16.04.2021  –  Lausitzer Rundschau

Brieske: Michael Bregulla ist der Herr der Marga-Glocken

Seit genau 100 Jahren läutet das Glocken-Trio im Turm der Briesker Martin-Luther-Kirche. Michael Bregulla sorgt dafür, dass Glocken und Uhr wie geschmiert laufen. Doch manchmal schlägt´s auch dreizehn.

16. April 2021, 16:30 Uhr•Brieske
Von Torsten Richter-Zippack

Michael Bregulla kümmert sich seit Jahrzehnten um die Wartung der Briesker Kirchenglocken. Hier muss sich die größte Glocke des Turm-Trios einer Behandlung unterziehen.
Michael Bregulla kümmert sich seit Jahrzehnten um die Wartung der Briesker Kirchenglocken. Hier muss sich die größte Glocke des Turm-Trios einer Behandlung unterziehen.
© Foto: Torsten Richter-Zippack

Rund 45 Meter misst der Turm der Martin-Luther-Kirche im Herzen der Gartenstadt Marga. Wer bis hoch hinaufsteigen will, muss zunächst die 138 Stufen bewältigen. Bis zu den Glocken sind es immerhin noch 118 Stufen. Eine kleine, eine mittlere und eine große Glocke versehen dort seit genau 100 Jahren ihren Dienst. Am 17. April 1921 wurden sie geweiht.Michael Bregulla weiß so gut wie alles über die Glocken im Marga-Kirchturm. Mindestens einmal im Monat steigt der 67-Jährige die vielen Stufen hinauf, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ansonsten funktionieren Glocken und Turmuhr eben wie ein Uhrwerk. Egal, ob bei Tag oder Nacht, ob im Winter oder im Sommer.

Bregulla kontrolliert den Klang der Glocken, stellt mal hier etwas nach und dreht dort eine Schraube fest. Schließlich wird die Technik nicht jünger. Der 67-Jährige weiß genau, was er tut. Schließlich hatte der gelernte Schlosser sein Geld über viele Jahre als Rohrleger in der Brikettfabrik Meurostolln in Hörlitz verdient. Alles, was irgendwie mit Metall zu tun hat, fasziniert ihn.

Die große Marga-Glocke gibt zu Weihnachten keine Ruhe

Manchmal lassen die Glocken den Biehlener aber auch verzweifeln. Beispielsweise vor einigen Jahren ausgerechnet zu Heiligabend. „Da schlug es offenbar dreizehn. Denn die große Glocke wollte einfach nicht mehr aufhören zu läuten“, erinnert sich Bregulla. „Umgehend musste ich auf den Turm. Eine Kette war gerissen. Die habe ich gleich vor Ort geflickt.“Zu jeder Viertelstunde sind die Glocken im Briesker Kirchturm zu hören. Und zwar 24 Stunden am Tag. Das gefällt nicht jedem. So hatte sich ein Anwohner beschwert, dass durch die Glockenschläge seine Nachtruhe beeinträchtigt sei. Seitdem läuten die Glocken etwas leiser.

„Und ich war mit diesem Menschen auf dem Kirchturm, habe ihm die Technik gezeigt“, berichtet Michael Bregulla. Seitdem habe es keine Beschwerden mehr gegeben. Wenn der Wind günstig steht, könne er die Marga-Glocken sogar im rund fünf Kilometer entfernten heimischen Biehlen noch hören.

Die Marga-Glocken werden elektrisch gesteuert

Der 67-Jährige interessiert sich schon seit seiner Kindheit für Uhren Glocken und Kirche. Als der gebürtige Großräschener Mitte der 1970er-Jahre nach Brieske kam, ging er in eine Art Lehre beim damaligen Glockenverantwortlichen Paul Lehmann. Manuell geläutet wurde schon damals nicht mehr. Die Partnergemeinde aus dem badischen Pforzheim hatte den Brieskern eine elektrische Läuteanlage gesponsert. Zuvor mussten sechs bis sieben Männer die zentnerschweren Glocken mit ihrer Muskelkraft zum Schwingen bringen.Heute funktioniert alles automatisch oder auf Knopfdruck. Denn zu besonderen Anlässen werde auch geläutet, ebenso wenn aus der Kirchgemeinde jemand verstorben ist.

Sonnabends läuten die Marga-Glocken das Wochenende ein

„Ein besonderer Tipp ist, sonnabends um 17.50 Uhr an der Kirche zu sein“, empfiehlt Michael Bregulla. „Dann läuten die Glocken zehn Minuten lang das Wochenende ein.“

Ohnehin besitzen Glocken und die Turmuhr für die Marganer, wie sich die Bewohner der Gartenstadt selbst bezeichnen, eine ganz besondere Bedeutung. „Anhand der vier Ziffernblätter haben wir als Kinder die Uhrzeiten gelernt“, erinnert sich Regina Domann, die sich über viele Jahre im örtlichen Gemeindekirchenrat engagierte. „Mutter hat gesagt, wenn der große Zeiger auf der zwölf steht und der kleine Zeiger auf der drei, müssen wir zu Hause sein.“ Bis heute, so sagt Domann würden sich die Alteingesessenen eher an den Turmglocken und der Uhr als am eigenen Wecker orientieren.

Die Wartung der Marga-Glocken ist gesichert

Ob die Glocken noch weitere 100 Jahre in der Martin-Luther-Kirche zu Brieske läuten und schlagen werden, will Michael Bregulla gar nicht ausschließen: „Die Qualität ist super, nur müssen sie regelmäßig gewartet werden.“ Inzwischen hat er einen jungen Mitstreiter gefunden. „Den lerne ich an. Es wäre wünschenswert, wenn er die Glocken zukünftig betreuen würde. Um die Zukunft des Trios im Turm ist mir also nicht bange.“

Gottesdienst zum Glocken-Jubiläum

Anlässlich der 100. Wiederkehr der Glockenweihe in der Briesker Martin-Luther-Kirche wird diesen Sonntag, 18. April (11 Uhr), zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen. Diesen hält Pfarrerin Dorothee Michler. Es handelt sich übrigens nicht mehr um die originalen Glocken aus der Bauzeit des Gotteshauses. Zwei der drei im Jahr 1914 eingesetzten Bronze-Exemplare mussten kurze Zeit später abgenommen werden, um sie zu Kriegszwecken einzuschmelzen. Die dritte Glocke ging in die Kirche der Grube Erika/Laubusch. Die jetzigen Marga-Glocken wurden im Jahr 1921 eingebaut und geweiht. Den Zweiten Weltkrieg überstanden sie schadlos.

Lausitzer Rundschau, 16.04.2021