21.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Darsikow – Von der Natur inspiriert

Begeistert: Gerda Steinberg und Ingrid Kienbaum ließen sich von Hans-Peter Jacobsen seine Bilder nahe bringen. © Foto: Ulrike Gawande
Der Lindenbaum: Dieses Kalender-Werk schuf Jacobsen 2017. Es steht vor der Kirche. 2018 schuf er eine Sonnenuhr aus Eichenholz. © Foto: Ulrike Gawande
Der Rosenbusch: Inspiration für dieses Aquarell, das 2018 in Darsikow entstand, war ein gleichnamiges Gedicht von Hermann Claudius. © Foto: Ulrike Gawande

Ulrike Gawande / 21.05.2020, 19:49 Uhr Darsikow (MOZ) Frischer Flieder in lila und weiß stand am Himmelfahrtsmorgen vor der Tür der Waldkirche in Darsikow. Die Sonne schien und die Mitglieder des Vereins Kleine Kirche Darsikow, die im vergangenen Jahr ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert hatte, wuselten hin und her, um für die Besucher der Ausstellungseröffnung „Was blüht denn da“ alles vorzubereiten. So wurden Decken auf den Sitzbänken verteilt, Kaffee gekocht und der frisch gebackene Kuchen geschnitten.

Und wirklich rollte bereits gegen kurz nach 10 Uhr das erste Auto mit den Neuruppinerinnen Ingrid Kienbaum und Gerda Steinburg auf den Hof. Sie hatten in der Zeitung von der Ausstellung mit den Bildern von Dr. Hans-Peter Jacobsen gelesen. Von ihm ließen sie sich dann nicht nur seine Aquarelle zeigen, sondern auch die historische Kirche von 1832. „Diese Farben, ich bin begeistert“, schwärmte Ingrid Kienbaum von den Bildern von Jacobsen, der für seine bereits dritte Ausstellung in der Darsikower Kirche dieses Mal Blumenmotive gewählt hatte. Zuvor widmete sich eine Ausstellung dem Lindenbaum und eine andere den Wasserwelten.

13 Aquarelle mit Blumen

Betrachtet man seine in zarten Farben gehaltenen Bilder genau – 13 hat er für die Ausstellung ausgewählt – fällt besonders die biologische Genauigkeit der Pflanzen auf. So hat der 76-Jährige wilde Akelei gemalt und nicht die Zuchtvarianten, die in vielen Gärten stehen. Jacobsen, der aus Neuruppin kommt und seit 1987 in Wahlendorf lebt, ist studierter Meeresbiologe. Seine Diplomarbeit widmete er den Fischparasiten in der Ostsee. Seine Doktorarbeit schrieb er hingegen in Biologiedidaktik. Ein Wegweiser, denn nach der Hochschulreform wurde er von der Forschung abgezogen und als Lehrer verpflichtet. Sein erster Einsatzort war die Schule in Walsleben.

Später baute er in Neuruppin die Station für junge Techniker und Naturforscher mit auf. Danach gründete er die Schülergesellschaft  „Natur und Umwelt“. Dort, wo sich heute eine Försterei in Sankt Jürgen befindet, war früher eine Naturschutzstation mit zwölf Betten, in der Jacobsen mit seinen Schützlingen zu Wanderungen und Bootstouren in die umliegende Natur aufbrach. „Das habe ich über 20 Jahre hinweg gemacht“, ist der Rentner stolz. Denn viele seiner Schüler zogen in die Welt und ergriffen naturwissenschaftliche Berufe – wie Axel Kruschat, der heute Geschäftsführer der Naturschutzbundes in Brandenburg ist.

Nach der Wende war Dr. Hans-Peter Jacobsen dann Autor und Projektleiter eines Bundesmodellversuchs – dem ersten in den neuen Bundesländern, bei dem Lehrer gemeinsam mit ihren Schülern, unter anderem in der Umweltbegegnungsstätte Zippelsförde, die Themen Umweltlernen, Lernwelten und Weltlernen nahe gebracht wurden. „Wir haben gekocht, gebacken, gebaut, gebastelt, Theater gespielt und die Natur erkundet“, erinnert sich der Wahlendorfer an die unterschiedlichen Projekte.

Doch in all den Jahren hat ihn ebenso die Malerei begleitet. Lediglich während des Studiums habe er dafür keine Zeit gehabt, blickt der 76-Jährige zurück. Zu DDR-Zeiten waren seine Werke auch im Neuruppiner Museum oder später in Wustrau zu sehen. Gemalt hat er stets Aquarelle. Diese seien Faszination in Papier, da das Licht aus dem Papier komme. „Ich male, wenn mich etwas ansieht“, sagt Jacobsen über seine Motivwahl. Das können auch Felshaufen sein, sogenannte Lesesteine, die er in ein farbenprächtiges Licht taucht. Oder er setzt den Hollerbusch mit seiner uralten Geschichte in Szene.

Bei seinen Ausflügen in die Natur hat er stets seinen Skizzenblock dabei. Aber der pensionierte Lehrer stellt sich auch einmal drei Stängel Akelei auf den Küchentisch, um sie für die Ewigkeit festzuhalten. Die Kirche in Darsikow gefällt ihm als Ausstellungsort besonders gut, weil einerseits die Zahl der Bilder überschaubar sowie andererseits das Licht zu jeder Tageszeit schön sei. „Die Nischen sind wie für die Bilder gemacht“, freut er sich.

Märkische Oderzeitung, 21.05.2020
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