Die alte Lady jammert nicht mehr

Was lange währt, wird gut: Orgel in Friedrichsluga nach Rekonstruktion feierlich eingeweiht

FRIEDRICHSLUGA Was zunächst zu Weihnachten, dann zu Ostern geplant war, ist Pfingsten nun endlich passiert: Die Orgel in der Dorfkirche Friedrichsluga ist nach ihrer Rekonstruktion mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden. Bei dem Instrument handelt es sich um eine Gebr.-Walter-Orgel, die 1865 in Guhrau (bei Breslau) als Üborgel für ein Berliner Musikinstitut gebaut wurde.

Orgelbaumeister Matthias Voigt an der von ihm restaurierten Orgel in Friedrichsluga.
Foto: Dieter Müller/dmu1

1895 hat der Orgelbauer Nicolaus Schrickel die "Königin der Instrumente" in Friedrichsluga aufgebaut. Sie hat sechs Register und 296 Pfeifen, von denen zehn Schmuckpfeifen sind. Die größte Pfeife ist 2,40 Meter lang, die kleinste 49 Millimeter.

Ihre Sanierung hat sich als recht kompliziert herausgestellt. Vorgenommen hat sie der Orgelbaumeister und Restaurator Matthias Voigt aus Lausitz. Zehn Mitarbeiter haben an der Orgel gebaut. "Im August vergangenen Jahres haben wir mit der Restauration begonnen. Die Orgel war nicht mehr zu spielen. Wir konnten sie nicht einmal untersuchen, weil kein elektrischer Winderzeuger vorhanden und der Balg so kaputt war, dass kein Wind auf die Orgel kam", berichtet Matthias Voigt. Und weil der Balg nicht zu restaurieren ging, wurden die Arbeiten erst einmal eingestellt und ein neuer Balg musste gebaut werden. Die Genehmigung dazu kam im November, sodass der versprochene Einweihungstermin zu Weihnachten dem Zustand der Orgel zum Opfer fiel.

Matthias Voigt und seine Männer bauten ein elektrisches Gebläse ein und mit dem neuen Balg konnten die Orgelbauer dann herausfinden, was genau an dem Instrument nicht in Ordnung ist. "Die Orgel hat geklungen wie eine alte Lady, die vor sich hergejammert hat", sagt Matthias Voigt. Die meisten Schäden waren aber hauptsächlich auf Verschmutzungen zurückzuführen. Die Pfeifen wurden in der Werkstatt bzw. vor Ort gereinigt. Die sichtbaren Prospektpfeifen wurden erneuert. "Diese Pfeifen hatten eine Zinn-Blei-Legierung von 80 Prozent Zinn und 20 Prozent Blei. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges mussten alle Kirchen diese Pfeifen und ihre Glocken zur Kanonenproduktion abgeben. Deshalb haben wir neue Zinnpfeifen gefertigt", erzählt der Orgelbaumeister.

Auch das Firmenschild hat gefehlt. Wie Matthias Voigt berichtet, sind ihm nur zwei Orgeln der Gebrüder Walter bekannt. Die eine in Friedrichsluga und eine weitere in Australien. Aus Australien haben sich die Spezialisten aus Bad Liebenwerda ein Foto von dem Schild schicken lassen. "Eine Grafikerin aus Aachen hat auf dieser Grundlage dann ein Schild für uns rekonstruiert", berichtet Matthias Voigt.

Im Frühjahr hatten die Orgelbauer ihre Arbeit in Friedrichsluga wieder aufgenommen. Aber der Einweihungstermin zu Ostern wurde erneut abgesagt, weil zu Ostern das neue Gemeindezentrum der Kirchengemeinde Bad Liebenwerda eingeweiht wurde. So einigte man sich für den Einweihungstermin der Friedrichslugaer Orgel auf Pfingsten. Und so erlebten die Friedrichslugaer an Pfingstmontag einen festlichen Gottesdienst, den der Herzberger Kantor Gerhard Noetzel an dem Instrument musikalisch begleitete. Er spielte aus Wagners "Parzifal" und Renaissancemusik aus dem Manuskript der Susanne van Soldt. "Die Orgel ist zu einem wahren Kleinod in unserer Orgellandschaft Elbe-Elster geworden. Das Werk besitzt sowohl warm klingende romantische Register als auch genau zeichnende Prinzipal- und Flötenstimmen auf zwei Manualen bei einem Manual- und Pedaltastenumfang, wie man ihn sonst nur bei größeren Orgeln findet", erläutert Gerhard Noetzel.

Für die Kirchengemeinde Friedrichsluga unter Leitung von Ronny Birnbaum war die Einweihung ein ganz besonderes Erlebnis. Der Gemeindekirchenrat möchte sich bei allen bedanken, die zur Sanierung des Instrumentes beigetragen haben. Gekostet hat die Orgelerneuerung insgesamt etwa 24 000 Euro. Finanziert wurde sie mit Mitteln der Landeskirche, des Kirchenkreises, des Landkreises Elbe-Elster, der Sparkasse Elbe-Elster, aus vielen Spenden und auch mit einem Zuschuss der Bruderhilfe Sachversicherung, teilt die Kirchengemeinde mit.

Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 02. Juni 2015

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