Die Dorfkönigin bedarf weiterer Hilfe

Bärbel Kraemer

Hohenwerbig (MZV) 30.000 Euro sind für die Sanierung der Kirchenorgel von Hohenwerbig notwendig. Derzeit steht nur das Gehäuse des altehrwürdigen Instruments auf der Orgelempore der schmuck sanierten Kirche. Der große leere Kasten wirkt in dem mit viel Herzblut restaurierten Gemäuer wie ein großer Kummerkasten. Die Orgelpfeifen liegen, ordentlich aneinandergereiht, daneben und harren der Dinge. Die kleine Kirchengemeinde müht sich nach Kräften, der 1878 vom Niemegker Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Lobbes erbauten Orgel die Seele zurückzugeben. 10.000 Euro will man über verschiedene Veranstaltungen und Aktionen einbringen, sodass das Instrument in nicht allzu ferner Zeit zur Ehre Gottes wieder erklingen kann. Orgelpatenschaften und Orgelbrote gehören dazu.

Mit viel Liebe und Herzblut wurde das Gotteshaus in Hohenwerbig saniert.
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Bäckermeister Christian Gericke backt die Orgelbrote. Die Erlöse fließen in die Restauration der Orgel.
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Daniela Lengner verkauft in der Kirche die lecker duftenden Orgelbrote.
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Obwohl seit der Wiedereinweihung des Kirchleins im September 2014 bereits mehr als 20 symbolische Patenschaften vergeben wurden, warten noch eine ganze Reihe klingender Patenkinder darauf, ins Herz geschlossen zu werden. Schließlich hat die Hohenwerbiger Orgel nach Aussage von Kai Lengner 289 Pfeifen.

An den Klang des Instruments können sich im Dorf nur noch wenige erinnern. Zulange ist die alte Orgel bereits stumm. In dem vom Bad Belziger Kantor Winfried Kuntz verfassten Sachstandsbericht heißt es, dass dieselbe schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden konnte. Damit diese Situation bald der Vergangenheit angehört, will die Gemeinde mit dem Orgelbrot Interesse und Bewusstsein wecken. "Bäckermeister Christian Gericke in Bad Belzig backt für uns", bemerkt Lengner und ergänzt: "Wir wollen mit den Orgelbroten nicht vordringlich Geld für die Sanierung verdienen". Gerickes duftendes Brot, dass sich "gut anfühlt und lecker schmeckt" so Lengner, sei "etwas besonderes, für alle Sinne" - so wie die Orgel, wenn sie dann wie klingt. Ein Instrument, das die Sinne berührt.

Mit ihren sechs Registern und 289 Pfeifen hat Friedrich Wilhelm Lobbes vor mittlerweile 137 Jahren ein auf das kleine Dorfkirchlein zugeschnittenes Instrument erbaut - einfach und zweckmäßig - eine Dorfkönigin eben, die zum Sahnetüpfelchen im restaurierten Gemäuer werden soll. 300.000 Euro flossen in die umfassende Sanierung, die aus einem maroden Kirchbau eine Kultur- und Kunstkirche werden ließ. Um dem Anspruch gerecht zu werden, ist die Sanierung der Lobbes Orgel ein Muss. Neben den Gottesdiensten der Gemeinde finden seit der feierlichen Einweihung im vergangenen Jahr monatlich Kulturveranstaltungen statt.

Die Stadt Niemegk brachte zwei Orgelbauer hervor. Gottfried Wilhelm Baer (1811 - 1873) und seinen Stiefsohn Friedrich Wilhelm Lobbes (1838 - 1911). Ihre Orgeln haben in vielen Kirchen der Region die Zeit überdauert. Im früheren Kirchenkreis Niemegk baute Baer Orgeln in Rädigke, Lobbese, Niemegk, Mörz, Rietz und Dahnsdorf. Lobbes schuf die Instrumente in Groß Marzehns, Pflügkuff, Haseloff, Grabow, Hohenwerbig, Lühnsdorf, Buchholz, Niederwerbig, Jeserig und Neuendorf. Die Kirche in Hohenwerbig wurde Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Um 1700 erhielt der Feldsteinbau den Turm in heutiger Gestalt. Die Glocke in der Glockenstube ist bedeutend älter, sie stammt aus dem Jahr 1499. Vor der Kirche befindet sich der "Schöpfungsweg Hohenwerbig". Er entstand 2012 im Rahmen eines Kunstprojekts mit Jugendlichen aus der Region und dem Künstler Peter Scholte-Reh.

Märkische Onlinezeitung vom 25. Dezember 2015

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