25.08.2020  –  Märkische Oderzeitung

Brandsanierung der Stadtkirche in Eberswalde verteuert sich

Schwämmchen im Einsatz: Restauratorin Annette Sturm entfernt am Altar der Maria-Magdalenen-Kirche mit sanftem Druck Rußpartikel, die sich in das Holz gefressen haben.© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Fragmente einer Lilie: Diese Malerei unterm Dach stammt aus dem Mittelalter.© Foto: MOZ/Sven Klamann

Sven Klamann/ 25.08.2020, 03:00 Uhr – Aktualisiert 25.08.2020, 11:38Eberswalde (MOZ) Überall, wo unter dem Dach der Maria-Magdalen-Kirche die gotischen Spitzbögen zusammenlaufen, ist mittelalterliche Malerei aufgetaucht. Die Farbreste, deren Motive in den seltensten Fällen zu erkennen sind, waren über Jahrhunderte unter einer weißen Deckschicht verborgen und kamen erst zum Vorschein, als auch diese Bereiche des Gotteshauses behutsam vom Ruß befreit wurden.

„Es handelt sich alles in allem um zwölf solcher Zeichnungen“, sagt Pfarrer Hanns-Peter Giering von der evangelischen Stadtkirchengemeinde, die seit dem Brand vom 2. Dezember vorigen Jahres ihre größte und älteste Kirche nicht mehr nutzen kann. Das am besten erhaltene dieser Wandbilder, das eine Lilie zeige, bleibe erhalten, alle anderen Werke sollen denkmalpflegerisch dokumentiert werden, wenn es gelinge, das Geld dafür aufzutreiben.

Neue Heizung kommt später

Zumindest für die direkten Brandschäden kommt die Versicherung auf. Aktuell rechnet der Pfarrer allein dafür mit Gesamtkosten in Höhe von 1,5 bis 1,6 Millionen Euro. Das sind 300 000 bis 400 000 Euro mehr, als noch bei der Bauanlaufberatung Mitte Mai geschätzt worden war. Das Ausmaß der zu erledigenden Arbeiten sei damals noch nicht im vollen Maße erkennbar gewesen, erklärt Hanns-Peter Giering.

Die Kirchengemeinde setzt darauf, im Zuge der Brandsanierung auch gleich weitere Aufgaben in Angriff nehmen zu können, die für die Maria-Magdalenen-Kirche wichtig wären. „Wo die Gerüste doch schon einmal stehen, wäre es prima, wenn wir endlich auch die Elektroanlage erneuern könnten“, betont der Pfarrer. Allein dafür würden nach aktueller Kostenschätzung mehr als 400 000 Euro benötigt. Die Gemeinde sei daher  froh über die Förderzusagen von Land, Kreis und Stadt. Und über die anhaltend große Spendenbereitschaft nicht allein in Eberswalde. Aus Kostengründen haben Eberswaldes evangelische Christen dennoch schweren Herzens davon Abstand genommen, die Heizung gleich mitauszutauschen. „Dafür wäre das Gerüst ja auch nicht unbedingt erforderlich“, sagt Hanns-Peter Giering. Also könnte dieser weitere Kraftakt irgendwann später gestemmt werden.

Festmahl unter Ratsherren

Der Einsatz der Restauratoren bringt Licht in so einige Kapitel darüber, wie die Kirche früher genutzt wurde. Natürlich ist in der dreischiffigen, kreuzrippengewölbten Pfeilerbasilika vom ausgehenden 13. Jahrhundert, die nach dem Stadtbrand 1499 und 1726 grundlegend verändert wurde, immer schon gebetet worden. „Darüber hinaus dürfte es im Gotteshaus aber auch so manche zünftige Feier gegeben haben“, erzählt der Pfarrer – mit Verweis auf die Funde unter der Aufschüttung der südlichen Empore. Dort waren unter anderem Pfeifenstiele, Geflügelknochen, hochwertige Knöpfe und sogar eine Austernschale sichergestellt worden. „Das deutet auf eine Nutzung als Ratsherrenloge hin, die um 1700 errichtet wurde und wahrscheinlich bis 1825 bestand“, berichtet Hanns-Peter Giering.

Es sei davon auszugehen, dass die Restauratoren bis Ende dieses Jahres fertig sein könnten, sagt der Pfarrer. Zwar würde die begleitende Sanierung zum Teil bereits parallel zu den jetzt laufenden Arbeiten beginnen. „Doch das Gotteshaus dürfte noch bis mindestens ins Frühjahr 2021 hinein Baustelle sein“, kündigt er an. Alles andere wäre unrealistisch. Was im Gotteshaus geschehe, sei für alle Beteiligten lehrreich.

Videos zum Baufortschritt in der Maria-Magdalen-Kirche auf youtube oder auf www.kirche-eberswalde.de

Märkische Oderzeitung, 25.08.2020
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