Von Kriegswunden geheilt

Wiederaufbau der St. Marien-Andreas-Kirche in Rathenow abgeschlossen

Wiederhergestellte St. Marien-Andreas-Kirche

Eine Kriegsruine ist sie schon lange nicht mehr. Jedenfalls, wenn man sich die Stadtkirche zu Rathenow von außen ansieht. Aber erst jetzt, genau 81 Jahre nach einem Großfeuer, feierte man am 26. April 2026 den Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche. Mehr als drei Jahre lang war sie zuletzt wegen der Bauarbeiten geschlossen.

Die um 1190 erbaute romanische Basilika wurde im 16. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche erweitert. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen sich nahe der Elbe deutsche und sowjetische Truppen direkt gegenüber. Die Sowjetarmee warf Brandbomben in das Sakralgebäude. In der Brandnacht vom 28. zum 29. April 1945 wurde nicht nur ein Großteil der Kirche, sondern mit ihr die umliegende Altstadt großflächig zerstört. Noch nicht sehr lange erinnert eine Gedenktafel an das ebenfalls abgebrannte Pfarrhaus, in dem der vielleicht bekannteste Pfarrer der Kirche, Johann Heinrich August Duncker (1767–1843), lange Zeit wirkte. Duncker gilt als Vorreiter für die optische Industrie, mit der die heutige Kreisstadt des Havellandes eng verbunden war und ist. An der Kirche stürzte der obere Teil des Kirchturmes ein – wer nicht den Zweiten Weltkrieg erlebt hat, jedoch die Bilder des brennenden Spitzturms an der Kathedrale von Notre Dame kennt, mag eine Vorstellung davon haben. Auch alle weiteren hölzernen Aufbauten, das Dach des Mittelschiffes und des Chorraumes, die Treutmannorgel, alles wurde ein Raub der Flammen. Es dauerte 14 Jahre, bis das Kirchenschiff mit einem provisorischen Dach wieder für Gottesdienste im Sommer genutzt werden konnte. Zwischenzeitlich behalf man sich mit der Nutzung einer ehemaligen Industriehalle, die in den 1930er Jahren zu kirchlichen Zwecken umgebaut worden war. Die heutige Luther-Kirche hat in dieser Zeit einen wesentlichen Teil der Gemeindearbeit ermöglicht.

Die Reste nach dem Brand

Gut 30 Jahre später, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, begann der Wiederaufbau. Zunächst wurde der für das Stadtbild so charakteristische Turm rekonstruiert. Aus den noch vorhandenen Außenwänden des Chorraumes wuchsen die Bäume in den Himmel. Ein Förderverein wurde gegründet, der sich seitdem sehr erfolgreich zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde um den Erhalt und die Nutzung des Gebäudes kümmert. Die liebevoll gestaltete und gepflegte Dokumentation der Vereinsarbeit findet man im Internet unter www.rathenow-kirche.de. In einem weiteren Bauabschnitt wurde das Dach und die Außenhülle des Chorraumes rekonstruiert. Seit 2023 wurde nun der Innenraum weitgehend nach dem früheren Bestand hergestellt: die Kreuzrippengewölbe, die massiven Pfeiler des Chorraumes, die Seitenempore. Der Kirchenraum wird mit moderner Heiztechnik auf einer minimalen Grundtemperatur gehalten, auch sonst hat moderne Technik Einzug gehalten, die aber allesamt unter dem ebenfalls neu aufgebauten Natursteinboden verschwunden ist. Auf der Orgelempore verbleibt derweil eine letzte Lücke für die Königin der Instrumente. Der Förderverein hat sich deren Neubau als nächsten Meilenstein gesetzt. Mit mindestens 650 Sitzplätzen ist die Stadtkirche nun wieder der größte Versammlungsraum der Optik-Stadt. Zusammen mit dem benachbarten Gemeindezentrum soll künftig wieder eine multifunktionale Nutzung ermöglicht werden, die über die Gottesdienste hinausgehen wird und die Kirche nicht nur optisch wieder als Mittelpunkt der Stadt erstrahlen lässt. Ab Mai 2026 kann die Kirche wieder besichtigt werden.

Andreas Flender

Kontakt:
Pfarrbüro Ev. Kirchengemeinde Rathenow,
03385 512390,
www.ev-kirche-rathenow.de

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