18.10.2019  –  Märkische Oderzeitung

Arbeiten an der künftigen Eselpilgerkirche in Neuendorf schreiten voran

Joachim Brauer (li.) vom Gemeindekirchenrat und Zimmerer Eike Siedschlag sind in die Bauarbeiten an und in der Kirche eng eingebunden.© Foto: B. Kraemer
Nach Abschluss der Arbeiten am Neuendorfer Gotteshaus soll hier eine Eselpilgerkirche entstehen.

  Die Vorbereitungen für den Beginn der Sanierungsarbeiten an der Neuendorfer Kirche laufen auf Hochtouren. „Jetzt muss noch der Turm eingerüstet werden“, erklärt Joachim Brauer vom Gemeindekirchenrat und deutet auf das kleine Fachwerktürmchen. Bereits vor einigen Jahren musste das mit Ziegeln ausgemauerte Fachwerk mit Brettern notdürftig gesichert werden. „Die Steine drohten herabzustürzen“, so der Neuendorfer und ergänzt, dass der Turm des Kirchleins jedoch nur eine von vielen Baustellen im und am Gebäude ist.

Ohne eine grundlegende Sanierung würde das im 15. Jahrhundert erbaute Gemäuer einstürzen. Grund dafür sind bauliche Veränderungen, die lange zurückliegen. 1838 war das Kirchenschiff nach Westen verlängert, eine Patronatsloge eingebaut und das Dach verändert worden. Ein Tonnengewölbe wurde eingezogen, die alten Querbalken kurzerhand entfernt. Mit dramatischen statischen Folgen. Die Dachlast drückt die Wände auseinander.

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass das Sanierungskonzept für die Kirche vorgestellt wurde. Als „Eselpilgerlichtkirche“ möchte sie die Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Neuendorfer Heimatverein und den „Eselnomaden“ entwickeln. Die Kirche soll zum Thema „Esel in der Bibel“ gestaltet werden, als „Lichtkirche“ zur Andacht anregen und Ausgangspunkt für Eselpilgerwanderungen sein.

Wenig später wurde von Fachleuten jedoch festgestellt, dass vermutlich Mopsfledermäuse in der Kirche Quartier genommen hatten. In dieser Folge musste erst einmal abgeklärt werden, ob die geheimnisvollen nachtaktiven Flatterer sich dauerhaft in der Kirche einquartiert hatten oder dort nur Winterschlaf hielten.

Mittels Fledermausdetektoren wurde über einen Zeitraum von fünf Monaten den Tieren nachgespürt. Über aufgezeichnete Laute, die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar waren, wurde erfasst, welche Fledermausarten tatsächlich in der Dorfkirche Quartier genommen hatten. Neben der Zwergfledermaus, dem Großen Abendsegler, dem Großen Mausohr und dem Grauem Langohr gelang den Biologen im Kirchturm als auch im Kirchendach der Nachweis der Mopsfledermaus.

Einer Art, die auf der Roten Liste steht, und Bauprojekte mancherorts schon tüchtig hinausgezögert hat. Deshalb muss den Tieren – die das Gotteshaus bewohnen – jetzt auch im Rahmen der Sanierung besonders große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Pfarrer Helmut Kautz erklärt: „Die Schallluken des Kirchturms dürfen nicht neu gemacht werden, da die Mopsfledermaus bei ihren jährlichen Besuchen den Einflugsschlitz am Geruch erkennt. Und für den Turmfalken bauen die Konfirmanden einen Ausweichnistkasten.“

Der wird neben der Kirche an einem Stallgiebel installiert, so dass die Turmfalken dort Quartier nehmen können.

Auch in der Kirche ist bereits fast alles für die Sanierung vorbereitet. Die Fachleute der Firma Schuke in Potsdam haben bereits die Orgel abgebaut und bei Kirchenrat Brauer samt Kronleuchter zwischengelagert. In den kommenden Tagen wird die Kirchturmuhr von Eckhart Lehmann aus Brück gesichert und verstaut.

Rund 380.000 Euro müssen laut Kostenschätzung für die Sanierung des denkmalgeschützten Gemäuers aufgewendet werden. „Die Kirchengemeinde Neuendorf muss einen Eigenanteil von 90.000 Euro aufbringen“, erläutert der Pfarrer. Einen Teil davon, 10.000 Euro, will man mit handfesten Eigenleistungen erbringen. Um die „Manpower“ abzuschätzen und zu verplanen, sind alle Neuendorfer am Freitag, 1. November um 18.00 Uhr, zu einer Dorfversammlung an und in die Kirche eingeladen. „Zum Kirchendach abdecken, Schutt wegräumen und entfernen der Innendeckenverschalung werden alle Hände gebraucht“, sagt Brauer und kramt in den Erinnerungen seiner Kindheit. Damals, in den 1960er Jahren, wurde die Innendeckenverschalung eingebaut. Unter ihr verschwand ein Sternenhimmel, der sich durch die gesamte Kirche zog.

INFO

1. November, 18.00 Uhr, Neuendorf bei Brück, Dorfversammlung in der zukünftigen „Eselpilgerlichtkirche“

Märkische Oderzeitung, 18.10.2019
Zur Kirche
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