Ein vergessenes Kunstwerk in neuem Glanz

Festgottesdienst für das fertiggestellte Holzepitaph für Margarete von Dießkau in Wiesenburg

Detail des restaurierten Epitaphgemäldes

Ein Gottesdienst am 19. April 2026 zu einem wiedererstandenen, herausragenden Gemälde. Es stammt wohl aus der Werkstatt Lucas Cranachs oder aber von dem Cranach Schüler Peter Spitzer und es beeindruckt künstlerisch, berührt aber vor allem menschlich.

Das Epitaphgemälde zeigt die sterbende Margarete von Dießkau im Jahr 1568, wie sie ihr neugeborenes Kind in die Obhut einer Frau gibt. Sie wird umringt von zahlreichen Verwandten in Trauerkleidung. Über sie beugt sich ein kleiner Engel, der ihr die Todeskerze überbringt. Rechts hält ihr Mann Friedrich III. Brandt von Lindau ein Taschentuch gegen die Tränen in der Hand – ungewöhnlich in einer Zeit, in der Männer wenig Emotionen zeigten, sagte Pfarrer Dr. Stephan Schönfeld beim Festgottesdienst, er müsse seine Frau sehr geliebt haben. Am Fuße des Bettes steht ein Hund als Symbol ehelicher Treue. Auf einem Stuhl sitzt wohl die Mutter Margaretes – auch mit einem Taschentuch. Im Hintergrund sieht man prächtige, italienisch anmutende Gebäude, Arkaden, eine Brücke, Menschen, die aus den Fenstern schauen oder umherschlendern – es sei das himmlische Jerusalem, sagte Pfarrer Schönfeld. Und von ganz oben schaut Gottvater aus einer Wolke herab – die Liebe Gottes für alle Welt.

Man kennt das Geburtsdatum von Margarete nicht. 1554 wurde ein Sohn Friedrich erwähnt, der aber wohl in früher Jugend verstarb. Deutlich älter war sie also, als ihre im Epitaph abgebildete Tochter Christina 1568 geboren wurde. Auch sie starb – kaum zwei Jahre später.

Diavortrag nach dem Gottesdienst zur Restaurierung des Epitaphs

Nach dem Gottesdienst erzählte Pfarrer Schönfeld auch anhand von Bildern die Geschichte der Renovierung. Den Anstoß habe Prof. Heydenreich aus Köln gegeben, der das Bild in Köln habe näher untersuchen wollen. Laut Denkmalamt sei es aber nicht transportfähig gewesen, weil sich die Malschicht löste. 2023 erfolgte eine Notsicherung mit Hilfe von Japanpapier und Fischleim vor Ort in der Kirche. Ab Dezember 2023 ging es dann ans Geldsammeln mit Hilfe der Aktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“, die der Förderkreis Alte Kirchen zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche organisierte. Fast 14.200 Euro kamen zusammen. Es gab zusätzliche Einzelspenden – auch aus Wiesenburg – und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz deckte den verbliebenen Fehlbetrag zu den erforderlichen knapp 25.000 Euro ab. Unter anderem aus der treuhänderischen Stiftung unseres Mitglieds Elke Kreischer, langjährige Redakteurin unserer Mitgliederzeitung, die nun auch beim Festgottesdienst anwesend war. Vor der Restaurierung des Gemäldes 2025 durch Andrea Himpel in Halle mussten in einer Zwischenstation in Dessau noch die Holzwürmer mit Gas vertrieben werden.

Die Entstehung des Epitaphgemäldes fiel damals in unruhige Zeiten, aber auch in eine Zeit des Wiederaufbaus in Wiesenburg. Die Brandts von Lindau hatten 1456 vom sächsischen Kurfürsten das Lehen erhalten. 1547 wurde die Burg im Schmalkaldischen Krieg zerstört, danach aber von Friedrich, Margaretes Mann, wiederaufgebaut. Dieser stiftete auch der Kirche einen neuen Altar und ein Epitaph für seine Eltern, die er beide beim bekannten Torgauer Bildhauer Georg Schröter in Auftrag gab. Friedrich heiratete später noch einmal. Mit seiner zweiten Frau Marie von Pflug zeugte er dann endlich ein ihn überlebendes Kind, Sohn Benno, der „Reiche“ genannt, der der Kirche Empore und Herrschaftsgestühl stiftete und den Ausbau der Burg fortsetzte, bevor sie 1636 im Dreißigjährigen Krieg erneut zerstört wurde.

Philipp Schauer

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