18.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Ahrend-Orgel in Königs-Wusterhausen auf der Silberscheibe

Kreuzkirchen-Sound für daheim: Die CD „Königin in Preußen“ versammelt auf der Königs Wusterhausener Ahrend-Orgel eingespielte Werke.

Nie hätte er sich vorstellen können, dass es solche Musik gab, Musik, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellte.“ So intensiv lässt der niederländische Schriftsteller Maarten t’Hart in seinem Roman „Der Psalmenstreit“ seine Hauptfigur ein auf der Orgel gespieltes Werk von Johann Sebastian Bach erleben. Das Buch spielt in der Zeit, in der der Komponist lebte. Eine Orgel heute so vernehmen zu können wie damals, gelingt nun mit einer in Königs Wusterhausen entstandenen CD. „Königin in Preußen“ heißt sie, Christiane Scheetz, die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Königs Wusterhausen, hat sie auf der Orgel der Kreuzkirche eingespielt. 

Orgel vor zehn Jahren gebaut

Zwar ist diese Orgel genau genommen erst zehn Jahre alt. Aber ihr Klang ist das Ideal einer norddeutschen Barockorgel. Er ist so gut, so differenziert, dass viele, auch internationale Organisten unbedingt einmal auf diesem Instrument spielen wollen. Im Januar gab es eigens eine konzertreiche Festwoche in Königs Wusterhausen, um den kleinen, aber runden Geburtstag der Orgel zu zelebrieren. Geschaffen wurde sie 2009 von der Orgelbaufirma Hendrik Ahrend in Leer, eingeweiht dann 2010. Der Orgelprospekt aber ist von 1706. Zu vermuten ist, dass der große Orgelbaumeister Arp Schnitger diesen geschaffen hatte. Auf jeden Fall schuf er eine Orgel für die Kirche. Er gilt heute als der bedeutendste Orgelbauer Nordeuropas um 1700. Königin Sophie Charlotte sorgte dafür, dass er zum königlich-preußischen Hoforgelbaumeister ernannt wurde.

Werke aus der Schnitger-Zeit

Für die CD wurden Werke von Komponisten ausgewählt, die SchnitgersOrgeln schätzten: Dietrich Buxtehude etwa. Außerdem spielt Christiane Scheetz Christoph Wolfgang Druckenmüllers Concerto in D – heute ein eher unbekannter, deswegen aber nicht minder spannender Komponist, der in regem Austausch mit Schnitger war. Und aus der Vor-Schnitger-Ära sind die Stücke von Jan Pieterszoon Sweelinck und Samuel Scheidt. 

„Königin in Preußen“ bringt barocken Orgelklang ins heimische Wohnzimmer. Ein Zeitsprung hin zu König Friedrich I. und auch zu seinem Sohn, König Friedrich Wilhelm I., der Königs Wusterhausen und das Schloss besonders liebte. Stephan Voigt hat in seinem Tonstudio-KW die CD produziert. Christiane Scheetz’ solchermaßen festgehaltenes, leicht und frisch klingendes Spiel ist ein wunderbares Stück Königs Wusterhausen.

Von Karen Grunow

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.02.2020