30.09.2019  –  Märkische Oderzeitung

Damelanger Strohkirche – Eine neue Kirche für nur einen Tag

Astrid und Peter Roubroek sowie Oliver Notzke (v.li.) planen die Strohkirche.© Foto: B. Kraemer

In Damelang steht ein Kirchenbau bevor. Für einen einzigen Tag wird der Backsteinbau aus dem Jahr 1882 Gesellschaft bekommen. Das geplante Bauprojekt findet jedoch nicht auf dem Dorfanger in der Ortsmitte statt, sondern am Dorfrand. Am Hof der Familie Roubroek wird eine Strohkirche errichtet, in der die Gemeinde am kommenden Sonntag, 6. Oktober, den Erntedankgottesdienst feiern wird.

Die Planungen laufen aktuell bereits auf Hochtouren. Der eigentliche Kirchenbau wird jedoch erst am Tag zuvor erledigt, damit bis dahin die Arbeiten auf dem Gelände der Milchviehanlage in gewohnter Routine weiterlaufen können. Willy, Peter und Astrid Roubroek freuen sich auf viele Gottesdienstbesucher und auf die Kirchenbauer aus dem Dorf, die beim schichten der Strohquader helfen werden. „Wir werden den Grundriss der Kirche nachbauen und einen Strohaltar aufbauen“, erklärt Oliver Notzke. Der 38-jährige Diplom-Kaufmann ist in Damelang aufgewachsen, absolviert seit dem vergangenen Jahr ein berufsbegleitendes Theologiestudium und ist Seelsorger der Gemeinde.

In der Strohkirche werden wiederum Bänke aufgestellt, damit die Gottesdienstbesucher auch sitzen können. Selbst für den Fall, dass das Wetter sich nicht von seiner besten Seite zeigen sollte, ist vorgesorgt. Dann wird die Idee der Strohkirche in einer der großen Hallen verwirklicht. Wie viele Strohballen letztendlich verbaut werden müssen, steht noch in den Sternen und wird sich zeigen. Vor dem damit verbundenen Aufwand fürchtet sich in der Gemeinde niemand. Vielmehr wird dem Kirchenbau und dem Erntedankgottesdienst an einem besonderen Ort mit großer Freude entgegengesehen.

Soll daraus doch, eine Tradition entstehen. Die Idee dafür entstand bereits vor einigen Monaten in einer Sitzung des Gemeindekirchenrates Golzow-Planebruch, in der über Möglichkeiten sich besser zu begegnen und einander kennen zu lernen nachgedacht wurde. Oliver Notzke erklärt diesbezüglich, dass die Kirchengemeinde viele ihrer Land- und Ackerflächen an regionale Agrarunternehmen verpachtet hat. „Wir wollen mit diesen Partnern näher zusammenrücken und jedes Jahr auf einem anderen Hof das Erntedankfest feiern. Wir gehen bewusst raus aus der Kirche und hin zu denjenigen, die die Äcker bestellen und damit auch für unser tägliches Brot sorgen“, so der 38-Jährige.

Den Auftakt bildet nunmehr der Erntedankgottesdienst auf dem Hof der Roubroeks. Im Vorfeld werden die Kinder der Christenlehre im Dorf Erntedankgaben einsammeln, die nach dem Gottesdienst, dem Luise-Henrietten-Stift in Lehnin und dem Hospital zum Heiligen Geist in Bad Belzig zur Verfügung gestellt werden. Den Gottesdienst werden die sie mit den  ehemaligen Konfirmanden aktiv mitgestalten.

Im Anschluss kann der Hof erkundet, können Kühe und Kälbchen bestaunt werden. „Damit die Kinder erfahren, wo die Milch herkommt“, sagt Astrid Roubroek und ergänzt, dass für die Jüngsten außerdem eine Strohpyramide zum austoben aufgebaut wird. Zur Erinnerung an den ersten Erntedankgottesdienst außerhalb der Dorfkirche soll außerdem ein Baum gepflanzt werden. Mitten im Fontane-Jahr hat sich Oliver Notzke für einen Birnenbaum entschieden. Der Pflanzplatz ist gemeinsam mit den Roubroeks bereits ausgesucht. Der Erntedankgottesdienst in der Strohkirche auf dem Hof der Roubroek GbR beginnt am 6. Oktober um 10.00 Uhr. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Märkische Oderzeitung, 30.09.2019
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