10.08.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Bork: Die Orgel der Dorfkirche erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Es ist vollbracht: Die kleine Orgel der Borker Kirche ist endlich restauriert. Leider muss die offizielle Einweihung wegen der Corona-Pandemie noch warten. Einige wenige durfte sie vorab sehen und hören und wir waren dabei.

Es ist ein großer Tag für die kleine Borker Dorfkirche. Die geladenen Gäste nehmen langsam und mit Abstand ihre Plätze ein. Immer zu zweit geht es auf eine Bank. Mehr ist in Zeiten von Corona nicht erlaubt. Die Kirche ist liebevoll geschmückt. Holzbrettchen und jeweils zwei kleine Flaschen Sekt dekorieren jede Kirchenbank. An besonderen Tagen gibt es schließlich Geschenke.

Einweihung der Boker Orgel wird vorerst verschoben

Erwartungsvoll richten sich alle Blicke auf Michael Seyfarth, Mitglied des Gemeindekirchenrats Bork-Lellichow, der wenig später vor den Altar tritt. „Es ist vollbracht“, sind seine ersten Worte, „die Orgel der Borker Kirche ist restauriert.“ Nach mehr als 60 Jahren ist es soweit – die Borker Orgel ist wieder spielbereit und wurde bis zur letzten Pfeife generalüberholt.

„Wer hätte damit überhaupt noch gerechnet“, sagt Michael Seyfarth. Als Dankeschön durften die großzügigsten Sponsoren als erste die restaurierte Orgel sehen und ihren Klang mit eigenen Ohren genießen. Wegen der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie haben die Verantwortlichen des Kirchenrates auf ein öffentliches Konzert und eine offizielle Einweihung der Orgel verzichtet. „Es wäre schade, denn wegen der Auflagen dürfen nur sehr wenige Menschen in die kleinen Dorfkirche“, erklärt Seyfarth.

Orgelbauer Matthias Beckmann erklärt den Werdegang allen Gästen

Aus diesem Grund habe man sich entschieden, wenigstens den Leuten, die am meisten Geld gespendet hatten, als erste das fertige Werk zu präsentieren. Schließlich sollen sie mit eigenen Augen sehen, was mit ihrem Geld passiert ist. Immer wieder gab es diesbezüglich Nachfragen. In einer nichtöffentlichen Veranstaltung, zu der auch Orgelbaumeister und Restaurator Matthias Beckmann und sein Kollege Kirchenmusiker Axel Bayerl kamen, wurde das Instrument aus seinem Dornröschenschlaf erweckt.

Matthias Beckmann fasste kurz den Werdegang der Restauration zusammen: „Seit Beginn des Jahres haben wir intensiv an dieser Orgel gearbeitet“, erklärte er. Da kam der aus dem Havelland stammende Orgelfachmann, der in der Nähe von Friesack lebt, das erste Mal ins kleine verschlafene Dorf Bork. Er begutachtete die Orgel, die in keinem guten Zustand war. Kurz darauf wurde sie auseinander gebaut und in Einzelteilen abtransportiert, sie kam in Beckmanns Werkstatt.

Kirchenmusiker Axel Bayerl spielte die Orgel

„Und jetzt zeigen wir ihnen, wie die Orgel wirklich klingt“, sagt Matthias Beckmann. Es ist plötzlich ganz still. Für einen kurzen Moment hätte man eine Stecknadel, die auf den Boden fällt, hören können. Die Augen sind nach oben gerichtet. Und: Die Orgel gibt Töne. Axel Bayerl spielt die ersten Noten auf dem frisch restaurierten Instrument. Gemeinsam mit Bernhard Bosecker an der Trompete gab es für alle ein kleines Konzert.

