10.02.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Baugenehmigung für Radeweger Kirchturm ist da: Jetzt zählt jeder Euro

Der Wiederaufbau der barocken Schweifhaube auf dem Radeweger Kirchturm rückt in greifbare Nähe. Zumindest ist die Baugenehmigung da. Warum das Projekt so viele Menschen bewegt.

Die Radeweger Kirche mit der barocken Schweifhaube auf einer über 80 Jahre alten Postkarte.

Die Radeweger Kirche mit der barocken Schweifhaube auf einer über 80 Jahre alten Postkarte. Quelle: Sammlung Bürstenbinder

Auf dem Weg zur Turmsanierung können die Kirchengemeinde Brielow-Radewege und die Förderer der Radeweger Kirche einen weiteren Teilerfolg vermelden. Dieser steht zwar nur auf dem Papier, doch handelt es sich immerhin um die Baugenehmigung für ein Vorhaben, das deshalb so spektakulär ist, weil dazu die Rekonstruktion der 1973 nach einem Blitzschlag abgebrannten Schweifhaube gehört. Bis zu jenem Unglück war die Kirche als Radeweger Wahrzeichen und Landmarke bis weit über den Beetzsee zu sehen.

Die Vorstandsmitglieder des Kirchdach-Vereins Felicitas Wilkening und Wolf-Dieter Flüss neben einem Modell für die künftige Schweifhaube, die 1973 einem durch Blitzschlag verursachten Brand zum Opfer fiel.

Die Vorstandsmitglieder des Kirchdach-Vereins Felicitas Wilkening und Wolf-Dieter Flüss neben einem Modell für die künftige Schweifhaube, die 1973 einem durch Blitzschlag verursachten Brand zum Opfer fiel. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wie die wieder aufgebaute Schweifhaube, im Volksmund auch Zwiebelturm genannt, aussehen könnte, zeigt schon seit einigen Jahren ein Modell auf dem Kirchhof. Doch noch fehlt es an Geld. „Bisher haben wir für unser großes Bauprojekt bereits 170 000 Euro zur Verfügung. Rund 115 000 Euro fehlen also noch“, teilte Felicitas Wilkening vom Vorstand des Fördervereins Kirchdach der MAZ mit.

Seit 1975 schützt ein pyramidenförmiges Zeltdach den Kirchturm. Es war eigentlich als Provisorium gedacht.

Seit 1975 schützt ein pyramidenförmiges Zeltdach den Kirchturm. Es war eigentlich als Provisorium gedacht. Quelle: Frank Bürstenbinder

Allerdings gehen laufend neue Spenden ein. Außerdem hat der Verein einen Antrag auf Baubeihilfe bei der Landeskirche und einen Förderantrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt. Auch die Brandenburger Rotarier wollen das Vorhaben mit einer Summe von 12 000 Euro unterstützen. Die Vereinsspitze ist deshalb optimistisch, dass bis 2023 das 1975 errichtete pyramidenförmige Notdach durch eine Schweifhaube im barocken Stil ersetzt werden kann. Das wäre genau 50 Jahre nach dem verheerenden Feuer.

Blick von der Empore der Radeweger Kirche

Blick von der Empore der Radeweger Kirche Quelle: Christine Lummert

Grundlage für die Rekonstruktion ist unter anderem eine umfangreiche Masterarbeit über die Radeweger Kirche von Florian Müller. Eine detaillierte Grundlagenermittlung war nötig, weil die Bauunterlagen schon im Krieg zerstört wurden. Außerdem begleitet das Architekturbüro Krekeler das Vorhaben seit vielen Jahren. Der zunächst utopisch erscheinende Wunsch zum Wiederaufbau der Schweifhaube kam 2018 durch eine private Großspende in realistische Nähe.

Bis zum Brand am 4. Mai 1973 war der Radeweger Kirchturm mit seiner hoch aufragenden Schweifhaube ein weithin über den Beetzsee sichtbares Wahrzeichen.

Bis zum Brand am 4. Mai 1973 war der Radeweger Kirchturm mit seiner hoch aufragenden Schweifhaube ein weithin über den Beetzsee sichtbares Wahrzeichen. Quelle: Sammlung Bürstenbinder

Weil derzeit coronabedingt keine Mitgliederversammlung möglich ist, hat sich der Verein erstmals zur Herausgabe einer Broschüre entschlossen, in der alle Aktivitäten des seit 20 Jahren bestehenden Vereins zusammengefasst sind. Außerdem gibt es Ausführungen zur Baugeschichte. Autoren berichten über ihre Erinnerungen, die sie mit der Radeweger Kirche verbinden. „Weitere persönliche Geschichten sind gerne willkommen“, so Wilkening. Wegen der Pandemie gab es im vergangenen Jahr keine vom Verein organisierten Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen in dem spätmittelalterlichen Bauwerk. Keiner weiß, wie lange diese Situation im Lockdown noch andauert. Dem Kirchdach-Verein sind selbst so tausende Euro an Einnahmen verloren gegangen, die zur Schließung der Finanzlücke gedacht waren.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.02.2021
Zur Kirche
Dorfkirche Radewege im Pressespiegel
Baugenehmigung für Radeweger Kirchturm ist da: Jetzt zählt jeder Euro 10.02.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Bauantrag läuft: Radewege holt sich seinen Zwiebelturm zurück 28.07.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Wiesenburger Kirchenakten sind informativ und unterhaltsam 01.03.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Jühnsdorf: Umfeld der Franzosenlinde soll schöner werden 01.03.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Synode: Kuratorium kümmert sich auch um Autobahnkirche 01.03.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Arbeiten an der Segeletzer Kirche ziehen sich hin 01.03.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Bislang 14.000 Euro für Renaissancealtar in der Uckermark 01.03.2021 · Evangelischer Pressedienst