Abschied
Wolf-Dietrich Meyer-Rath
Ein Glücksfall für die Prignitz

Am 17. November 2025 verstarb in Berlin im gesegneten Alter von 87 Jahren Wolf-Dietrich Meyer-Rath. Als Regionalbetreuer für die Prignitz und langjähriges Vorstandsmitglied leistete er von 2006 bis 2020 Außergewöhnliches für den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. Diese ehrenamtliche Tätigkeit füllte seinen Ruhestand in einer Weise aus, die weit über das übliche Maß hinausging.
Dabei stand seine Wiege weder in Berlin noch in Brandenburg. Geboren am 13. November 1938 in Mülheim an der Ruhr, war er ein Stadtkind und durch seine Familientradition eng mit der Geschichte der Industrialisierung verbunden. Er entschied sich für das Studium der Architektur in Aachen und Berlin und begleitete in seiner beruflichen Laufbahn bedeutende Planungen für die Evangelische Kirche sowie für Schulbauten im Berliner Westen.
Vor diesem Hintergrund lag es nicht unbedingt nahe, sich nach dem Berufsleben einer ländlichen, eher abgelegenen Region zuzuwenden. Doch Meyer-Rath tat genau dies mit beeindruckender Intensität. Er ließ sich als Regionalbetreuer gewinnen – wohl wissend, dass die Wege von Berlin in die zahlreichen Dörfer der Prignitz oft weit sind. Was ihn überzeugt haben muss, war der enorme Beratungsbedarf bei den Sanierungsbemühungen an den vielen historischen Kirchenbauten der Region.
In dieser Tätigkeit wurde ihm schnell deutlich, dass es einerseits an einem systematischen Überblick über den Baubestand fehlte und andererseits eine tiefere Erforschung dieser Bauten dringend geboten war. In einer beispiellosen Schaffensphase von nur neun Jahren entstanden unter seiner Herausgeberschaft fünf Publikationen, die das kulturelle Erbe der Prignitz fest verankerten.
Diese Werke waren jedoch keine Sololeistungen, sondern das Ergebnis leidenschaftlicher Teamarbeit und intensiven Austauschs. Unvergessen bleiben die gemeinsamen Kirchenbereisungen mit Gordon Thalmann, bei denen vor Ort die Grundlagen für die Beiträge der Fachautoren gelegt wurden. In tiefgehenden fachlichen Diskussionen mit dem Kunsthistoriker Peter Knüvener wurden die kunstgeschichtlichen Besonderheiten der Region präzise herausgearbeitet. Diese fachliche Auseinandersetzung fand ihre Fortsetzung oft bei Abstimmungsbesuchen in Meyer-Raths Berliner Wohnung in der Kranzallee, wo im persönlichen Gespräch die Details geschärft wurden.
Ein besonderes Augenmerk legte der gelernte Architekt auf die Ästhetik seiner Bücher. In Kathrin Reiter fand er eine kongeniale Partnerin für das Layout. In zahllosen gemeinsamen Stunden und akribischen Korrekturdurchgängen feilten beide an der perfekten Form, bis der Inhalt auch optisch die ihm gebührende Würde erhielt.
Das Markenzeichen von Wolf-Dietrich Meyer-Rath war dabei seine unbedingte Präzision. Er plante Projekte akribisch, erstellte Finanzierungspläne und setzte Vorhaben pünktlich um. Dass er sich von einmal gefassten Plänen nur ungern abbringen ließ, mochte gelegentlich zu Spannungen führen, doch der Erfolg seiner Arbeitsweise gab ihm recht. Bemerkenswert war zudem sein Talent, Partner zu vereinen: Ob die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Sparkassen oder der Tourismusverband – Meyer-Rath verstand es, Kräfte für eine gemeinsame Sache zu bündeln. Für die Unterzeichnenden bleibt diese zielgerichtete Zusammenarbeit ein großes Vorbild.
Wolf-Dietrich Meyer-Rath war für den Förderkreis und die gesamte Prignitz ein ausgesprochener Glücksfall. In seinen Büchern und den sanierten Kirchenräumen wird sein Wirken lebendig bleiben. Möge seine Seele nun ruhen in Frieden.
Dr. Uwe Czubatynski, Gordon Thalmann
