Dorfkirche Prädikow
Steckbrief
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| 15345 Prötzel OT Prädikow | Märkisch-Oderland |
| Basilikaler Feldsteinbau E. 13. Jh., Seitenschiffe im 30-jähr. Krieg zerstört, Ausstattung 17. Jh. | Von April - Okt. täglich geöffnet, sonst Schlüssel bei Simona Koß, Tel. 0160-97945125; Auskünfte im Ev. Pfarramt Buckow, Königstraße 57, Tel. 033433 - 427. |
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Förderverein Dorfkirche Prädikow e.V. Simona Koß Dorfstr. 2 15345 Prötzel OT Prädikow Tel.: 0160 - 97 94 51 25 E-Mail: simona.koss@gmx.de |
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Text und Fotos: Philipp Schauer
Prädikow ist ein hübsches Dorf. Wenn man auf der B 168 nach Norden, nach Prötzel, fährt, sieht man es links hinter Feldern in einer Senke liegen mit der markanten Feldsteinkirche. Am Storchennest biegt man links ab, fährt am ehemaligen Gutshof vorbei und hält vor der Kirche. Gegenüber steht ein hübsches altes Haus. Im Sommer ist die Kirche als Besinnungsort geöffnet, es stehen für durstige Radfahrer Wasserflaschen bereit und man darf auch dem Deutsch-Polnischen Garten Kräuter entnehmen. Vor allem in der COVID-Zeit kamen viele Besucher aus Strausberg mit dem Rad angefahren. Prädikow liegt an dem Radwanderweg „Tour Brandenburg“ und an dem Wanderweg „Oberbarnimer Feldsteinroute“.
Der Ort ist seit Jahren mit der Partnergemeinde Bogdaniec im polnischen Grenzgebiet verbunden. Die Vorsitzende des im Jahre 2000 gegründeten „Fördervereins Dorfkirche Prädikow“, Simone Koß, erzählt, dass 2010 hiesige Schülerinnen und Schüler zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus Bogdaniec das verwahrloste Grundstück rund um die Kirche in Ordnung brachten und den bestehenden Kräutergarten nach Hildegard von Bingen anlegten.
Die Dorfkirche Prädikow ist eng mit verschiedenen lokalen Initiativen und Einrichtungen vernetzt. Dazu gehört insbesondere die Dorfscheune, in der regelmäßig Veranstaltungen wie Jam Sessions und weitere kulturelle Angebote stattfinden. Auch mit dem Verein Kultur und Landleben Prädikow e.V. sowie den Organisatoren des Maislabyrinths Prädikow besteht eine enge Zusammenarbeit. Gemeinsam engagieren sich die Beteiligten für das kulturelle und gemeinschaftliche Leben im Ort – so wird beispielsweise der jährliche Weihnachtsmarkt gemeinsam organisiert und durchgeführt. Und natürlich fehlen auch nicht die Gottesdienste.
Die „Kräuterkirche“ selbst ist eine Besonderheit. Sie wurde zwischen 1255 und 1270 als Basilika mit zwei Seitenschiffen erbaut. Man hatte wohl die Entwicklung eines größeren Ortes erwartet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche zerstört, die Seitenschiffe wurden nicht wiederaufgebaut. Man sieht von außen die zugemauerten Öffnungen zu den Seitenschiffen. Der heutige Turm wurde 1865 aufgesetzt und wohl von F.A. Stüler entworfen, der damals mit dem Umbau des Prötzeler Schlosses beauftragt war. Es gibt eine nicht zugängliche Gruft in der die von Fontane in seinen Wanderungen erwähnten drei eher rauflustigen Brüder der Familie Barfus begraben liegen. Den Innenraum schmückt eine Renaissancekanzel mit gemalten Bildern der Evangelisten aus der Zeit um 1600, eine 1881 gebaute Orgel von Albert Lang (Berlin) und ein Epitaph mit Porträtmedaillon für die 1733 verstorbene Tochter des Gutsinspektors Ballaunen. Die Altarwand wird bedeckt von einem Sgraffito des letzten Abendmahls des Rostocker Künstlers Lothar Mannewitz aus den 1950-iger Jahren. Eine Glocke stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im Mauerwerk außen kann man einen Schachbrettstein entdecken.
Nicht nur die Umgebung der Kirche war verwildert, auch die Kirche selbst war verfallen. 2012 wurde sie wenigstens wieder zugänglich gemacht. 2021 fanden weitere Sicherungsarbeiten statt. Maueranker wurden gesetzt. Und nun soll es endlich mit der dringend notwendigen Sanierung des wohl damals etwas zu ehrgeizig geplanten Turmaufsatzes losgehen. Der Förderkreis Alte Kirchen war jedes Mal dabei – so auch jetzt, denn so viel Engagement verdient Unterstützung. Spenden sind herzlich willkommen.
