanzel und Taufbecken stammen aus dem 18./19. Jahrhundert. Ein Abendmahlskelch wurde 1585 von Hans von Klitzing, späterer Domherr von Havelberg, gestiftet.
Im quadratischen Westturm hängen drei Stahlglocken, die 1919 gegossen wurden. 2004 musste das Geläut stillgelegt werden. Nach der Sanierung des Gebälks und des Glockenstuhls erklangen die Glocken im November 2007 wieder.
Im Jahr 2008 erfolgte eine umfassende Außensanierung der Kirche. Die Kosten lagenbei rund 380.000 Euro.

Alles in allem sind damit 120.000 Euro zusammengekommen. Nun bemüht sich die Kirchengemeinde darum, die Lücke zu schließen. „Wir sind dabei, uns an hiesige Firmen zu wenden“, sagt die Pfarrerin. Der Chor hat jüngst eine CD aufgenommen, deren Erlös dem Sanierungsvorhaben zugute kommen soll. In der mittelalterlichen Dorfkirche selbst steht eine ungewöhnliche Spendenbox. Ein maßstabsgetreues Modell des denkmalgeschützten Hauses, in vielen Arbeitsstunden von Manfred Hünlich geschaffen. Teil für Teil hat der 80-jährige Hennigsdorfer in seiner Werkstatt das Miniaturbauwerk vollendet.

Informationen und Spendenkonto: www.havelkirche.de

Von Ulrich Bergt

Märkische Allgemeine vom 11. Februar 2015

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