11.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Breddiner Kirche wird aufgefrischt

Die Kirche von Breddin erfährt seit Oktober eine komplette Neugestaltung des Innenraums. Das Baudenkmal ist das einzige seiner Art in der Prignitz, dessen Entstehungszeit sich genau mit Dokumenten belegen lässt.

Mit ihren fast 750 Jahren gehört die Breddiner Kirche zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Prignitz. Derzeit erfährt sie einmal mehr eine Verjüngungskur.

Von denen hat die Kirche schon so einige hinter sich. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt sie so ihr heutiges Äußeres: Der ursprünglich rechteckige Bau wurde um ein Querschiff und einen Choranbau erweitert, die meisten Fenster- und Türöffnungen erfuhren Veränderungen.

Vor allem aber führten die damaligen Arbeiten zur Entdeckung eines echten Alleinstellungsmerkmals: Unterm Altar fand sich die Weiheurkunde des Gebäudes vom 9. Oktober 1273. Breddin verfügt damit über die einzige mittelalterliche Kirche in der Prignitz, deren Bauzeit sich urkundlich genau belegen lässt. Dokumente aus jener Zeit sind eine echte Rarität.

Aus der Weiheurkunde von 1273

Wir Heinrich, Bischof von Havelberg, haben geweiht diese Kirche und den Altar zu Ehren der Seeligen.

Darin werden aufbewahrt die Reliquien des St. Nikolaus, der Maria Magdalena, der seligen Jungfrau Katharina und von anderen Märtyrern und Heiligen, deren Namen wir nicht kennen. 

Geschehen an den 9. Kalenden des Oktobers im 2. Jahr unseres Pontifikats.

Die Kirchenwände erhalten ihren Putz zurück

Ganz so spektakulär wie vor gut 170 Jahren muss die aktuelle Auffrischung nicht werden, wenn es nach Pfarrer Henning Utpatel geht. Er hofft vor allem auf einen wieder deutlich attraktiveren Innenraum.

Dieser Tage arbeiten Maurer aus Wittstock in der Kirche. „Die Wände waren ja vier Jahre lang unverputzt“, erklärt Henning Utpatel. Grund seien Bemühungen zur Trockenlegung gewesen. „Hier ist ja nicht viel Fundament. Da kommt die Feuchtigkeit rein.“ Schon 2015 sei deswegen das Mauerwerk außen abgedichtet worden.

Maurer aus Wittstock verputzen dieser Tage die Innenwände neu. Quelle: Alexander Beckmann

Die seitdem offengelegten Wände mit ihren grob bearbeiteten Feldsteinen fanden durchaus Liebhaber. „Aber das sollte nicht so bleiben“, sagt der Pfarrer. „Das war ja nie als sichtbares Mauerwerk gedacht.“ Also kommt nun wieder Putz dran.

Einblicke in die Baugeschichte bleiben erhalten

Eine Ausnahme macht die Innenwand an der Westseite des Turms. Sie soll als Zeugnis der Baugeschichte offen bleiben. Zu erkennen sind dort beispielsweise die beiden ursprünglichen Zugänge zum Turm und ein sogenanntes Weihekreuz im Mauerwerk, das vermutlich aus der Bauzeit stammt.

Einige Zeugnisse aus der Zeit der Errichtung wie das Weihekreuz in der Westwand der Turms bleiben sichtbar.Quelle: Alexander Beckmann

Der Zusammenhang von Baugeschichte und Mauerwerk hatte im vergangenen Jahr auch Architekturstudenten aus Berlin beschäftigt. Am Beispiel der Breddiner Kirche machten sie unter anderem die Entwicklung von Bautechniken fest: Die ältesten Teile des Hauses bestehen demnach aus zweischaligen Mauern mit aufwändig behauenen Feldsteinen. Die Breddiner waren damals im 13. Jahrhundert offenbar in der Lage, viel Arbeit und Wissen in den Bau zu investieren. Spätere Anbauten sind jedenfalls handwerklich etwas einfacher ausgeführt.

