In der Glasower Kirche ist der Wurm drin

Sie sind nur maximal fünf Millimeter klein und doch können sie große Schäden hinterlassen. Holzwürmer haben sich in der Glasower Dorfkirche eingenistet. Sehen kann man die kleinen Käfer nicht, sie verrichten ihre Arbeit im Innern der Altarwände und Treppenstufen.

Löchriger Altar: Hans-Walter Ludwig, der Gemeindekirchenratsvorsitzende von Mahlow und Glasow, zeigt die Spuren der Holzwürmer.
Quelle: Zielke

Glasow. Regelmäßig begutachtet Hans-Walter Ludwig, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates von Mahlow und Glasow, das zerstörerische Werk der Holzwürmer. Kleine Berge von Holzmehl liegen auf dem Boden der mehr als 150Jahre alten Altarwand. Anobien, so heißen Holzwürmer in der Wissenschaft, nehmen keine Rücksicht auf Denkmäler und Kulturgüter. Nicht einmal Kirchen sind ihnen heilig. "Wenn man nichts dagegen unternimmt, bricht irgendwann alles zusammen", sagt Ludwig. Die Schädlinge hinterlassen Holz, das nur noch wie Papier ist. Bislang sind vor allem der Altar und die Kanzel betroffen, die erst 2003 komplett erneuerte Empore ist wurmfrei - noch.

Geschichte der Kirche

Bei der letzten Sanierung stellten Wissenschaftler fest, dass die Eichen für die Dachbalken der Glasower Kirche zwischen 1330 und 1335 gefällt wurden. In dieser Zeit ist das Haus vermutlich gebaut worden.
Das älteste Kirchenbuch von Glasow beginnt im Jahr 1600.
1847 entstand der Turm in seiner heutigen Form. Sechs Jahre später wurde die Altarwand aufgebaut.
Während des Ersten Weltkriegs wurden die Glocken von 1825 beschlagnahmt und für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen.
1957 fand die letzte Beerdigung auf dem Glasower Kirchhof statt.
2003 bekam die Kirche wieder ein Dach aus Biberschwanz-Ziegeln.
Seit 2006 läutet die Uhr zu jeder vollen und halben Stunde.

Damit die Anobien das neue Holz nicht angreifen, will die Kirchengemeinde nun die chemische Keule auspacken. Ab dem 23.März behandelt eine Firma aus Norddeutschland den gesamten Innenraum der Glasower Kirche mit dem Holzschutzmittel Sulfuryldifluorid. Drei Tage lang wird das Gas in das Gebäude eingeleitet. Es soll die Gänge der gefräßigen Käfer durchdringen und ihnen den Garaus machen. Zuvor werden Fenster und Türen so abgedichtet, dass nichts von dem giftigen Gas nach außen dringt.

Da in der Kirche reichlich Platz ist, ruft die Kirchengemeinde dazu auf, wurmstichige Möbel, Bilderrahmen und Werkzeuge vorbeizubringen ? gegen einen Obolus von 27Euro pro Kubikmeter. "Alles, was aus Holz ist, ist willkommen", sagt Hans-Walter Ludwig. Er selbst wird ein paar alte Werkzeuge seines Vaters vor dem Altar deponieren. Im Gegensatz zur Behandlung mit Holzschutzfarbe oder anderen chemischen Verfahren greift das Gas keine Metallteile an und hinterlässt außer toten Holzwürmern keine Spuren. Nach einem Tag lüften soll man die Kirche auch wieder betreten können. Dennoch: Am 22. und am 29. März finden in Glasow keine Gottesdienste statt. Erst Ostern ist die Kirche wieder für Gläubige geöffnet.

Wer seine Möbel in der Glasower Kirche vom Holzwurm befreien lassen will, kann sich unter Ev.Kirchengemeinde-Mahlow@t-online.de oder 03379/37440 melden.

Von Christian Zielke

Märkische Allgemeine vom 12. März 2015

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