28.03.2019  –  Märkische Oderzeitung

Altwustrow – Luftfeuchte liegt bei 100 Prozent


Lässt Luft rein: Klaus Schröder öffnet in der Kirche Altwustrow regelmäßig die Fenster, denn im Innenraum liegt die Luftfeuchtigkeit bei 100 Prozent. An den Wänden bröckelt der Putz. © Foto: Nadja Voigt

Nadja Voigt / 28.03.2019, 07:30 Uhr Altwustrow (MOZ)

Nur knapp 20 Jahre nach der umfangreichen Sanierung des Kleinods am Alwustrower Dorfanger ist die Kirche wieder baufällig. Und das schon seit längerer Zeit. Nun soll jedoch gehandelt werden.

„Das ist wirklich tragisch“, sagt Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger. „Nachdem die Kirche aufwendig und im Wert von 750 000 Euro saniert worden ist, ist sie nach nicht einmal 20 Jahren wieder stark sanierungsbedürftig.“ Schon am Eingang sind die Schäden sichtbar: Der Sockelbereich ist nass, am Turm fällt der Putz ab. In der Kirche sieht es noch verheerender aus. Die Feuchtigkeit hat deutliche Spuren am Mauerwerk hinterlassen, im Holz der Empore klaffen tiefe Spalten.

„Besucher, die lange nicht hier waren, fragen mich besorgt, ob auch in die Papierdecke Wasser eingedrungen ist“, berichtet Klaus Schröder vom Gemeindekirchenrat. Er wohnt gegenüber und öffnet das Gotteshaus für Besucher. Regelmäßig lüftet er den denkmalgeschützten Bau – denn die Luftfeuchtigkeit liegt konstant bei 100 Prozent. „Am Wochenende habe ich es mal geschafft, den Wert herunter zu bekommen“, erinnert sich der Altwustrower.

Zu Beginn des Jahres hat es nun bereits eine Baubesprechung mit Fachleuten gegeben. Mit dabei bei der Bestandsaufnahme waren auch die Baubeauftragte der Landeskirche und die des Kirchenkreises sowie ein Ingenieurbüro. „Dabei wurden auch Proben vom Putz genommen“, berichtet Nanna-Maria Luttenberger. Denn es steht im Raum, dass der Putz möglicherweise nicht der richtige ist. Ein Ärgernis ist nach wie vor die fehlende Regenentwässerung am Dach.

Schon lange fragen sich die Anwohner, warum das Gotteshaus in ihrem Dorf für sehr viel Geld saniert wurde, wenn dann der Denkmalschutz das Anbringen einer Dachrinne verweigert. „Auch der Gulli liegt meines Erachtens viel zu dicht an der Kirche“, sagt die Pfarrerin. Nach dem Rücklauf durch die Fachleute soll nun mit dem Gemeindekirchenrat entschieden werden, was am meisten drängt. Aus ihrer Sicht spielt dabei auch die Regenentwässerung eine große Rolle.

1789 entstand die kleine Kirche – gebaut von den Altwustrowern und im Geheimen. Der damalige Bau wurde als einfaches, quadratisches Fachwerkhaus errichtet, das erst 1832 einen Turm erhielt. Noch heute kann man den mit geschnitzten und vergoldeten Ornamenten des Rokokostils ausgestatteten Altar bewundern.

Während die Decke ursprünglich bemalt war, erhielt sie später eine einzigartige himmelblaue, bemalte Papierdecke. Ihr galt bei der Sanierung das Hauptaugenmerk. An der Sanierung hatten sich neben Bund und Land auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Oetker- und Reemtsma-Stiftung finanziell engagiert. Besonders spektakulär war damals, dass das gesamte Gotteshaus angehoben werden musste.

Ende 2015 hatte sich der Förderverein Kirche Altwustrow aufgelöst, weil der Satzungszweck erfüllt war, wie Claudio Jarczyk vom Vorstand des Fördervereins damals dieser Zeitung mitteilte. 15 Jahre zuvor hatte sich der Verein gegründet, um die damals vom Verfall bedrohte Dorfkirche zu retten. Zuletzt war der spätbarocke Taufengel aus dem 
18. Jahrhundert restauriert worden. Heiligabend 2015 kehrte er in das Gotteshaus zurück.

Doch schon kurz nach den Sanierungsarbeiten war klar, dass die Feuchtigkeit dem Bau weiterhin zu schaffen macht. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Schon 2013 berichtete das Oderland Echo über massive Schäden und die viel zu hohe Luftfeuchtigkeit im Gotteshaus mitten auf dem Dorfanger. Nun sollen umfangreiche Maßnahmen angeschoben und die dazu nötigen Mittel akquiriert werden, wie die Pfarrerin am Mittwoch beim Ortstermin in Altwustrow sagte.

Märkische Oderzeitung, 28.03.2019
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