Auch Glaser, Tischler und Maler bekommen in Breddin zu tun

Apropos Handwerk: Neben den Maurern haben aktuell noch andere Gewerke in Breddin zu tun. Sämtliche Fensteröffnungen sind derzeit nur notdürftig verschlossen. „Die Fenster müssen alle überarbeitet werden“, berichtet Henning Utpatel. Die Bleiverglasung habe zum Teil noch aus mundgeblasenen Scheiben bestanden. „Aber da ist vieles im Laufe der Jahre durch einfaches Fensterglas ersetzt worden.“ Nun werden Fachleute wieder für ein einheitliches Bild sorgen.

„In die drei Fenster der Apsis werden wir farbiges Glas einsetzen“, kündigt der Pfarrer an. „Da haben die Denkmalschützer schon zugestimmt.“ Ob es so etwas dort schon einmal gab, lässt sich nicht belegen. Historische Schwarzweiß-Aufnahmen taugen dazu naturgemäß wenig.

Bis zum Juni soll auch der Fußboden erneuert sein. Laut Pfarrer Henning Utpatel liegen die Arbeiten gut im Zeitplan.Quelle: Alexander Beckmann

Ebenfalls Teil der Baustelle ist der Ziegelboden im Kirchenschiff. Ein Großteil der Steine ist momentan entfernt – hier ruht der Blick auf dem blanken Erdboden. „Im Altarraum wird der Boden komplett neu verlegt. Da waren viele Steine kaputt.“ Außerdem, so Utpatel, nutze man die Gelegenheit, um neue Leitungen für Strom und Beschallung zu verlegen.

Dauerausstellung zeigt Kirchen- und Dorfgeschichte

„Wir hoffen, dass nach Ostern alles so weit durchgetrocknet ist, dass der Maler ran kann.“ Der Kirchenraum soll eine komplett neue Farbgestaltung erhalten – inklusive der trist braunen Decke. Auch das Gestühl wird derzeit beim Tischler aufgearbeitet. „Dass alles wird dem Raum dann wirklich neue Akzente geben“, zeigt sich der Pfarrer überzeugt.

Ein ganz wichtiges Element wird dabei die Dauerausstellung sein, die ebenfalls Bestandteil des laufenden Sanierungsprojektes ist. Unter der Südempore sollen Schautafeln und eine Vitrine die Kirchen- und Dorfgeschichte veranschaulichen. Selbstverständlich spielt dabei die Weiheurkunde von 1273 eine wichtige Rolle. „Wir sind noch dabei, uns für die Ausstellung eine hochwertige Kopie anfertigen zu lassen“, sagt Henning Utpatel. Das Original liegt im Landesarchiv in Potsdam.

Dort bewahrt man übrigens weitere Zeitzeugnisse aus Breddin auf. Die Dorfbewohner gingen offenbar ausgesprochen sorgsam mit Dokumenten um. Erhalten sind beispielsweise Aufzeichnungen von Breddiner Pfarrern seit dem 17. Jahrhundert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten sie über Jahrzehnte Tag für Tag notiert, was sich im Dorf so zutrug – ebenfalls ein seltenes Zeitzeugnis. „Das würde ich auch gerne mal lesen“, gesteht der heutige Pfarrer. Allerdings seien die Handschriften für den Laien praktisch nicht mehr zu entziffern. Aber vielleicht ergebe sich ja mal eine Gelegenheit.

Fertigstellung voraussichtlich im Juni

Voraussichtlich zur Jahresmitte werden die seit Oktober laufenden Bauarbeiten in der Breddiner Kirche abgeschlossen sein. „Wir liegen gut im Plan. Da der Winter so mild war, konnten die Handwerker fast durchgehend arbeiten.“

Außer dem umgestalteten Innenraum gibt es dann im Juni auch das von Breddiner Grundschülern gestaltete Hüpfspiel im Kirchgarten zu bewundern. Die 28 Fliesen zeigen Motive aus dem Ort und seiner Geschichte.

Alles in allem kostet die neueste Verjüngungskur für das Baudenkmalrund 230.000 Euro. Dreiviertel davon kommen aus dem Fördertopf des Leader-Programms der EU. Den Eigenanteil brachten die Kirche, zahlreiche Spender und die Gemeinde Breddin auf.

Von Alexander Beckmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 11.03.2020
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