25.03.2019  –  Märkische Oderzeitung

Altkünkendorf (UM): Kirchturm mit Weitblick

NEUE AUSSICHTSPLATTFORM IN ALTKÜNKENDORF FERTIGGESTELLT / FEIERLICHE ERÖFFNUNG AM 30. MÄRZ

Tourismus
Kirchturm mit Weitblick

Touristischer Mosaikstein: Der Glockenturm der Altkünkendorfer Kirche wurde begehbar gemacht und hat eine Aussichtsplattform erhalten. Künftig werden Turmführungen für kleine Gruppen angeboten.
Touristischer Mosaikstein: Der Glockenturm der Altkünkendorfer Kirche wurde begehbar gemacht und hat eine Aussichtsplattform erhalten. Künftig werden Turmführungen für kleine Gruppen angeboten.© Foto: Daniela Windolff

Daniela Windolff

Altkünkendorf (MOZ) Der Angermünder Ortsteil Altkünkendorf hat einen neuen touristischen Mosaikstein. Der Kirchturm wurde begehbar zu einem Aussichtspunkt ausgebaut und bietet Besuchern nun eine faszinierende Weitsicht über die Landschaft des Unesco Weltnaturerbes Buchenwald Grumsin.

Wer die 100 Stufen über die nagelneue hölzerne Wendeltreppe hinauf zur Spitze des Kirchturms gemeistert hat, wird göttlich belohnt. Große Spitzbogenfenster öffnen den Blick hinaus über die hügelige Landschaft auf den Buchenwald Grumsin, das Unesco-Weltnaturerbe vor den Toren des Dorfes. Der Kirchturm von Altkünkendorf wurde in einen Aussichtsturm verwandelt, den Besucher nun besteigen können, um die Schönheit der Landschaft aus der Vogelperspektive erfassen zu können. Ein touristischer Mosaikstein für den Erholungsort Angermünde und den Grumsin und ein Meilenstein für die Rettung der Dorfkirche. Am 30. März wird der Aussichtskirchturm feierlich eröffnet.

Doch bis dahin war es ein steiniger Weg, der auch Spuren in der Dorfgemeinschaft hinterlassen hat. Die Idee, den Kirchturm als Aussichtsturm begehbar zu machen, hatten der Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bewer und der Förderverein Dorfkirche Altkünkendorf schon vor über sechs Jahren. „Es ging ursprünglich gar nicht vordergründig um die Aussichtsplattform, sondern um den Erhalt der Kirche als dorfbildprägendes Bauwerk, weil das nur durch eine sinnvolle Nutzung geschehen kann“, erinnert sich Bewer. Gleichzeitig suchte er nach einer Möglichkeit für eine Aussichtsplattform im Grumsin, was jedoch scheiterte. So fügten sich beide Ideen, die Sicherung des Kirchturms und die Schaffung eines Aussichtspunktes zusammen. Bewer brachte auch Kirche und Stadt zusammen. Beide gaben grünes Licht, allerdings keinen einzigen Euro.

Und so ging Bewer – wie schon so oft als Ortsvorsteher, Dorfkümmerer und Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Altkünkendorf – Klinken putzen in den Ministerien, in der Biosphärenreservatsverwaltung und begeisterte auch den SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Schmidt für das Projekt, um eine Förderung ohne Eigenanteile zu erreichen.

Schließlich wurden 186 000 Eu­ro aus Lottomitteln für den Kirchturmausbau in Altkünkendorf bewilligt. Der Weg war geebnet. Doch nun legten aufgeregte Altkünkendorfer Steine in den Weg, die sich nicht von Besuchern auf den Kopf und in die Höfe schauen lassen und den Ausbau des Kirchturms verhindern wollten. Der Streit trieb einen Keil durchs Dorf, der es in Befürworter und Gegner spaltete.

„Das hat unglaubliche Energie gekostet, aber jetzt ist der Turm fertig und ein Schmuckstück. Ich hoffe, dass er auch von den Altkünkendorfern und ihren Gästen angenommen wird“, will Hans-Jürgen Bewer nach vorn blicken.

Die Planung übernahm die Angermünder Architektin Bettina Krassuski, die schon für die Sanierung der Dorfkirche verantwortlich war. Die Treppe wurde erneuert und brandschutzmäßig gesichert. Außerdem wurden Fenster eingesetzt sowie eine Ausstellungs- und Aussichtsebene eingerichtet. Auf der ersten Ebene lädt eine rustikale Sitzecke mit Holztischen und Bänken zum Verschnaufen ein, die der Altkünkendorfer Hans-Ulrich Pöschl baute.

Die Besteigung des Turms ist künftig nur in kleinen Gruppen mit einem Turmführer erlaubt. Dafür stellt die Stadt eine Minijobstelle bereit. An Wochenenden und Feiertagen wird die Begleitung ehrenamtlich über den Kultur- und Heimatverein abgesichert, der auch die Touristinfo im Dorfgemeinschaftshaus besetzt.

Zur feierlichen Turmeinweihung am 30. März um 14 Uhr sind alle Altkünkendorfer und interessierte Gäste sowie alle aktiven Mitstreiter und Wegbegleiter herzlich eingeladen.

Danach hat der Förderverein schon das nächste Projekt im Visier: Ein Altar für die Dorfkirche, die sich vor den Toren des Naturjuwels Grumsin zur Themenkirche unter dem Motto „Gottes Schöpfung bewahren“ entwickeln soll.

Märkische Oderzeitung, 25.03.2019
https://www.moz.de/landkreise/uckermark/schwedt-und-angermuende/artikel90/dg/0/1/1718201/
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