06.01.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Abschied mit Wehmut: Niemegks Küster erinnert sich an seine Jahre in der Sankt-Johannis-Kirche

Manfred Reents war 20 Jahre lang Küster in der Niemegker Sankt-Johannis-Kirche. Mit Beginn des neuen Jahres ist er in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Die MAZ hat ihn vorher noch einmal besucht.

Manfred Reents aus Niemegk war über 20 Jahr lang Küster in der Sankt-Johannis-Kirche. Mit Beginn des Jahres ist er in den Ruhestand gegangen.

Vorne links, wo die alten Dielen knarren, sitzt Manfred Reents am liebsten. In der zweiten oder dritten Reihe lässt der Niemegker dann die Atmosphäre der Sankt-Johannis-Kirche auf sich wirken. „Sie hat für mich etwas faszinierendes und auch beruhigendes“, sagt Reents über das Gotteshaus.

Die St-Johannis-Kirche in Niemegk ist 1850 einem Feuer zum Opfer gefallen. 1851 begann ihr Wiederaufbau.

Ehrfürchtig ragt der gut 40 Meter hohe Turm der Niemegker St-Johannis-Kirche empor. Küster Manfred Reents kennt das Gotteshaus in- und auswendig – nach über 20 Jahren im Dienst wurde er jetzt in den Ruhestand verabschiedet.

Über 20 Jahre ist der Senior in Sankt-Johannis regelmäßig ein- und ausgegangen, kennt das Gemäuer wie seine Westentasche. Als Küster war er stets zur Stelle, wenn seine Hilfe gebraucht wurde, hat bei der Vorbereitung von Gottesdiensten geholfen und zahlreiche Besucher durch die Kirche geführt. Mit Beginn es neuen Jahres ist er in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Mit wie viel Leidenschaft der 65-Jährige seinen Aufgaben als Küster nachgegangen ist, ist jedoch nach wie vor zu spüren. Reents reicht ein Stichwort und die Erinnerungen sprudeln nur so aus ihm heraus. Dann erzählt er zum Beispiel davon, wie er selbst vor gut 20 Jahren die ersten Teile der Orgel mit abgebaut und die Pfeifen in Kartons eingelagert hat.

In Stendal geboren

„Die Orgel ist unser Schmuckstück“, sagt Reents. „Ich freue mich, dass Pfarrer Daniel Geißler die Restaurierung vorangetrieben hat. Denn es gab eine Zeit, da hätte ich nicht gedacht, dass wir fertig werden und die Orgel wieder bespielt wird.“ Aktuell müsse noch der Holzwurm bekämpft werden, 149 Holzpfeifen seien zur Aufarbeitung, berichtet der Senior.

Geboren in Stendal in Sachsen-Anhalt und aufgewachsen in Berlin, hat es den gelernten Betonbauer im Jahr 1991 nach Niemegk verschlagen – der Liebe wegen. „Erst habe ich noch in Berlin gearbeitet, aber 1994 bin ich endgültig bei meiner Moni eingezogen“, so Reents. „Meine Mutter hatte Freunde in Niemegk, die ich seit 1967 immer mal mit besucht habe. Auf einem dieser Ausflüge habe ich dann meine Frau kennengelernt.“

Ausstellung noch bis Ende Januar

„Weihnachten philatelistisch betrachtet“ lautet der Titel einer Ausstellung der Briefmarkenfreunde Niemegk, die noch bis Ende Januar in der Niemegker St-Johannis-Kirche zu sehen ist. 

Vereinschef Karl Grube hat Marken aus aller Welt liebevoll zusammengestellt, die sich mit dem Thema Weihnachten beschäftigen. 

So wird die Geschichte der Geburt Jesu Christi auf mehreren Tafeln auf außergewöhnliche Weise mithilfe der gezackten Bildchen erzählt.

Zum Amt des Küsters sei er eher zufällig gekommen, erzählt der 65-Jährige weiter. „Pfarrer Griesbach war der erste Pfarrer, den ich hier kannte. Er hat mich auf die Idee gebracht, den Küster zu machen.“ Dann habe er auch noch Pfarrer Sandner im Dienst erlebt und schließlich Daniel Geißler. „Der ist absolut spitze“, findet Manfred Reents.

Als wäre es gestern gewesen, erinnert sich der Niemegker noch an seine erste Begegnung mit dem Geistlichen. Eines abends, gegen 23 Uhr, habe im Pfarrhaus plötzlich Licht gebrannt.

Küster Manfred Reents (l.) wird nach über 20 Jahren im Amt von Pfarrer Daniel Geißler in den Ruhestand verabschiedet.

Küster Manfred Reents (l.) wird nach über 20 Jahren im Amt von Pfarrer Daniel Geißler in den Ruhestand verabschiedet. Quelle: Privat

„Als ich rüber bin, um nachzusehen, habe ich jemanden lachen gehört und eine Art Lichtstrahl wahrgenommen“, erinnert sich Manfred Reents – und es klingt fast, als sei ihm ein Geist erschienen. Des Rätsels Lösung war schließlich, dass sich Daniel Geißler und seine Frau ihre neuen Wohnräume ansehen wollten. „Seitdem sind wir befreundet.“

Sein Wissen über Sankt-Johannis und die Stadt Niemegk, das er den Besuchern während seiner Führungen vermittelt hat, hat sich der frischgebackene Ruheständler selbst angeeignet, wie er erzählt. „Ich bin stolz auf die Architektur der Kirche und die Geschichte unserer Stadt.“

Mehr zum Thema: Endspurt zur Komplettsanierung der größten Baer-Orgel in der Niemegker Kirche läuft

Dabei habe er auch erst über das Amt des Küsters so richtig zur Religion und zum Glauben gefunden. „Ich bin von Haus aus katholisch, aber in der Schule habe ich mich nicht für den Religionsunterricht interessiert“, verrät Reents.

Inzwischen aber kennt er sich bestens aus, weiß, mit welchen Farben die Kirche bei welchen Anlässen zu schmücken ist und wie die Glocken zu läuten sind. „Ich kann mir auch vorstellen, in Zukunft noch mal auszuhelfen – das kann ich ja aus dem Effeff“, sagt der Niemegker, der Atlanten sammelt und sich für Militärgeschichte interessiert.

Langweilig sei es ihm in all den Jahren nie gewesen. „Es war schon traurig, jetzt die Schlüssel abzugeben“, sagt Reents. „Denn damit waren diese Jahre dann auch vorbei.“

Von Josephine Mühln

Märkische Allgemeine Zeitung, 06.01.2021
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