05.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Autobahnkirche Zeestow will Radfahrer anlocken

Die Autobahnkirche Zeestow will Radwegekirche werden. Das alte Stallgebäude mit WC, Teeküche und Gemeinschaftsraum ist fertiggestellt, eine feierliche Einweihung muss aber coronabedingt warten.

Die für den 10. Mai geplante feierliche Eröffnung wird es nicht geben. Die Corona-Bestimmungen zum Abstandhalten sorgen dafür, dass in Zeestow das neue Gemeindehaus und die Erweiterung der Autobahnkirche zur Radwegekirche ganz im Stillen passieren.

Kirche und Gemeinde

Dabei hätten die Zeestower einiges zu feiern gehabt. Die Eröffnung der Kirche 2014 hatte dem Ort und der Kirchengemeinde Leben eingehaucht. Im Dezember vergangenen Jahres war zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder ein Gemeindekirchenrat gewählt worden. „Es ist für mich das Allerschönste, dass mit dem Wiederaufbau der Kirche die Kirchengemeinde wieder aufgewacht ist“, sagt Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee, dazu.

In dem Kirchenkreis war vor fast zehn Jahren die Idee entstanden, das Gotteshaus von Zeestow zu einer Autobahnkirche umzubauen. Das Gebäude hatte Jahrzehnte leer gestanden, war mehr Bauruine als Kirche. Bernhard Schmidt gehörte zu denen, die von Anfang an sicher waren, dass das klappt mit der Idee der Autobahnkirche. „Das hat bei allen anderen auch funktioniert“, sagt er. Und so war in Zeestow im Jahr 2014 die 42. Autobahnkirche Deutschlands und die erste am Berliner Autobahnring eröffnet worden.

Angebote für Radfahrer

Und die Menschen kommen: die Durchreisenden und die Einheimischen. Nun will der Kirchenkreis dem Haus noch ein weiteres Attribut anheften. „Die Kirche soll auch Radwegekirche werden“, sagt Martin Eiselt vom Kirchenkreis. Der Falkenseer ist selbst bekennender Radfahrer. Für ihn ist es eine schöne Idee, dass sich in dem Gebäude Autofahrer und Radfahrer begegnen, vielleicht versöhnlerisch, denn im Straßenverkehr ist die Begegnung der beiden Gruppen durchaus konfliktreich. In Zeestow können auch Radfahrer, die bekannte Radwege durchs Havelland nutzen, zur Ruhe kommen, können Trinkwasserflaschen auffüllen, einen Akku nachladen. So der Plan.

Besucher finden Stille

Ein Logo ist entworfen und soll noch auf die „Radwegekirche“ hinweisen. Derzeit kann natürlich schon jeder kommen, egal ob als Wanderer, Radler oder Autofahrer. Auch in Coronazeiten sind Besucher gekommen, sagt Hartmut Müller, er sieht es am Verbrauch der Kerzen und an den Eintragungen im Gästebuch.

Der Zeestower ist einer von den Zugezogenen. Er schließt jeden Tag die Kirche auf und sieht nach dem Rechten. Meistens sieht es gut aus, aber vor drei Wochen war die Kirche mit Fäkalien beschmiert worden. Doch solche Besucher und Proteste sind eine absolute Ausnahme.

Neuer Sanitärtrakt

Das neue Gemeindehaus steht den Besuchern dann als Sanitärtrakt zur Verfügung. Teeküche und Toiletten haben darin ihren Platz, auch ein Raum für die Kirchengemeinde ist geschaffen.

Ein Großbrand hatte 1847 Zeestow in Schutt und Asche gelegt. 1851 wurde die neue Kirche eingeweiht.

Die Gesell-Orgel von 1850 wurde 1964 wegen ihres schlechten Zustandes abgebrochen. Ein Jahr später entstand eine neue Orgel von Hans-Joachim Schuke aus Potsdam. 1984 wurde sie wegen des baufälligen Zustandes der Kirche abmontiert.

Auf dem Friedhof an der Kirche befinden sich Grabmale der früheren Patronatsfamilie von Bredow.

Das Pfarrhaus wird seit den 1960er Jahren als Rüst- und Freizeitheim genutzt, seit 2016 trägt es den Namen „Bei den Aposteln. Rüst- und Freizeitheim des Kirchenkreises Falkensee“.

Das 120 Jahre alte Stallgebäude sollte ursprünglich umgebaut worden, aber wegen der schlechten Bausubstanz wurde es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Für die Maßnahme gab es Geld aus dem Leader-Fördertopf zur Gestaltung des ländlichen Raumes. Der Neubau schließt in seiner Fachwerkanmutung an den Vorgängerbau an und rundet das Ensemble aus Kirche, Rüst- und Freizeitheim und Gemeindehaus ab.

Ein paar Tage haben hier noch die Bauarbeiter das Sagen. Die Außenanlagen werden hergerichtet, ein Spiel- und Bolzplatz entsteht. Die Spielgeräte und die Fußballtore stehen schon bereit.

Von Marlies Schnaibel

Märkische Allgemeine Zeitung, 05.05.2020
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