15.04.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Auffrischung für die Tetzel-Skulptur in Jüterbog

20 Jahre sind eine lange Zeit, die auch ein Ablasshändler aus Eichenholz nicht unbeschadet übersteht. Für zwei Wochen weilt der hölzerne Tetzel nun dort, wo Holzbildhauer Klaus Gust ihn einst erschuf.

Die Wiege der Reformation“ nennen geschichts- und selbstbewusste Jüterboger zuweilen liebevoll ihre Stadt. Schließlich war es Ablasshändler Johann Tetzel, dessen Agieren in Jüterbog den Vater der Reformation, Martin Luther, derart erzürnte, dass der seine berühmten Thesen ans Wittenberger Kirchenportal pinnte.

Bürgermeister lüpfte eigenhändig das Tuch

Fast auf den Tag 20 Jahre ist es her, dass der Langenlipsdorfer Bildhauer Klaus Gust den Jüterbogern ein eigenes Tetzel-Denkmal spendierte, das der damalige Bürgermeister Bernd Rüdiger eigenhändig enthüllte. Zusammen mit anderen Bildhauern seines Unternehmens gab Gust dem etwa 500 Kilogramm schweren Koloss aus EichenholzGesicht und Figur. Vor dem ebenfalls von Gust erworbenen und sanierten, historischen Gebäude am Heilig-Geist-Platz, in dem vor 20 Jahren auch die Tetzelstuben eröffnet wurden, steht der hölzerne Ablasshändler als stummer Zeuge der Weltgeschichte.

Klaus Gust und sein Compagnon Marc Oelker hieven den Tetzelkasten ins Auto. Auch der kann frische Farbe gut gebrauchen. Quelle: Uwe Klemens

Pflasterer brauchen Baufreiheit

Der Zeitpunkt ist nicht ganz zufällig gewählt. Denn am Heilig-Geist-Platz liegen die Bauleute im Endspurt, um die Bürgersteige entlang der frisch sanierten Bundesstraße vor ihrer Freigabe fertig zu stellen. Das Fleckchen Erde neben dem ehemaligen Stadttor-Turm, das Tetzel für sich und den neben ihm stehenden, klingenden Tetzelkasten beansprucht, ist der letzte noch nicht gepflasterte Bereich, weswegen die Skulpur ohnehin für einige Tage weichen sollte. 

Auch der Tetzelkasten, der erst vor drei Jahren hinzu kam und an dem sich eine Kurbel befindet, nach deren Drehen eine Stimme eine Lektion Geschichtsunterricht erteilt, wird nun in Gusts Werkstatt fit für die hoffentlich schon bald wieder zurückkehrenden Touristen-Scharen gemacht.

Bald strahlt die Tetzel-Skulptur wieder in neuem Glanz. Quelle: Uwe Klemens

In zwei Wochen ist Tetzel zurück

Nach dem Einsetzen der Holzkeile, dem Verspachteln und dem Beschleifen bekommt die Mönchs-Skulptur noch etwas frische Farbe, um für die nächsten fünf Jahre am Heilig-Geist-Platz wieder ansehnlich zu sein.

„Mindestens drei Tage werde ich dafür brauchen“, schätzt Gust. Die Kosten für den Transport und die Sanierung trägt er selbst. Etwa am 1. Mai wird Tetzel von seinem Ausflug nach Langenlipsdorf zurückkehren. 

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 15.04.2020
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