07.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Bronze statt Stahl: neue Glocken für Alt Ruppin

Die Kirche von Alt Ruppin bekommt einen neuen Klang. Nach 60 Jahren haben die alten Glocken aus Stahl ausgedient. Sie wurden am Dienstag durch neue aus Bronze ersetzt. Sie hingen bisher in einer Hamburger Kirche, die es nicht mehr gibt.

Die alten Glocken der Nikolaikirche wurden 1960 in Apolda gegossen.
Quelle: Reyk Grunow
Auch für Pfarrer Thomas Klemm-Wollny war es ein sehr besonderes Ereignis.
Quelle: Reyk Grunow
Knapp hundert Menschen wollten dabei sein, wenn die Glocken in Alt Ruppin getauscht werden.
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Drei Stahlglocken wurden gegen vier aus Bronze getauscht.
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Die alten Glocken der Nikolaikirche wurden 1960 in Apolda gegossen.
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Durch die schmale Schallluke mussten die Glocken aus- und eingesetzt werden. Ein Kran hievte sie hoch, über Stahlschienen wurde sie per Flaschenzug ins Innere des Turms gezogen.
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Kaum hat der Kran das Seil richtig angespannt, schwingt die große Glocke schon frei. Ein vorsichtiges „Dong“ erklingt, als mehrere hundert Kilo Bronze versehentlich gegen den Ausleger des Kranwagens stoßen, der vor der Alt Ruppiner Nikolaikirche steht. Die Arbeiter schaffen es aber schnell, das Gewicht abzufangen, bevor die Glocke ernsten Schaden anrichten kann.

Pfarrer Thomas Klemm-Wollny und Gregor Hamsch, der Geschäftsführer der evangelischen Kirchengemeinde Ruppin, greifen den Klöppel und schlagen ihn mit Kraft gegen die Bronze. Einmal wollen sie an diesem Tag richtig hören, wie das neue Geläut wohl klingt.

Mit einer Andacht unter freiem Himmel hat die Kirche von Alt Ruppin am Dienstag vier neue Glocken bekommen. Tatsächlich sind die Glocken gebraucht und stammen ursprünglich aus der Paul-Gerhardt-Kirche in Hamburg. Im vergangenen Jahr wurden sie dort mit einer Feierstunde vom Turm herabgelassen. Die Kirche in Hamburg gibt es inzwischen nicht mehr. Sie wurde abgerissen. Schon lange vorher war sie ungenutzt, weil die Gemeinde immer weniger Mitglieder hat.

Einem Zufall haben es die Alt Ruppiner zu verdanken, dass sie die Bronzeglocken bekommen konnten. Gregor Hamsch hatte durch einen Bekannten erfahren, dass Glocken angeboten werden und gleich Interesse angemeldet. Die Hamburger Gemeinde hat schließlich den Zuschlag nach Alt Ruppin gegeben.

Nach wochenlanger Vorbereitung konnten die neuen Glocken am Dienstag in Alt Ruppin eingehängt werden. Zuvor haben die Arbeiter am Vormittag die alten vom Turm herabgelassen.

„Genau 60 Jahre lang haben diese Glocken ihren Dienst getan“, sagt Thomas Klemm-Wollny. Die drei bisherigen Glocken wurden aus Stahlguss angefertigt. Für anderes Material hatte die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg kein Geld. Der Stahl ist inzwischen sehr angegriffen. „Die eine Glocken ist schon fast durchgerostet“, sagt Horst Kremp, der als Baufachmann der Gemeinde den Glockentausch von Anfang an begleitet hat.

Fast hundert Menschen wollten am Vormittag die alten und die neuen Glocken bewundern. Zwischen 400 und 1400 Kilo wiegen die drei Stahlglocken, die per Kran nach unter gebracht wurden. Die größte von ihnen ist so breit, dass an einer Schallluke im Turm einige Steine herausgenommen werden mussten, damit sie dort überhaupt hindurchbugsiert werden konnte.

Die neuen Glocken sind etwas leichter und kleiner. Dafür sind sie zu viert. Die Bronze, aus der sie gemacht sind, hält theoretisch ewig.

Das dachten die Alt Ruppiner früher auch von ihrem Geläut einmal. Bis zwei der ursprünglichen Glocken aus der Nikolaikirche 1917 für den Krieg eingeschmolzen wurden. In den 20er Jahren ließ die Gemeinde daraufhin neue Bronzeglocken gießen, sagt Thomas Klemm-Wollny. Aber die wurden 1940, keine 20 Jahre später, erneut eingeschmolzen. 1960 reichte das knappe Geld dann nur noch für den Stahlguss.

Fünf Glocken hängen jetzt in Alt Ruppin

Gut 70.000 Euro waren für den Wechsel der Glocken jetzt nötig, sagt Gregor Hamsch. 6000 Euro haben die eigentlichen Glocken gekostet. Das restliche Geld war für Planung und die vielen Arbeiten rundherum nötig.

Mit der alten Uhrenglocke hat die Kirche in Alt Ruppin nun fünf Glocken. Offiziell eingeweiht werden sie mit einem Festgottesdienst am 16. August. Bis dahin sind Fachleute dabei, das neue Läutwerk einzustellen. Die Glocken bekommen zusätzliche Gewicht verpasst oder große Schrauben am Klöppel werden justiert, damit alles harmonisch klingt. Bei einer falschen Einstellung könnten die Glocken mit ihrer Frequenz das umliegende Mauerwerk beschädigen.

Von Reyk Grunow

Märkische Allgemeine Zeitung, 07.07.2020
Zur Kirche
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