14.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

120 Jahre katholische Gottesdienste in Königs Wusterhausen

Brandenburg war seit der Reformation protestantisch. Erst Zuwanderer aus Polen brachten den katholischen Glauben wieder in die Region. 1899 fand der erste katholische Gottesdienst in Königs Wusterhausen statt.

Seit 1937 gibt es in Königs Wusterhausen eine eigene katholische Kirche, die St. Elisabeth-Kirche. Quelle: Carsten Schäfer

Am 8. Oktober 2019 jährt sich der Tag des ersten katholischen Gottesdienstes in der Stadt zum 120. Mal. Ein guter Grund, auf die Anfänge katholischen Lebens in und um Königs Wusterhausen zurück zu blicken.

Königs Wusterhausen war im Jahrzehnt vor der Jahrhundertwende nicht viel mehr als ein größeres Dorf und hatte weniger als 3000 Einwohner. Nur einige von ihnen waren Katholiken und nur die Wenigsten sprachen Deutsch als Muttersprache. Schlesien, Posen und andere polnische Gebiete waren zuvor die Heimat dieser Menschen gewesen. Auf der Suche nach Arbeit in der Nähe der aufstrebenden Reichshauptstadt Berlin fanden sie ihr Auskommen in der märkischen Landwirtschaft, in den umliegenden Ziegeleien oder in der Schenkendorfer Kohlengrube.

Gläubige fuhren nach Friedrichshain

Verwaltungstechnisch gehörte Königs Wusterhausen innerhalb der katholischen Kirche zum Pfarrbezirk Köpenick. Die bessere Verkehrsanbindung sorgte aber dafür, dass viele Gläubige zur Heiligen Messe in die St. Pius-Kirche nach Berlin-Friedrichshain fuhren. Außerdem fanden dort auch polnische Gottesdienste statt.

Kurz vor der Jahrhundertwende war durch den stetigen Zuzug von Wanderarbeitern die Zahl der katholischen Christen in Königs Wusterhausen auf fast 250 Gläubige angewachsen, darunter waren auch 45 schulpflichtige Kinder.

Große Verdienste um die Seelsorge im Ort erwarb sich der Reichstagsabgeordnete und Pfarrer von St. Pius in Berlin, Wilhelm Frank. Obwohl er gar nicht zur Gemeinde gehörte, kümmerte er sich um die Belange der Gläubigen in und um Königs Wusterhausen. Im Oktober 1898 ermutigte er die Gemeindemitglieder, von der preußischen Regierung in Potsdam den Bau einer Kirche und einer katholischen Schule in Königs Wusterhausen zu fordern. Für sie war es nicht mehr hinzunehmen, dass es für ihre Kinder keine Möglichkeit für katholische Schulbildung und Religionsunterricht im Ort geben sollte.

In Königs Wusterhausen lebten bei weitem nicht die meisten Katholiken, aber für den Ort sprachen die zentrale Lage und die günstige Verkehrsanbindung.

Ablehnung aus der Verwaltung

Die preußischen Beamten standen dem Vorhaben äußerst ablehnend gegenüber. Sie hegten die Befürchtung, dass es zu einer „Gefährdung des Deutschtums vor den Toren der Reichshauptstadt“ kommen könnte, wenn in der Kirche polnisch gepredigt und in der Schule polnischer Religionsunterricht erteilt würde. Pfarrer Frank fand dennoch eine pragmatische Lösung für den Sonntagsgottesdienst: Er mietete die komplette Etage einer Gaststätte und so konnte am 8. Oktober 1899 die erste Messe im Ort gefeiert werden. In der Kirchenchronik von St. Elisabeth schreibt der Chronist dazu: „Am 8. Okt. 1899 wurde zum 1. Mal in Königswusterhausen katholischer Gottesdienst abgehalten und zwar in dem Lokal von Utz. Pfarrer Frankmietete für 360 M. die 1. Etage; dort sollte nun alle 14 Tage Gottesdienstgehalten werden. In dem einen Zimmer stand der Altar, neben an in dem Zimmer versammelten sich die Kinder und in dem 3. die Erwachsenen.“

Das Lokal von Otto Utz war im Gebäude Cottbusser Straße/Ecke Luckenwalder Straße eingerichtet, in dem sich später auch die Gaststätte „Schlachteplatte“ befand. Heute ist das Gebäude unbenutzt.

Schule wurde 1900 fertig, die eigene Kirche 1937

Erst als Kardinal Georg von Kopp ausdrücklich versicherte, dass es keine Predigten und keinen Schulunterricht in polnischer Sprache geben werde, wurde die Genehmigung zum Bau einer Schule erteilt. Im April 1900 war der Bau fertig, doch die Zahl der Kinder war da bereits rückläufig.

Unterricht fand in dem als Schule errichteten Gebäude nie statt. Stattdessen richtete sich die Gemeinde in den Schulräumen eine kleine Kapelle ein, in der sie fortan ihre Gottesdienste feiern konnte. Seit Oktober 1902 hatte die Gemeinde dann auch einen eigenen Seelsorger. Nach dem Bau der St. Elisabeth- Kirche im Jahr 1937 wurde das Gebäude zum Pfarrhaus der Gemeinde.

Von Norbert Seyer

Märkische Allgemeine Zeitung, 14.09.2019
Kirchensanierung in Hohennauen noch bis 2020 23.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Trauernde Maria kehrt nach 90 Jahren zurück nach Zeuden 22.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Arbeiten an der künftigen Eselpilgerkirche in Neuendorf schreiten voran 18.10.2019 · Märkische Oderzeitung
Hommage an Claire Waldoff in der Dorfkirche Kleßen 14.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Das Sühnekreuz von Sergen kehrt jetzt in das Dorf zurück 12.10.2019 · Lausitzer Rundschau