09.12.2019  –  Märkische Oderzeitung

500-jährige Schönheit in Passow wiedererweckt

Wieder am Stammplatz: Die Restauratoren Katharina Hummitzsch und Roland Flachmann brachten in der vorigen Woche die letzten 17 Figuren des Altars zurück nach Passow und bauten sie im Altar ein.© Foto: Kerstin Unger

Der historische Apostelflügelaltar der Dorfkirche Passow ist wieder komplett und erstrahlt so schön wie wohl seit seiner Einweihung nicht mehr. Die Restauratorin Katharina Hummitzsch und ihr Kollege Roland Flachmann haben dieser Tage die 17 fehlenden Altarfiguren eingebaut. Damit kann im nächsten Jahr das 500-jährige Jubiläum des Schnitzaltars würdig gefeiert werden.

Seit vielen Jahren sind die Spezialisten dabei, den Passower Altar zu restaurieren. Das ist sehr aufwendig und teuer. Dazu gehören nicht nur 32 große und kleine Altarfiguren, sondern auch das Architekturwerk, die Flügel, der Goldhintergrund und das kunstvolle Flechtwerk. Katharina Hummitzsch hat das Konzept dafür 1990/91 während ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden erarbeitet. „Ich dachte damals schon, es wäre toll, wenn ich das in meinem Restauratorenleben noch fertig machen könnte“, erzählt sie. Das Besondere am Passower Altar sei, dass er so aufwendig restauriert und freigelegt werden kann. „Sonst werden Altare nur konserviert, damit sie erhalten bleiben“, sagt sie. Sie schwärmt von dieser Detailverliebtheit der früheren Künstler und davon, dass der rote Lack auf goldenem Untergrund fantastisch erhalten war. „Solchen Erhaltungszustand bei mittelalterlichen Kunstwerken findet man nirgendwo.“

Für dieses Ziel haben die Passower viel Geld gesammelt. Maria Schnell, bei der Katharina Himmitzsch als Studentin wohnte, hat sich dafür sehr engagiert und auch über die kleinsten Beträge gefreut. Schritt für Schritt ging es vorwärts. Im Sommer 2018 wurden weitere auf die originale Fassung freigelegte Teile eingebaut und die letzten 17 Figuren von Restauratoren abgebaut, um sie in der Dresdner Werkstatt zu bearbeiten. Zwei Monate lang waren sie dazu im Deutsch-polnischen Jugend-, Bildungs-, Kommunikations- und Begegnungszentrum untergebracht.

Ein Gemeinschaftswerk

Mit dem Wiedereinbau endet die Arbeit für die Fachleute aber noch nicht. Jetzt geht es an die Fertigstellung der Dokumentation. „Wir haben die Vorher- und Nachherzustände festgehalten, damit sie vergleichbar sind“, erklärt Katharina Hummitzsch. Außerdem wird aufgelistet, welche Materialien und Farben verwendet werden.

Dass es gelang, den Altar zum Jubiläum fertigzustellen, ist auch Spendern, darunter vielen privaten, zu verdanken. Dass die letzte Etappe in Angriff genommen werden konnte, habe der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke vermittelt, berichtet der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Hartmut Lüder. „Aber auch die Kirchengemeinde, der Förderverein Dorfkirche Passow, der Kirchenkreis, die Landeskirche und das Denkmalamt haben sich engagiert. Es ist ein Gemeinschaftswerk und ein wahres Prachtstück.“ Er freut sich auf die Feier im nächsten Jahr.

Katharina Hummitzsch wird nun aber nicht arbeitslos. „Es gibt noch viele schöne Aufgaben“, weiß die Kunsthandwerkerin, die am Thronsessel von August dem Starken im Paradeappartement des Dresdner Schlosses arbeiten durfte. Auch in der Passower Kirche wäre noch einiges zu tun, zum Beispiel an der Kanzel oder der Orgel. „Wir haben auch noch Wandmalereien, die noch nicht freigelegt sind“, meint Hartmut Lüder.

Märkische Oderzeitung, 09.12.2019
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