01.03.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Arbeiten an der Segeletzer Kirche ziehen sich hin

Seit August 2018 laufen die Sanierungsarbeiten an der Segeletzer Kirche. Unvorhersehbares stoppte immer wieder den reibungslosen Ablauf. Bis jetzt gibt es noch keinen Fertigstellungstermin.

An den Anblick ihres eingerüsteten Kirchturms haben sich die Segeletzer gewöhnt.

An den Anblick ihres eingerüsteten Kirchturms haben sich die Segeletzer gewöhnt. Quelle: Wolfgang Hörmann

Im August wird es drei Jahre her sein, dass mit der üblichen Bauanlaufberatung die Sanierung der Segeletzer Kirche begann. Der markante Feldsteinbau an der Bundesstraße 5 hatte es dringend nötig, nicht nur, weil in einer schwülen ­Juninacht von 2017 ein kalter Blitz Schaden anrichtete. Er schlug in die Kirchturmspitze ein.

Die Baugenehmigung hatte die Kirchengemeinde da schon in der Tasche. Und so wurde, was ganz oben kaputt gegangen war, erst mal für den Übergang wieder hergerichtet.

Im Kirchenschiff haben die Gerüste die längste Zeit gestanden.

Im Kirchenschiff haben die Gerüste die längste Zeit gestanden. Quelle: Wolfgang Hörmann

Dass der bis 2021 dauern könnte, hatte sich Elke Frambach nicht träumen lassen. Die Kirchenälteste ­erlebte seitdem alle Höhen und Tiefen hautnah mit. Schon bei den Arbeiten am Dach des Kirchenschiffs wurde es teuer. Hausschwamm hatte dem Gebälk derart zugesetzt, dass es großzügig erneuert werden musste. Das kostete zusätzliches Geld, eigentlich die Rücklage für die Sanierung des Turmes.

Zu den angesparten Eigenmitteln der Kirchengemeinde, plus Spenden und Fördermittel – immerhin 300 000 Euro aus dem europäischen Leader-Programm – wurde ein Nachschlag in Höhe von 90 000 Euro beantragt und bewilligt. Zu allem Überfluss erwies sich die Berechnung für die komplette Sanierung später als fehlerhaft.

Ein neues Ingenieurbüro übernahm die Regie. Aber erst einmal ruhten die Arbeiten. Es brauchte dann noch einmal 112 000 Euro aus dem Leader-Topf, womit sich die förderfähigen Gesamtausgaben auf mehr als eine halbe Million Euro erhöhten.

Elke Frambach, Vorsitzende der Kirchengemeinde Segeletz.

Elke Frambach, Vorsitzende der Kirchengemeinde Segeletz. Quelle: Wolfgang Hörmann

Ob es dabei bleiben wird, muss die Schlussrechnung ergeben. Jedenfalls sehen sich die Dörfler am geplanten „Eingangstor“ zum Dosse-Seenland auf der Zielgeraden. Die ist noch ganz schön lang. Immerhin aber sind im Innern des Kirchenschiffs die Malerarbeiten fast beendet. Ein schlichtes Grau bedeckt die Wände.

Nur dort, wo bis vor kurzem noch eine Verkleidung die Orgel schützte, muss noch gestrichen werden. Das soll In der 1. Märzwoche geschehen. Dann wird auch der Elektriker erwartet, um für die Stromversorgung das Letztmögliche zu tun.

„Die Gerüste im Innern könnten eigentlich abgebaut werden“, schätzt Elke Frambach ein. Das würde zum Frühlingserwachen passen, wenngleich die Kirchenälteste schon wieder Sorgenfalten auf der Stirn hat. „Hoffentlich hat unsere Orgel die ganze Bauerei heil überstanden. Aber wer soll sie spielen? Früher tat das unser Pfarrer Karl-Ernst Selke, der eben noch gepredigt hatte, um gleich danach am Instrument zu sitzen.“ Das war einmal.

Aktuell ist da noch das Problem mit der Beleuchtung. „Wir brauchen dringend neue Lampen. Dafür ist aber einfach kein Geld mehr da. Spenden würden uns helfen, wenigstens 1000 Euro als Eigenanteil für einen neuerlichen Fördermittelantrag, besser ein bisschen mehr,“ bekennt Elke Frambach offen.

Saalbau aus Feldsteinquadern

Die Kirchein Segeletz ist ein Saalbau aus Feldsteinquadern mit eingezogenem, annähernd quadratischem Chor. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Um 1830 erfolgten eine umfassende Erneuerung in neugotischen Formen und die Errichtung des freistehenden Westturms mit verbindender, offener Vorhalle in Backstein.

Ob beiden jetzt noch anstehenden Arbeiten die kupferne Turmkugel geöffnet wird, lässt Dachdeckermeister Andreas Kolterjahn bislang noch offen. Das hänge vom zu erwartenden Aufwand ab, der die Arbeiten deutlich verzögern könnte.

Bleibt noch der Turm. Auch der brauchte komplett neues Holz. Nachdem in den vergangenen Tagen Baudenkmalpfleger der Firma Gottschalk aus Friesack mit dem Vermauern von extra angefertigten Formsteinen am Gesims fertig wurden, kann nun die Dessower Dachdeckerei von Andreas Kolterjahn loslegen.

Dachdeckermeister Andreas Kolterjahn kommt mit seinen Männern am 8. März, um den Turm mit Schieferplatten einzudecken.

Dachdeckermeister Andreas Kolterjahn kommt mit seinen Männern am 8. März, um den Turm mit Schieferplatten einzudecken. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Männer versehen den zehn Meter hohen Turm mit einer Kupfereinfassung und schützen ihn dann mit Schieferplatten. Am 8. März sollen die Arbeiten beginnen.

Biberschwänze sind schadhaft

Fast sah es so aus, als würden die Dachdecker das Licht ausmachen auf der Baustelle, wären da nicht die unansehnlichen und wohl auch schadhaften Biberschwänze auf der Verbindung zwischen Kirchenschiff und Turm. „So kann doch das nicht bleiben. Und jetzt sind wir einmal dabei“, denkt sich die praktische veranlagte Vorsitzende der Kirchengemeinde.

Die Arbeit hört anscheinend nimmer auf. Einen endgültigen Termin der Fertigstellung gibt es schon deshalb noch nicht.

Von Wolfgang Hörmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 01.03.2021