Rosenwinkel braucht nicht nur Regenschutz

Wir rufen zu einer Sonderspende für die Dorfkirche Rosenwinkel auf!

Dorfkirche in Rosenwinkel

Verglichen mit anderen Dorfkirchen wirkt das Gotteshaus in Rosenwinkel (OPR) – zumindest architektonisch gesehen – wie eine graue Maus. Spötter könnten sogar sagen, es sei bloß eine Scheune mit einem Kreuz auf dem Dach. Doch damit würde man dem schlichten Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert, der mitten im Dorf auf einem kleinen Hügel steht, nicht gerecht. Es gleicht vielmehr einem Wunder, dass diese Kirche die DDR-Zeit überlebte und heute von innen und außen wieder recht freundlich aussieht. Denn die Kirche wurde mehrfach gestutzt und verunstaltet: 1955 wurde wegen Einsturzgefahr die Spitze des barocken Turms abgetragen, in den 1970er Jahren dann der verbliebene Rest des Turms mit Teilen des Schiffes beseitigt. Die Glocke hängt seit etwa 50 Jahren in einem stählernen Gerüst. Anstelle des Turmes erhielt die Kirche einen kleinen, gepflasterten Vorplatz und einen Westgiebel, wobei im Laufe der Zeit auch der Eingang verändert wurde. Erst gab es seitlich einen Windfang, dann wurde mittig eine zweiflügelige Tür mit einem kleinen Vordach eingebaut. Diese Umbauten hatten zur Folge, dass es vor der Kirche diverse Probleme mit dem Regen und seiner Ableitung gab.

Dass die Kirche überlebte, hat sie zwei Fördervereinen zu verdanken. Der erste wurde 2003 gegründet. Im Oktober jenes Jahres wurde Rosenwinkel daher vom Förderkreis zur Dorfkirche des Monats erkoren. Der Verein scheint nicht viel bewirkt zu haben. Im Herbst 2017 musste daher die vom Echten Hausschwamm befallene Kirche offiziell gesperrt werden. Im Februar 2018 formierte sich ein neuer Förderverein unter Führung von Frank Böttcher, dem ehemaligen Inhaber des Berliner Lukas-Verlages. 23 Mitglieder traten dem Verein bei. Dieser erhielt damals vom Förderkreis ein Startkapital von 2.500 Euro. Rosenwinkel war schon zu DDR-Zeiten bei Künstlern und Großstadt-Flüchtlingen ein beliebtes Refugium im dünn besiedelten Dreieck zwischen Wittstock, Kyritz und Pritzwalk. Heute hat das Dorf 135 Einwohner, davon 25 mit Zweitwohnsitz.

Wie Rosenwinkel zu seinem blumigen Namen kam, dazu gibt es zwei Theorien. Die eine besagt, dass der Ort eigentlich Rossewinkel hieß, weil das ehemalige Gutshaus viele Pferde besaß. Die zweite Theorie verweist auf eine kreative Wortschöpfung des Klosters Heiligengrabe, um potentielle Siedler in die eher sandige Gegend zu locken. Der Bau einer ersten kleinen Kirche wird im 13. Jahrhundert vermutet. Der Ort selbst wird 1462 erstmals erwähnt. Im 30jährigen Krieg brannte die Kirche 1625 ab. Da es noch einige rundbogige Kabinettscheiben aus dem Jahre 1657 gibt, wurde der Fachwerkbau wohl in jener Zeit errichtet. Der barocke Kanzelaltar von 1760 wurde offensichtlich aus einer anderen, größeren Kirche beschafft, da er bis zur Decke reicht.

In den vergangenen sieben Jahren wurde die Kirche aufwendig saniert, nun sollen im Innenraum und auch im Eingangsbereich für Gesamtkosten von 56.000 Euro noch diverse Maßnahmen vorgenommen werden. Es sind keine Schönheitsreparaturen, sondern dringliche Arbeiten. Denn wie in anderen Dorfkirchen zeigt sich, dass so manche frühere Renovierung nicht fachgerecht war und daher so mancher Putz bröckelt. Dies gilt auch für den Regenschutz an der Tür, die wegen des fehlenden Turms nun dem Westwind in der Prignitz trotzen muss. Für das jetzige Projekt ist Ludwig Hangen, seit fünf Jahren der neue Vorsitzende des Fördervereins, besonders gut qualifiziert. Er war als Berater für große Bauprojekte in Deutschland tätig.

Das Gotteshaus gehört zur Kirchengemeinde Jäglitz-Nadelbach, zu der neben Rosenwinkel auch Blumenthal, Dahlhausen, Grabow und Wutike gehören. Pfarrer Christian Ruch beantragte beim Förderkreis als Beihilfe 5.000 Euro, doch weil zurzeit sehr viele Anträge eingehen, konnten wir lediglich 2.000 Euro zusagen. Deshalb sammeln wir gezielt eine zusätzliche Spende für die Restaurierung von Rosenwinkel. Von den Gesamtkosten entfallen ein Drittel (17.500 Euro) auf den barocken Kanzelaltar. Für ihn erhofft man sich Mittel von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz.

Ludwig Hangen, der aus Frankfurt am Main stammt, ist nicht mehr Mitglied der Kirche, was für etliche andere aus dem Förderverein auch zutrifft. Das Gotteshaus ist aber für ihn dennoch ein wichtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Der Verein hat inzwischen mit der Kirchengemeinde einen Nutzungsvertrag geschlossen, der ihm diverse Kulturveranstaltungen ermöglicht. Zwei Skulpturen von einem Künstler im Dorf stehen bereits im Kirchenschiff. Im Sommer, wenn die Arbeiten beendet sind, soll es unter anderem drei bis vier Kino-Abende in Rosenwinkel geben.

Konrad Mrusek

SPENDENKONTO:
Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90
Verwendungszweck: Rosenwinkel

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