30.12.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Corona verzögert den Wiederaufbau der Heinsdorfer Kirche

Wenn der Heinsdorfer Günter Ukro an die Kirche in seinem Ort denkt, beschleicht ihn Ungeduld. Denn der Wiederaufbau des Gotteshauses kam wegen Corona ins Stocken. Die Träume im Förderverein sind ehrgeiziger denn je.

Wenn täglich um 17 Uhr die Glocke ihrer Kirche durchs Dorf schallt, ist das in den Ohren vieler Heinsdorfer der Klang der Heimat. 13 Jahre ist es her, dass sie dem jahrzehntelangen Schweigen der Glocke ein Ende bereiteten wollten und den Förderverein zum Wiederaufbau des zu DDR-Zeiten größtenteils abgerissenen Gotteshauses ins Leben riefen. Auch wenn sich das damalige Arbeitsmotto „Unsere Glocke soll wieder klingen“ inzwischen erfüllt hat, gibt es beim Wiederaufbau noch jede Menge tun.

Corona hat Grenzen gesetzt

Obwohl sich die derzeit gut 30 Vereinsmitglieder auch für dieses Jahr viel vorgenommen hatten, hat die Coronakrise ihrem Engagement deutliche Grenzen gesetzt. Da gemeinsame Arbeitseinsätze wegen der Kontaktbeschränkungen untersagt waren, beschränkte sich der Arbeitseifer auf wenige, meist von Einzelnen allein absolvierte Arbeitsstunden, in denen Laub geharkt, die zum Wiederaufbau gelagerten Feldsteine sortiert und morsche Zaunpfähle erneuert wurden.

Der von Glaswänden und einem gewölbtem Holzdach umfasste Innenraum ist weihnachtlich geschmückt, auch wenn fast alle Gottesdienste in diesem Jahr ausfielen.

Der von Glaswänden und einem gewölbtem Holzdach umfasste Innenraum ist weihnachtlich geschmückt, auch wenn fast alle Gottesdienste in diesem Jahr ausfielen. Quelle: Uwe Klemens

Noch vor einem Jahr hatten Vereins-Chef Günter Ukro und seine Mitstreiter deutlich größere Träume gehegt und für deren Umsetzung auch schon das benötigte Geld besorgt. So, wie nach der Instandsetzung von Kirchturm und Glockenstuhl der ursprüngliche Plan Stück für Stück erweitert wurde und inzwischen das Gotteshaus etwa zur Hälfte wieder ein Dach über dem Kopf hat, sind die Pläne inzwischen erneut gewachsen. „Nun träumen wir davon, dass auch die Mauern der anderen Hälfte instandgesetzt werden und, wie der erste Teil, eine Dachkonstruktion aus Holz und Glas bekommen“, sagt Ukro, der seit 2012 die Geschicke des von ihm mitgegründeten Fördervereins lenkt.

Etwa die Hälfte der ehemaligen Kirchenfläche ist bereits überdacht. Die andere Hälfte soll möglichst bald geschafft sein.

Etwa die Hälfte der ehemaligen Kirchenfläche ist bereits überdacht. Die andere Hälfte soll möglichst bald geschafft sein. Quelle: Uwe Klemens

Ukros Ungeduld ist groß und deshalb muss er von Vorstandsmitglied Bernd Machel immer mal wieder gezügelt werden. „Dass wir die Instandsetzung der Mauern und das Dach in einem Bauabschnitt schaffen, wie Günter sich das vorstellt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Machel. Nicht nur das dafür benötigte Geld hat der Verein noch nicht beisammen, sondern auch die Kapazitäten der Handwerksbetriebe zwingen dem Ehrgeiz des Wiederaufbaus ihre Grenzen auf.

Es gab keine staatlichen Fördermittel

Dass ihr Wirken bislang noch kein einziges Mal mit staatlichen oder EU-Fördermitteln bedacht wurde, können Ukro und Machel nicht verstehen. Die in den zurückliegenden zwölf Jahren insgesamt 240.000 verbauten Euro stammen ausschließlich aus privaten Spenden und Stiftungsgeldern. Ob die bereits zugesagten 28.000 Euro für die Mauersanierung reichen werden, kann derzeit noch niemand genau sagen. Die ersten Kostenschätzungen für das Dach belaufen sich auf weitere 85.000 Euro.

Ein Pflasterweg führt nur von der Gartenpforte bis zur Kirche und ist die einzige Baumaßnahme, die in diesem Jahr möglich war.

Ein Pflasterweg führt nur von der Gartenpforte bis zur Kirche und ist die einzige Baumaßnahme, die in diesem Jahr möglich war. Quelle: Uwe Klemens

Die einzige größere Baumaßnahme, die der Verein im Corona-Jahr 2020 umsetzen konnte, war das Anlegen eines Pflasterweges, der nun von der Pforte des Kirchgartens bis zum Eingang des Gotteshauses führt. Mehrere alte Kirchenbänke, die nach der Sanierung der Dahmer Marienkirche dort nicht gebraucht wurden, hat Machel, der in Heinsdorf eine Tischlerei betreibt, inzwischen selbst aufgearbeitet.Lesen Sie auch

Nicht nur bei den Sanierungsplänen, sondern auch bei der Nutzung der Kirche hat Corona in diesem Jahr praktisch alles verhindert. „Einen einzigen Gottesdienst gab es, aber alle Vorträge, Konzerte und sonstigen Veranstaltungen, und am Ende sogar den Weihnachtsgottesdienst, der draußen stattfinden sollte, mussten wir absagen“, berichtet Ukro, der zusammen mit seinen Mitstreitern nun auf ein besseres 2021 hofft. Trost spenden ihnen die beiden Glocken, die ohne ihr Engagement noch immer stumm wären. „Immer, wenn es soweit ist, mach ich weit die Fenster auf und genieße ihren Klang“, berichtet der 72-Jährige.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 30.12.2020
Zur Kirche
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