09.06.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

155.000-Euro-Investition: Aufwendige Bauarbeiten in Pfingstkirche Potsdam beginnen

Die Bauarbeiten in der Pfingstkirche gehen in die nächste Etappe. Bis Ende November steht die Restaurierung der Apsis an. Neben Putz- und Maurerarbeiten kommt auch das besondere dreigliedrige Glasmalereifenster in die Werkstatt.

Pfarrer Stephan Krüger schaut mit großen Augen auf den Altar in der Pfingstkirche. Dort, wo er sonst Gottesdienste hält, steht ein Gerüst. Die Apsis – der halbrunde Raumteil an einem Ende der Kirche – ist seit Montag mit Planen abgedeckt. Der nächste große Abschnitt der Bau- und Restaurierungsmaßnahmen in der Pfingstkirche hat begonnen.

Seit 2009 wurde dort die Orgel erneuert, die ursprünglichen Wandmalereien freigelegt und retuschiert sowie das Dach abgedichtet.

Aufgrund der Bauarbeiten muss Pfarrer Stephan Krüger bis Ende November mit einem provisorischen Altar auskommen. Quelle: Fabian Lamster

Nun soll bis zum ersten Advent die Apsis ebenso wie das dreiteilige Glasmalereifenster inklusive Fensterrosette vom Schmutz und von Schäden befreit werden.

Erfurterin kümmert sich um Fenster der Pfingstkirche

Darum kümmert sich Glasrestauratorin Kathrin Rahfoth. Gemeinsam mit Michael Görlach, der zugleich Kollege und ihr Ehemann ist, ist sie seit Sonntag in Potsdam und geht ihren nächsten Auftrag in der Pfingstkirche an.

Diese ist für sie keine gewöhnliche Kirche: „Dort hat sich die Crème de la Crème des Kunsthandwerks vom Ende des 19. Jahrhunderts verewigt. Es ist darum wirklich etwas Besonderes, die Restaurierung anzugehen“, sagt die Erfurterin.

Die Pfingstkirche wurde 1894 eingeweiht und feierte vergangenes Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum. Zum besonderen Jahrestag konnte gleich einmal die neue Orgel angestimmt werden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass es sich bei den bevorstehenden Baumaßnahmen um keine gewöhnlichen handelt, weiß auch Michael Lunberg, Vorsitzender des Kirch- und Orgelbauvereins der Evangelischen Pfingstgemeinde Potsdam. „Bei der Restaurierung kann es immer wieder Überraschungen geben. Ich bin gespannt, was uns dieses Mal begegnet“, sagt er mit Blick nach vorn.

Was die Apsis-Restaurierung beinhaltet

Dabei hofft er, dass die Latexfarbe, die aufgrund von anhaltenden Feuchtigkeitsproblemen einst auf die Wände der Apsis gestrichen wurde, nicht zu viel von der ursprünglichen Wandbemalung beschädigt hat.

Und vor allem, dass die schrittweise Restaurierung funktioniert, für die sich Maurer, Elektriker und Restauratoren gut abstimmen müssen. Denn neben Putz- und Maurerarbeiten steht die Installation einer Wandheizung sowie der Einbau von Elektrik an. Kostenpunkt der Apsis-Restaurierung: 155.000 Euro.

Auch die Kirchenfenster wurden zum Teil schon restauriert, mit Schutzscheiben versehen und von Glassprüngen sowie Schmutz befreit.
Auch die Kirchenfenster wurden zum Teil schon restauriert, mit Schutzscheiben versehen und von Glassprüngen sowie Schmutz befreit. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Heizung soll für eine konstante Temperatur in der Kirche sorgen, damit das Schwitzwasser Orgel, Fenster und Sitzbänke im Innenraum nicht schädigt

Restaurieren der Kirchenfenster dauert Monate

Noch am Dienstag haben Kathrin Rahfoth und Michael Görlach die Glasmalereifenster der Apsis ausgebaut, bevor sie diese zum Ende der Woche mit in ihre Werkstatt nach Erfurt fahren. Dann beginnt für sie eine intensive Arbeitszeit.

Noch immer gibt es Glassprünge im Kirchenfenster, die ihren Ursprung im Zweiten Weltkrieg haben. Auch die ehemalige Kohleheizung hat über die Jahrzehnte dafür gesorgt, dass sich das farbenfrohe Glas verdunkelte. „Wir haben eine Bildvorlage vom Glasmalereifenster, an der wir uns orientieren und genau schauen, wie es gestaltet wurde. Das Ganze ist ein langer Prozess“, schildert Kathrin Rahfoth.

Seit 2009 wird in der Pfingstkirche gebaut

Die Restaurierungsarbeiten in der Apsis der Pfingstkirche Potsdam stellen den vorerst letzten größeren Bauabschnitt dar.

2009 wurde damit begonnen, die Pfingstkirche umfassend zu restaurieren. Bisheriger Höhepunkt war die Erneuerung der Orgel zum 125-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr.

Die Baumaßnahmen sind ein kostspieliges Unterfangen: Wenn im Dezember die Restaurierung der Apsis beendet ist, sind seit dem Baubeginn vor elf Jahren rund 800.000 Euro in die Pfingstkirche geflossen.

Die evangelische Pfingstgemeinde Potsdam hat 2100 Mitglieder. Für die bevorstehenden Baumaßnahmen von 155.000 Euro beteiligen sich diese mit etwa 45.000 Euro an der Restauration. Ein Gemeindemitglied hat bereits 10.000 Euro gespendet, um die umfassende Restaurierung fertigzustellen.

2025 sollen sämtliche Baumaßnahmen in der Potsdamer Pfingstkirche abgeschlossen sein.

Das Restaurieren der Glasmalereifenster in der Apsis der Potsdamer Pfingstkirche wird sie die nächsten Monate beschäftigen, bevor sie sie voraussichtlich Mitte November wieder einsetzen.

Provisorischer Altar in Pfingstkirche für Pfarrer kein Problem

Auf diesen Moment freut sich Pfarrer Stephan Krüger schon. Er ist überzeugt, dass durch die Baumaßnahmen ein neues Raumgefühl entsteht.

Dann, wenn die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf das Fensterglas in der Apsis treffen und „ein mystisches Dämmerlicht schaffen“, wie er sagt.

Dafür nimmt er auch den provisorischen Altar in Kauf. „Bis dahin müssen wir improvisieren, was aber aufgrund der Corona-Pandemie sowieso Alltag ist. Umso schöner, wenn zum ersten Advent nicht nur die Apsis in neuem Gewand erscheint, sondern wir in der Pfingstgemeinde auch wieder normale Gottesdienste feiern können“, sagt Pfarrer Stephan Krüger.

Von Fabian Lamster

Märkische Allgemeine Zeitung, 09.06.2020