06.01.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Brandenburgs Dorfkirche des Monats Januar steht in Tornow

Die „Dorfkirche des Monats“ Januar steht im Wusterhausener Ortsteil Tornow. Die Auszeichnung wird vergeben vom Arbeitskreis „Alte Kirchen“ Berlin-Brandenburg. Förderer wollen die weitere Sanierung des Gotteshauses voran treiben.

Die Kirche in Tornow wurde in den Jahren 1827 und 1828 gebaut.

Die Kirche in Tornow wurde in den Jahren 1827 und 1828 gebaut. Quelle: Axel Knopf Anzeige Tornow

Das kleine Tornow, mit knapp 60 Einwohnern einer der Liliput-Ortsteile in der Gemeinde Wusterhausen, hat gleich am ersten Tag des neuen Jahres öffentliche Würdigung erfahren. Dicht neben dem Gutshaus, das jenseits der Corona-Beschränkungen als Herberge für Touristen dient, steht die „Dorfkirche des Monats“ Januar. Die Auszeichnung wird vergeben vom landesweit agierenden Arbeitskreis „Alte Kirchen“ Berlin-Brandenburg.

Das kleine Gotteshaus liegt am Rande des Lenné-Gutsparks. Es kam im Frühjahr des vergangenen Jahres in die Schlagzeilen, als eine dringend notwendige Sanierung des Daches anstand. Die zog sich dann länger hin als erwartet.

Das lag zum einen daran, dass auch das komplette Gebälk ausgewechselt werden musste. Zum anderen hatte die Untere Denkmalschutzbehörde ein Stoppzeichen gesetzt. Der Grund: Die erteilte Baugenehmigung hätte nur für die Dachhaut aus Biberschwanzziegeln gegolten, nicht aber für das tragende Holz darunter, hieß es. Bis Einvernehmen hergestellt werden konnte, verging wertvolle Zeit. Und die Kosten stiegen von zunächst veranschlagten 36 000 Euro auf rund 50 000 Euro an.

Dass am Ende doch alles gut wurde, hat im wesentlichen mit dem Engagement von zwei Männern zu tun. Es sind der Bauingenieur Gerhard Ganswindt und Pfarrer Daniel Feldmann. Beide pflegen eine starke Zuneigung zum Kirchlein in Tornow. Gerhard Ganswindt wurde im Ort geboren. Daniel Feldmann hat Kindheitserinnerungen daran, dass sein Großvater, der seit den 60er Jahren bis 1989 hier als Pfarrer aktiv war, zu Gottesdiensten in den Ort fuhr.

Bauingenieur Gerhard Ganswindt, ein geborener Tornower, will auch die weiteren Arbeiten an der Kirche unterstützen.

Bauingenieur Gerhard Ganswindt, ein geborener Tornower, will auch die weiteren Arbeiten an der Kirche unterstützen. Quelle: Wolfgang Hörmann

Heute gehört Tornow zum Pfarrsprengel von Enkel Daniel. Als es knapp wurde mit dem Geld für das neue Dach, bemühte er sich mit Gerhard Ganswindt darum, weitere Unterstützer und Spender aufzutreiben. Mit Erfolg. „Wir fanden bei vielen offene Ohren“, sagt Gerhard Ganswindt. Er nennt als Beispiele die in der Nachbarschaft angesiedelten Firmen Wasserbau Wusterhausen, PVA Bantikow und die Pilzfarm im Tornow. Auch der Wusterhausener Bürgermeister Philipp Schulz sei als Helfer willkommen gewesen.

Die jetzt erfolgte Ehrung kommt genau richtig, die Aufmerksamkeit für das 1827 errichtete Gotteshaus am Leben zu erhalten. Denn das stabile Dach, ein Werk der Firma Kolterjahn aus Dessow, gilt für die Förderer nur als Etappenziel.

Sakralbau gehörte ursprünglich zum Gut Tornow

Die TornowerBacksteinkirche entstand in den Jahren 1827/28. Es wurden verschiedene ältere Bauteile, zum Beispiel Säulenkapitelle eingearbeitet, die von einem älteren Sakralbau stammen. Im Jahr 1997 wurde die Kirche restauriert.

Verschollen ist die Glocke, die 1965 samt Turm abstürzte, wobei aber niemand verletzt wurde. Das jetzt verwendete Geläut in einem Holzverschlag neben der Kirche bringt bereits seit über vier Jahrzehnten Herbert Stark aus Tornow per Handarbeit zum Klingen.

Der ursprünglichzum Gut Tornow gehörende Sakralbau wurde im Zuge der Bodenreform gleich mit enteignet und befindet sich nun im Besitz der Gemeinde Wusterhausen, während die Kirchengemeinde lediglich ein durch Pachtvertrag vereinbartes Nutzungsrecht wahrnimmt.

Der FörderkreisAlte Kirchen Berlin-Brandenburg kürt seit 2002 die „Dorfkirche des Monats“. Auch Brüsenhagen in der Prignitz (August 2020) durfte sich schon über dieses Anerkennung freuen, ferner unter anderem Barenthin (Dezember 2018). Breddin (Juli 2018), Demerthin (August 2014) und Döllen (März 2013).

Neue Fenster braucht die Kirche, das Mauerwerk ist zu verfugen. Und die Sanduhr auf dem Kanzelaltar von 1796, die dem Prediger seit Jahrhunderten Orientierung gibt, müsste restauriert werden. Außerdem ist die elektrische Anlage komplett zu erneuern. Und dann wäre da noch der fehlende Glockenturm. Er stürzte 1965 während einer Trauerfeier in die Tiefe, was den hölzernen Verschlag erklärt, der seitdem ein Geläut beherbergen muss.

Der 71-jährige Gerhard Ganswindt will sich weiter dafür einsetzen, dass es endlich wieder anders wird.

Von Wolfgang Hörmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 06.01.2021
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