Weitere Informationen:
Adresse der Kirche: Dorfstr, 15345 Prötzel, Ortsteil Prädikow
Ev. Kirchengemeinde Märkische Schweiz: Pfarrerin Anika Grünwald, Königstraße 57, 15377 Buckow, Tel. 033433-427, pfarramt.buckow@ekkos.de; https://www.kirche-oderland-spree.de/kirchengemeinden/region-strausberg/kirchengemeinde-markische-schweiz
Förderverein „Dorfkirche Prädikow e.V.“, Dorfstraße 2, 15345 Prötzel, Vorsitzende Simona Koß, Tel. 033436-35549, 0160-97945125, simona.koss@gmx.de, http://www.dorfkirche-praedikow.de/
Rad-/ Wanderwege: Prädikow liegt am Radwanderweg „Tour Brandenburg“ und am Wanderweg „Oberbarnimer Feldsteinroute“
Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Evangelische Bank – IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90
Verwendungszweck: Dorfkirche Prädikow (MOL)
Historischen Text ausklappen
Erstmals urkundlich erwähnt wird das in der märkischen Schweiz, am Rande des „großen Blumenthal- Waldes“ liegende Dorf Predicowe in einer Urkunde aus dem Jahr 1340. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts werden sogar jeweils zwei Dörfer – Hohenprädikow und Niederprädikow – genannt. Bestimmendes Patronatsgeschlecht in Prädikow ist über lange Zeit die Familie von Barfus. Und so ist es auch kein Wunder, dass Theodor Fontane, der den Ort für den Band „Das Oderland“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ besucht, hauptsächlich an der Geschichte dieses märkischen Adelsgeschlechtes interessiert ist. Vom Dorf selbst erfährt der Leser so gut wie nichts. Einige Zeilen widmet er wenigstens der Kirche, die „jenen einfach malerischen Feldsteinbauten [angehört], denen man, aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert her, so häufig in unseren Marken begegnet.“
Und hier hat Brandenburgs berühmtester Wanderer wohl doch nicht so genau hingeschaut: Die Prädikower Kirche ist durchaus etwas Besonderes; sie wurde ursprünglich dreischiffig als dörfliche Basilika errichtet. Darauf deuten die kleinen Spitzbogenfenster im oberen Bereich der Langseiten, die sogenannten Obergadenfenster, und das etwas chaotische Mischmauerwerk der zugesetzten Seitenschiffe hin. Der basilikale Ursprungsbau wiederum erzählt davon, dass Prädikow als Ort an der alten Handelsstraße von Köpenick bis zur Oder im hohen Mittelalter eine gewisse Bedeutsamkeit besaß und vielleicht sogar zunächst als Stadt geplant war, worauf auch die ungewöhnlich große Hufenzahl von mehr als 100 sprechen würde. Ein großer Einschnitt in der Geschichte des Dorfes war der Dreißigjährige Krieg, in dessen Folge zahlreiche Höfe wüst fielen und auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ohne die erwähnten Seitenschiffe wurde das Gotteshaus wieder aufgebaut. Der neugotische Turmaufsatz kam erst um 1865 hinzu – drei bis vier Jahre nach Theodor Fontanes Besuch.
Was den Innenraum betrifft, so konstatierte Fontane etwas enttäuscht: „Nichts mehr mahnt an die Barfuse hier als der Estrich über ihrer Gruft, der, immer tiefer einsinkend, zugleich von den unten stehenden drei Särgen erzählt …“. Ältestes heute noch erhaltenes Ausstattungsstück ist eine Glocke aus dem 13. Jahrhundert. Wohl um 1600 entstand die Renaissancekanzel, in deren Feldern die vier Evangelisten, die Kreuzigung Jesu und ein Heiliger (vermutlich Antonius) zu sehen sind. Die einmanualige Orgel auf der westlichen Querempore – das Geschenk eines gebürtigen Prädikowers, des „Contitors Jaruschek aus Berlin“ an seinen Geburtsort – schuf 1881 der Berliner Orgelbauer Albert Lang. Ein Sandsteinepitaph mit einem Porträtmedaillon erinnert an die 1733 verstorbene Tochter des Gutsinspektors Ballaunen. Hinter dem schlichten Altartisch zeigt ein Wandbild in Sgrafitto-Technik das Letzte Abendmahl; geschaffen wurde es in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts von dem Rostocker Restaurator und Künstler Lothar Mannewitz.
Besucher der Prädikower Kirche können auf den ersten Blick feststellen, dass letzte Sanierungsarbeiten schon sehr lange zurückliegen müssen. Tiefe Risse im Mauerwerk und großflächig abgefallener Putz im Innenraum sind nur die sichtbarsten Zeichen dafür, dass eine grundlegende Instandsetzung des Kirchengebäudes dringend geboten ist. Bereits seit vielen Jahren engagiert sich neben der Kirchengemeinde ein überaus rühriger Förderverein für die Sanierung der Kirche. Immer wieder scheiterten die Bemühungen an den fehlenden Finanzen. Die Bauarbeiten an der großen barocken Schlosskirche im benachbarten Prötzel hatten die begrenzten Eigenmittel der Kirchengemeinde erst einmal aufgebraucht. Unermüdlich warb der Förderverein Jahr um Jahr Spenden ein. Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen wurden organisiert. Ein zusammen mit der polnischen Partnergemeinde nach Hildegard von Bingen angelegter Kräutergarten zog Besucher in die offene Kirche am Radwanderweg. Dazu kommt, dass sich seit einiger Zeit auch auf dem ehemaligen Gutshof endlich etwas tut: Eine Gruppe von engagierten Berlinern versucht hier, einen neuen Ort gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens zu entwickeln. Synergieeffekte zu den Mitgliedern des Kirchenfördervereins sind durchaus erwünscht.
Mit den Sanierungsarbeiten an der Prädikower Kirche kann es nun in diesem Jahr losgehen. Ein größerer Betrag aus der Denkmalhilfe des Landes Brandenburg wurde bewilligt, 10.000 Euro sammelte der Förderverein und sogar die Kommune beteiligt sich mit einem namhaften Betrag. Auch der Förderkreis Alte Kirchen und die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen sind beteiligt. Was lange währt, wird eben doch manchmal gut …