25.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Alte Grabplatten unter dem Kirchenboden in Hohennauen

Zurzeit wird die Dorfkirche in Hohennauen saniert. Dazu mussten Bodenfliesen aufgenommen werden. Darunter entdeckten die Restauratoren Grabplatten einer Gruft, die mehrere Jahrhunderte alt ist und einen Blick auf die Dorfgeschichte freigibt.

Die Archäologin  Heike Kennecke  dokumentiert eine freigelegte Grabplatte. Wappen und Inschrift sind noch gut  zu erkennen.   Quelle: Norbert Stein

Die Decke der Dorfkirche Hohennauen ziert wieder ein blauer Sternhimmel. So war die Decke auch im Original, bis sie vor etwa 40 Jahren überstrichen wurde. Die Dorfkirche wird seit Monaten saniertund bekam damit ihren blauen Sternhimmel an der Decke zurück.

Eine Überraschung

Die Restauratoren entdeckten im Zuge der Arbeiten noch eine Überraschung: beim Aufnehmen von Bodenfliesen kamen alte Grabplatten zum Vorschein. Archäologen schätzen die sieben Platten auf ein Alter von mehreren hundert Jahren. Auf den Grabplatten sind die Wappen und Inschriften mit den Namen derer, die vermutlich in der Gruft beigesetzt wurden.

Kirche im Putzbau

„Wir gehen mit ziemlicher Sicherheit von Bestattungen aus“, sagt Monika Pickenhahn. Die älteste Grabplatte sei mit dem Jahr 1576 datiert, setzt die Vorsitzende des Fördervereins Kirche Hohennauenihren Ausführungen hinzu. Die Kirche, so wie man sie kennt, stammt aus dem Jahr 1710 und wurde als Putzbau im einfachen Barockstil errichtet.

Alte Grabplatten in der Dorfkirche Hohennauen 
Alte Grabplatten in der Dorfkirche Hohennauen  Quelle: Norbert Stein

Die ersten Beisetzungen erfolgten also bereits bevor die Dorfkirche gebaut wurde. Aber auf dem Anwesen stand schon seit 1200 ein Kirch-Wehr-Turm. Die Grabplatten verschließen Gruften, in denen Mitglieder des Adelsgeschlechtes von der Hagen beigesetzt wurden.

Stifter des Altars

So fand auch Thomas Philipp von der Hagen (1729-1797) an dieser Stelle seine letzte Ruhestätte. Er besuchte von 1748 bis 1752 die Universität Halle, war Domherr zu Havelberg, musste infolge Krankheit seines Vater die Familienstammgüter übernehmen und stiftete den Altar für die Hohennauener Kirche.

Blick in die Geschichte

Um die Bedeutung der Grabplatten einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der Region. Ende des 14. Jahrhunderts gelangte Rhinow als Pfand in den Besitz des Bischofs von Brandenburg, der es weiter verpfändete. 1441 kam fast das gesamte Ländchen Rhinow für eine lange Zeit in den Besitz der Familie von der Hagen.

Die Platten sind historisch bedeutsam. 
Die Platten sind historisch bedeutsam.  Quelle: Norbert Stein

Die Platten sind historisch bedeutsam.  Quelle: Norbert Stein

Das Geschlecht teilte sich in zwei Linien auf, die in Hohennauen und die in Mühlenburg. 1486 wurde die Familie von der Hagen Eigentümer von Hohennauen und den Nachbardörfern. Im 17. Jahrhundert wurde das Rittergut dann in vier Teile gegliedert.

Gesäubert und dokumentiert

„Die Grabplatten sind für die Geschichte der Region bedeutsam und sehr gut erhalten“, sagt Heike Kennecke von der Archäologie Manufaktur Wustermark. Die Archäologin hat die Grabplatten gesäubert und für die Nachwelt dokumentiert.

Insgesamt 15 Gräber

Unter den Fliesen würden sich weitere Grabplatten befinden, erklärt Heike Kennecke. Sie werden aber nicht freigelegt. 15 Grabplatten könnten es insgesamt sein, schätzt Monika Pickenhahn. Haben die Archäologen ihre Arbeit erledigt, werden auch die freigelegten Grabplatten wieder mit einem Fußbodenbelag bedeckt.

Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche Hohennauen beginnt. Monika Pickenhahn  erläutert den Besuchern den zweiten Bauabschnitt zur Innensanierung der Kirche.
Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche Hohennauen beginnt. Monika Pickenhahn  erläutert den Besuchern den zweiten Bauabschnitt zur Innensanierung der Kirche. Quelle: Norbert Stein

Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche Hohennauen beginnt. Monika Pickenhahn  erläutert den Besuchern den zweiten Bauabschnitt zur Innensanierung der Kirche. Quelle: Norbert Stein

Wie der Belag beschaffen ist, ist noch nicht endgültig entschieden. Würden die Denkmalschützer und die Archäologen zustimmen, könnte sich die Vorsitzende des Fördervereins vorstellen, über einige Grabplatten Glas legen zu lassen, damit sie für Besucher sichtbar bleiben.

Gruft wird nicht geöffnet

Eine Gruft zu öffnen, ist nicht vorgesehen. „Dafür müsste man einen Antrag an das Innenministerium stellen und zudem viele Sondergenehmigungen einholen“, erklärt Monika Pickenhahn. Das könnte die Kirchensanierung um ein Jahr verzögern.

Ein Infotag für Besucher

Jeden letzten Donnerstag im Monat informiert der Fördervereinzum Stand der Kirchensanierung. Auch an diesem Donnerstag können sich Besuchern die Grabplatten ansehen.

Märkische Allgemeine Zeitung, 25.09.2019
Zur Kirche
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