Die Turmuhr soll wieder schlagen – Saarmunder spenden bereits fleißig

Patenschaften für Zeiger und Zahlen

Wenige Tage nach dem Start der Aktion zur Wiedergewinnung der Turmuhr haben die Saarmunder bereits fleißig gespendet. Ein Frau gab allein 800 Euro. Mit pfiffigen Ideen – zum Beispiel werden Patenschaften für Zeiger und Zahlen vergeben – soll die Kirche bis zum 800. Geburtstag von Saarmund im nächsten Jahr ihre verlorene Turmuhr zurückbekommen.

Kirchturm-Anhänger aus Ton gibt’s ab 20 Euro.
Quelle: FOTO: ROY SANDNER

Saarmund. In Saarmund hat die Mission, bis zum 800. Geburtstag des Ortes im nächsten Jahr der Kirche die verlorene Turmuhr zurückzugeben, bemerkenswert erfolgreich begonnen. Bereits am Abend, an dem das Projekt erstmals vorgestellt wurde, kamen 1300 Euro an Spenden zusammen, sagte Michael Steppat vom Arbeitskreis „Turmuhr“. Eine Saarmunderin gab allein 800 Euro. Inzwischen bezifferte er die Spendenhöhe auf 2866 Euro.

Dabei ist die Aktion erst vor wenigen Tagen angelaufen. Wie berichtet, werden für die Uhr und ihre Montage etwa 6500 Euro gebraucht. Außerdem ist eine Spendertafel geplant, auf der die Namen jener Leute Platz finden sollen, die mehr als 50 Euro gaben. Wenn genug Geld eingenommen wird, soll auch das alte weitgehend erhaltene Uhrwerk im Turm geborgen und restauriert werden und dann als Schauwerk in der Kirche dauerhaft zu sehen sein. Für das gesamte Konzept braucht man etwa 10?000 Euro. „Ich bin zuversichtlich, dass es funktioniert“, sagte Steppat.

Auch wenn sich die Projekte von ihrer Dimension unterscheiden, darf getrost behauptet werden, dass die Saarmunder ein bisschen auf den Spuren der Dresdner wandeln, die ihre im Krieg zerstörte Frauenkirche mit Ideenreichtum zurück in die Gegenwart holten. Auch die Saarmunder locken Geldgeber jetzt mit pfiffigen Ideen. Christine Kühn etwa hat 180 kleine Kirchturm-Anhänger aus Ton gestaltet, die Spender ab einer Summe von 20 Euro bekommen. Außerdem können ab 200 Euro Patenschaften für die Zeiger und Zahlen an den beiden geplanten Zifferblättern übernommen werden. Die Acht hat sich die Saarmunderin, die 800 Euro spendete, gesichert. Vergeben ist inzwischen auch die Zwölf auf der Südseite des Turms – an einen Spender, der 400 Euro gab. Inzwischen sind auch 1000 Flyer zur Spendenaktion im Ort verteilt worden.

Wie berichtet, gibt es verschiedene Überlieferungen, wann Saarmunds alte Turmuhr aufgehört hat zu schlagen. Eine Version lautet, dass in den letzten Kriegstagen 1945 ein Panzergeschoss den Kirchturm traf und die Uhr schwer beschädigte. Im öffentlichen Bewusstsein des Ortes ist das Ende der Uhr jedenfalls mit der Zeit verbunden, als der Krieg im April 1945 nach Saarmund kam. 70 Jahre danach hat sich eine Initiative auf die Fahne geschrieben, der Kirche bis zum 800. Geburtstag Saarmunds die Turmuhr zurückzugeben. Die sechs Initiatoren hoffen, dass Ende Mai oder Anfang Juni 2016 das Werk vollbracht ist. Geplant ist derzeit, eine elektrische Funkuhr ohne Glockenschlag zu montieren und die Ziffernblätter wie früher an zwei Seiten des Turms anzubringen. Laut Steppat ist der Wunsch unter den Leuten aber da, dass die Uhr wie das Vorgängermodell doch ein Schlagwerk bekommt. Das kostet zwar mehr Geld, hält die Spendenfreude aber an, wäre auch das zu schaffen. Die Ziffernblätter sollen dem alten Original weitgehend nachempfunden werden. Allerdings stehen vom Original nur noch Reste im Keller.

Inzwischen ist aber ein Bild aufgetaucht, das den Saarmunder Kirchturm noch mit Ziffernblatt zeigt. Aufgenommen hat es der Fotograf Lutz Gagsch in den 1960er Jahren. „Die Uhr ging damals wohl nicht mehr, aber die Zeiger und das Ziffernblatt waren auf der Südseite des Turms noch zu sehen“, sagte er der MAZ. „Das Foto ist sehr hilfreich. Es zeigt, dass es eine farbliche Zweiteilung gab und der innere Kreis des Ziffernblattes eher dunkel gestaltet war“, so Michael Steppat. Dass die Uhr auf dem Foto generell dunkel erscheint, sei vermutlich dem Rost und der Verwitterung geschuldet. Die Rostspuren sind ein Indiz dafür, dass die Uhr damals zwar noch sichtbar war, aber wohl schon eine Weile nicht mehr geschlagen hat.

Der Frage, warum das Uhrwerk schon so lange stillsteht, war Steppat, Dozent der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin, zusammen mit dem Studenten Tim Arnold in einem Film nachgegangen. Der Film, der 2013 gezeigt wurde, wühlt auf und trug dazu bei, dass die Saarmunder sich nun die verlorene Turmuhr in ihr Leben zurückholen wollen.

Von Jens Steglich

Märkische Allgemeine vom 03. April 2015

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