22.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Blandikow: Schäden am Kirchturm werden in luftiger Höhe beseitigt

Diese Schäden sind massiv. Der Dachstuhl am Kirchturm in Blandikow ist von Hausschwamm und Braunfäule befallen. Ursachen sind mehr als 100 Jahre alte Baumängel. Doch das ist noch nicht alles.

Der Aufstieg im Kirchturm in Blandikow endet schon nach wenigen Metern. Die Treppenstufen führen im Moment nur bis zum ersten Zwischenboden. Dann gehen die Schritte ins Leere – alle weiteren Stufen sind ausgebaut und werden aufgearbeitet.

Seit Anfang Juli hat sich die Kirche in Blandikow in eine Baustelle verwandelt. Schon von weitem ist das an dem eingerüsteten Turm sichtbar. Die Gesamtkosten für das Vorhaben umfassen 180. 000 Euro. Die Bauberatung am Dienstag bringt die Kirchengemeinde Blandikow jedoch nicht weiter.

Berthold Schirge (v.l.), Marek Fiedorowicz, Robert Hänsel und Martina Schröder bei der Bauberatung an der Kirche in Blandikow. Vertreter der Baufirmen fehlten nun bei der Zusammenkunft. Quelle: Christamaria Ruch

Denn Restaurator und Denkmalpfleger Marek Fiedorowicz vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) in Dahlwitz-Hoppegarten trifft dort nur auf Pfarrer Berthold Schirge sowie Martina Schröder und Robert Hänsel vom Gemeindekirchenrat.

Baufirmen fehlen bei der Bauberatung in Blandikow

Das Bauhauptgewerbe liegt in der Hand von Baupartner aus Wittstock. Weder von diesem noch von den anderen Unternehmen ist ein Vertreter bei der Bauberatung dabei. An diesem Tag ist überhaupt kein Handwerker zu sehen. „Das ist unverständlich, der Termin für die Bauberatung stand seit Wochen fest“, sagt Berthold Schirge. „Aus Zeitgründen haben wir den Termin nicht geschafft, wir haben im Moment so viele Baustellen“, sagt ein Mitarbeiter von Baupartner am Mittwoch auf telefonische MAZ-Nachfrage.

Schäden in 16 Meter Höhe werden behoben

Marek Fiedorowicz kann somit nur den Vertretern der Kirchengemeinde den Baufortschritt zeigen. Über die Rüstung geht es gut 16 Meter am Turm hinauf bis zum Traufbereich. Das ist der Übergang vom Turm zum Dach, wo bereits die Dacheindeckung in einem zwei Meter breiten Streifen entfernt wurde.

Braunfäule setzte der Holzkonstruktion im Dachstuhl des Kirchturms zu. Die befallenen Sparren werden ausgetauscht. Quelle: Christamaria Ruch

Braunfäule und Hausschwamm haben dem Dachstuhl massiv zugesetzt. Die größte Herausforderung ist laut Restaurator die „sehr stark beschädigte Dachkonstruktion.“ Dabei handelt es sich um eingemauerte Deckenbalkenköpfe; sie haben zum Befall von Hausschwamm geführt.

Mehr als die Hälfte der Deckenbalkenköpfe wird ausgetauscht

„Wir gehen davon aus, dass davon 60 bis 80 Prozent der Deckenbalkenköpfe ausgetauscht werden müssen“, sagt Marek Fiedorowicz. In diesem Zuge wird eine Sicherheitskonstruktion an den jeweiligen Balken angesetzt, um die Statik bei den Arbeiten zu gewährleisten.

Die Sparren sind sichtbar von Braunfäule befallen. „Das alles muss auch ersetzt werden“, sagt der Restaurator. Für diese Arbeiten ist das Unternehmen Zimmerei und Holzbau Schulz aus dem Prignitzort Krempendorf zuständig.

Spätgotischer Turm wurde 1887 baulich verändert

Das neugotische Kirchenschiff wurde 1886/1887 neu errichtet. Der Westturm ist Bestandteil einer spätgotischen Feldsteinkirche. „1887 wurde der Turm verändert und im oberen Bereich wurden zwei bis drei Meter neu aufgemauert“, sagt Berthold Schirge. In diesem Zuge wurden das Portal, die Schallöffnungen und der Abschluss einschließlich Dachkonstruktion erneuert.

Risse befinden sich an drei Seiten des Kirchturms und werden im Zuge der Sanierung geschlossen. Zwei Gutachten konnten nicht deren Ursache klären.

Risse befinden sich an drei Seiten des Kirchturms und werden im Zuge der Sanierung geschlossen. Zwei Gutachten konnten nicht deren Ursache klären. Quelle: Christamaria Ruch

Der Turm ist im unteren Bereich bis zu 1,2 Meter dick und verjüngt sich in Richtung Dach. „Dieser neue Aufbau wirkt wie ein Ringanker und stabilisiert den Turm“, sagt Marek Fiedorowicz.

Handbreite Risse im Mauerwerk

Risse im Mauerwerk sollen nun ebenfalls geschlossen werden. Sie sind teilweise so massiv, dass eine Hand dort hineinreicht. „Zwei Risse gehen durch das gesamte Mauerwerk“, sagt Fiedorowicz. Insgesamt schätzt er 50 laufende Meter Risse. An den drei Außenseiten ziehen sich diese Risse entlang, nur die Seite zum Kirchenschiff ist davon ausgenommen. Mit Ziegelsteinen sollen die Risse an den nicht sichtbaren Bereichen verschlossen werden. Hinzu kommt Kalkmörtel. Außerdem werden Edelstahlanker in die Fugen gesetzt.

Ursache für Risse im Mauerwerk bleiben im Dunkeln

Die Ursache der Risse konnte nie eindeutig geklärt werden. Ein Baugutachten von 2011 schloss Setzungen im Baugrund aus. Denn in diesem Fall müssten die Risse schräg verlaufen, hier ziehen sie sich aber senkrecht entlang. Ein Schwingungsgutachten kam zu der Erkenntnis, dass auch die Glockenbewegungen nicht für die Risse verantwortlich sind.

Die Treppenstufen im Inneren des Kirchturms sind ab dem ersten Zwischenboden ausgebaut und werden aufgearbeitet.

Die Treppenstufen im Inneren des Kirchturms sind ab dem ersten Zwischenboden ausgebaut und werden aufgearbeitet. Quelle: Christamaria Ruch

Bauende wird für Oktober erwartet

Die Schallluken am Turm sind bereits ausgebaut und werden nun saniert. Übergangsweise sind die Öffnungen mit Holzplatten verschlossen, um zu vermeiden, dass dort Tiere eindringen. Zwei der drei Zwischenböden im Inneren des Turms werden ebenfalls saniert. Marek Fiedorowicz hofft, dass die Arbeiten bis Oktober abgeschlossen sind. Bis dahin sollen die Baufortschritte durch wöchentliche Bauberatungen begleitet werden.

Von Christamaria Ruch

Märkische Allgemeine Zeitung, 22.07.2020
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