29.04.2020  –  Lausitzer Rundschau

Altar auf Rollen macht Platz in Liebenwerda für eine Bühne

Auf der langen Zielgeraden: Sankt Nikolai in Bad Liebenwerda wird zur Konzert- und Kommunikationskirche ausgebaut. Deshalb weichen die alten Kronleuchter modernen Lichtanlagen.

29. April 2020, 17:01 Uhr•Bad Liebenwerda
Von Manfred Feller

Die Nikolaikirche dominiert mit dem Rathaus den Markt in Bad Liebenwerda.
Auch während der Umbau- und Sanierungsarbeiten bietet die Nikolaikirche ein imposantes Bild. Keine Säule stört in dem großen Raum mit der bemerkenswerten Decke den Blick nach vorn.
Die sehenswerte Decke der Nikolaikirche ist während der Umbauarbeiten nicht angetastet worden.

Moderne Technik und das alte Gemäuer der evangelischen Kirche Sankt Nikolai gehen in Bad Liebenwerda eine Symbiose ein. Fertig entstehen soll noch in diesem Jahr nach knapp zweijähriger Umbauzeit eine Konzert- und Kommunikationskirche. Die neuen technischen Möglichkeiten werden neben Gottesdiensten noch vielfältigere Veranstaltungen gestatten als bisher. Ton- und Bildaufzeichnungen sollen mit einer höheren Qualität erfolgen können. Die Bedingungen verbessern sich für Besucher und Akteure.

Noch muss Geld für das ambitionierte Vorhaben beschafft werden

Die architektonischen Grundvoraussetzungen bietet die Kirche ohnehin. Schiff und Chor bilden einen großen Raum ohne Säulen. Das Gotteshaus war nach einem Einsturz im Jahr 1513, schadhafte Pfeiler sollen die Ursache gewesen sein, kurz darauf wiedererrichtet worden. Jahrhunderte später mussten die Bauleute noch einmal Hand anlegen. Nach einem Blitzschlag 1894 wurde der Turm wieder aufgemauert.

Gut 400 000 Euro sind für die neuerlichen Arbeiten veranschlagt worden. Davon kommen 75 Prozent aus der europäischen Förderung für die ländliche Entwicklung. Das übrige Geld stellen Landeskirche, der evangelische Kirchenkreis Bad Liebenwerda und die Kirchgemeinde der Kurstadt zur Verfügung. „Es gab Kostensteigerungen. Wir müssen noch Geld beschaffen“, erwähnt Kirchenbaureferent Heiko Müller.

Die Kirche erhält jetzt einen bequemen Zugang für Behinderte

Im Kircheninneren ist an vielen Stellen saniert, ausgebessert, restauriert, aufgerissen, demontiert und neu aufgebaut worden. Die Aufzählung wäre sehr lang. Heiko Müller erwähnt die gereinigten und gestrichenen Wände. Ornamentmalereien seien zum Teil aufgearbeitet worden. „Jetzt hat die Kirche endlich auch einen behindertengerechten Zugang“, zeigt sich der Baureferent im Kirchenkreis zufrieden. Dieser wurde im Seiteneingang auf der Südseite geschaffen. Rollstuhlfahrer benötigen künftig keine Hilfe mehr, wenn sie noch aus eigener Kraft mobil sein können.

Auffällig ist, dass die ersten Bankreihen in der Kirche ein Stück tiefer gesetzt worden sind. Dadurch werden diese Sitzplätze stufenfrei erreichbar sein. Bei Bedarf könne eine Sitzreihe ausgebaut werden, damit Rollis nicht irgendwo stehen müssen, sondern mittendrin sind. Ein weiterer Vorteil: Die hinten Sitzenden schauen künftig über die Köpfe der Zuschauer vor ihnen relativ ungehindert nach vorn auf das Geschehen im Altarbereich.

Zu einem modernen Veranstaltungsort gehört auch die Bewirtung der Gäste und Akteure. „Die Nikolaikirche erhält einen Versorgungsraum, ein Kirchencafé, weil hier künftig mehr Veranstaltungen stattfinden werden“, begründet Heiko Müller dieses bauliche Extra. Zusätzlich entstehe ein kleiner, multifunktioneller, verglaster Raum, in dem während einer Veranstaltung zum Beispiel Kinder betreut werden können.

Der bisherige Altar aus Stein ist zurückgebaut worden. Ersetzt wird er durch einen neuen, mobilen. Das heißt: Dieser kann beiseite gerollt werden, wenn aus dem Kirchenchor eine große Bühne werden soll. Das dazugehörige, montierbare Podest wurde bereits aufgebaut. Darauf haben dann Sängerinnen und Sänger sowie Musiker Platz.Die alten Kronleuchter werden durch eine moderne, dem Geschehen anpassbare Beleuchtung ersetzt. Die alten Kronleuchter werden durch eine moderne, dem Geschehen anpassbare Beleuchtung ersetzt.
© Foto: Manfred Feller

Die Gelegenheit des Umbaus wurde genutzt, um die Elektrik des Gotteshauses zu erneuern. Auch die moderne Kommunikationstechnik braucht neue Leitungen, die unsichtbar hinter Verkleidungen verschwinden. Und schließlich werden die drei alten Kronleuchter durch zeitgemäße, aber optisch in die Kirche passende und universell steuerbare Beleuchtungsanlagen ersetzt. Die Licht-, Ton- und Aufnahmetechniker der Veranstaltungen sollen es künftig deutlich einfacher haben und noch mehr Qualität bieten können.

Immer mal wieder nach dem Fortgang der Arbeiten schaut auch Kreiskantorin Dorothea Voigt. Sie möchte die Orgel sobald wie möglich wieder spielen – möglichst bei einem Gottesdienst noch vor Jahresende. Bis dahin sollen die Arbeiten in der Nikolaikirche Bad Liebenwerda ohnehin spätestens abgeschlossen sein. Denn dann endet jene Frist, in der die Fördermittel verbraucht sein müssen.

Gestimmt und gereinigt: Die Orgel ist die längste Zeit stumm geblieben. Doch wann genau wird sie wieder erklingen?
Gestimmt und gereinigt: Die Orgel ist die längste Zeit stumm geblieben. Doch wann genau wird sie wieder erklingen?
© Foto: Manfred Feller

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