Massive Schäden am Dachstuhl der Pritzwalker Kirche

Sankt-Nikolai braucht baulichen Beistand

Manchmal braucht es etwas Hilfe von oben, manchmal braucht es oben aber auch etwas Hilfe. So wie im Dachstuhl der Pritzwalker Sankt-Nikolai-Kirche. Der weist massive Schäden auf, Hausschwamm hat sich breit gemacht. Archäologen prüfen außerdem das Fundament des Gotteshauses. Die Erneuerung der Kirche wird teuer.

Michael Flassig vor einer der Glocken der Sankt-Nikolai-Kirche. Der Turmhelm ist sanierungsbedürftig.
Quelle: Andreas König

Pritzwalk. "Ein feste Burg ist unser Gott" heißt es in Luthers Kirchenlied. Im übertragenen Sinne ist damit auch die Kirche gemeint. Doch die Pritzwalker Sankt-Nikolai-Kirche wirkt nur auf den ersten Blick "fest", massiv und unangreifbar. Im Inneren haben sich massive Schäden eingestellt. Die Baumängel sind so gravierend, dass die evangelische Kirchengemeinde jetzt erste Sicherungsarbeiten vorbereiten lässt.

"Wir haben im Dachstuhl erheblichen Schwammbefall", erklärte gestern Michael Flassig, beratendes Mitglied im Bauausschuss der Kirchengemeinde. Unterm Dach der Kirche kommt verschiedener Unbill zusammen. Hausschwamm hat die Köpfe der Dachbalken teilweise angefressen, das Mauerwerk weist Risse auf, und auch der Turmhelm sowie die steile Treppe hinauf bedürfen der Erneuerung. "Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Finanzbedarf auf mindestens 1,4 Millionen Euro", sagt Michael Flassig. Unten sieht es nicht viel besser aus. Während sich der ursprüngliche Grundriss der Kirche noch in halbwegs gutem Zustand befindet, gibt es im östlichen Kirchenschiff Verwerfungen. Risse im Mauerwerk sind die Folge.

Doch bevor das Kirchendach als wichtigster Sicherungsschritt in Angriff genommen werden kann, muss zunächst die Gründung des Gotteshauses untersucht werden. Zu diesem Zweck graben seit Anfang der Woche Archäologen vom Archäologiebüro Dressler aus Berlin, um zu sehen, wie der Untergrund beschaffen ist. Diese Fundamentschürfungen werden auf der Nord- und Südseite der Kirche ausgeführt. "Die vorbereitenden Arbeiten sind nötig, um nachher nicht böse statische Überraschungen zu erleben", erklärt Michael Flassig.

Wenn die Bodenverhältnisse analysiert und aufgenommen sind, soll es an die Planung gehen. Doch das alles bleibt graue Theorie, so lange nicht die Finanzierung gesichert ist. Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Neben sicher nötigen Fördermitteln wäre es denkbar, um Spenden für die Sanierung der Kirche zu bitten. "Pritzwalk braucht die Kirche, anders kann man sich das gar nicht vorstellen", sagt das Bauausschussmitglied.

Über die Ursachen der jetzt festgestellten Missstände gibt es verschiedene Mutmaßungen. Zum einen wirkt sich der Stadtbrand aus dem 19. Jahrhundert noch immer auf die Gesamtkonstruktion aus, zum anderen hat auch die Explosionskatastrophe vom 15. April 1945 auf das Gotteshaus gewirkt. "Durch die Druckwelle wurden Teile des Dachs regelrecht davongeblasen", sagt Michael Flassig. Die damals eingedrungene Feuchtigkeit hat genauso eine zerstörerische Wirkung entfaltet, wie offensichtliche undichte Dachstellen in der Zeit danach.

Reparaturen in den 1990er Jahren haben zwar aus damaliger Sicht die größte Not gelindert, doch seien einige Arbeiten nicht so erfolgt, dass sie zu einer längerfristigen Stabilisierung beitragen könnten.

Risse, herausfallende Ziegel und Schwammbefall im Mauerwerk sind sichtbaren Zeichen der Schädigung. Dass der Turmaufstieg aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist, wirkt da wie das kleinere Übel. Allerdings müsste auch der Turmhelm, also der Aufbau, in dem sich die drei Glocken befinden, erneuert werden. Doch das wäre eine weitere Baustelle, um die sich die Gemeinde kümmern müsste.

Von Andreas König

Märkische Allgemeine vom 17. April 2015

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