Das Publikum war überwältigt. „Ich habe Gänsehaut“, hieß es nach dem ersten Lied von einem Gast. Wieder andere kämpften mit den Tränen, vor Freude. Niemand habe daran geglaubt, dass es jemals soweit kommen wird – niemals. Immer wieder gab es Rückschläge, neue Enttäuschungen und das Projekt „Orgelsanierung“ wurde wieder auf ungewisse Zeit verschoben.

Keiner im Ort kennt den Klang der Orgel

„Es war ein so wunderbarer Moment“, sagt Bernhard Bosecker im Anschluss. Der Musiker ist einer der Köpfe, der es überhaupt möglich machte, dass diese Orgel jetzt wieder im top Zustand ist. „Es gibt keinen mehr, ob hier im Dorf oder in der Kirchgemeinde, der diese Orgel jemals spielen gehört hat“, erklärt er.

Das bestätigt auch der zuständige Pfarrer Berthold Schirge. In einer kleinen Andacht bedanke auch er sich bei den großzügigen Spendern und verspricht: „Sobald es möglich ist, werden wir dieses wunderbare Instrument würdevoll einweihen und einen großen und öffentlichen Festgottesdienst veranstalten.“

Matthias Beckmann verrät ein paar Details zur Orgel

Nachdem der „offizielle Teil“ beendet war, stand ein kleines Buffet bereit. Die Gäste kamen ins Gespräch. Orgelrestaurator Matthias Beckmann und Axel Bayerl waren gefragte Personen. Beckmann brachte auf jede Frage Licht ins Dunkel: „Die Orgel ist eine eher kleine Orgel, sagt er, „sie besitzt drei Acht-Fuß-Register.“ Axel Bayerl hat jedes einzeln angespielt. So konnte jeder Gast den Unterschied hören und auch spüren. Gerade die großen Pfeifen erzeugen einen enormen Bass, dessen Schwingungen jeder spüren konnte.

Es handelt sich um eine Heinze Orgel. Der Erbauer, Friedrich Ernst Gustav Heinze, lebte in Sorau im heutigen Polen. „Es gibt zum Beispiel bei Friesack ein ähnliches Instrument“, sagt Beckmann. Aber die meisten sind in keinem guten Zustand. Viele befinden sich in Polen.

Die fertige Orgel in der Borker Kirche. Quelle: Julia Redepenning

Über mehrere Monate hat Matthias Beckmann die Orgel gereinigt und von Grund auf saniert und wieder hergestellt. Dabei stellte sich ihm auch die ein oder andere Frage: „Die großen Holzpfeilen wurden mithilfe eines Holzstücks leiser gemacht“ erklärt er, „das habe ich entfernt und jetzt sind ist sie in voller Lautstärke zu hören.

„Es kann gut möglich sein, dass es einen Kantor gab, der es genau so haben wollte“, meint der Orgelfachmann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Sinne des Erbauers war, dass sein Instrument gedrosselt wird.“

Offizielle Einweihung ist 2021

Was die gesamte Sanierung am Ende gekostet hat, wird sich bald zeigen. Man rechne aber mit einem fünfstelligen Betrag. Mehr als 12.000 waren eingeplant. Natürlich mit einem Puffer. Aber die Zeit, die ganze Arbeit der freiwilligen Helfer ist damit nicht beglichen. Das störe jedoch nicht: „Unser Geschenk ist es, dass die Orgel jetzt wieder gespielt werden kann, sagt Michael Seyfarth.

Doch ohne die Großzügigkeit vieler Sponsoren wären die Verantwortlichen niemals soweit gekommen. Den größten Anteil gab die Stadt Kyritz dazu. Die offizielle Einweihung soll im Frühjahr oder Sommer 2021 erfolgen. Wenn es die Lage bis dahin zulässt. „Wir werden auf jeden Fall kommen“, verspricht Matthias Beckmann. „Es war eine tolle Zeit hier in Bork und so viel Freundlichkeit und eine so tolle Arbeitsatmosphäre habe ich selten erlebt.“

Von Julia Redepenning

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.08.2020
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