05.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Das reiche Schaffen des Gerhard Henschel in Rathenow

Gerhard Henschel und die Sankt-Marien-Andreas-Kirche: das gehört zusammen. Nun wurde eine Ausstellung mit Werken von Henschel in der Kirche eröffnet. Diese zeigt, wie umfangreich sein Schaffen inzwischen ist.

Heide Henschel sprach im Namen der Familie über den nicht anwesenden Gerhard Henschel. Quelle: Uwe Hoffmann

An ihrem Stil, ihrer Form und Farbe, erkennt man viele der Bilder Gerhard Henschels. Der bildende Künstler, seit 1976 freischaffend, beschäftigte sich mit verschiedenen Techniken, wie Malerei, Grafik und plastischer Gestaltung. Am Sonntag wurde in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche die Ausstellung „Form und Farbe“ mit knapp 40 seiner Bilder in Misch-, Aquarelltechnik und Öl eröffnet. Die Bilder zeigen abstrakte Motive, einige Ansichten Rathenows, wie am Alten Hafen – die ebenfalls seine typischen abstrakten Elemente aufweisen, wenige Naturlandschaften, ein Bildnis Dunckers und ein Selbstporträt als Foto in einer Collage.

Eine Ausstellung mit Werken von Gerhard Henschel ist zurzeit in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche zu sehen. Der Künstler selbst konnte nicht mehr anwesend sein. Zahlreiche Interessierte würdigten die Arbeit von Gerhard Henschel.

„Es ist ein großes Werk, das wir mit dieser Ausstellung würdigen wollen. So erleben wir Gerhard Henschel hier in Sankt-Marien-Andreas zweifach: Durch die durch ihn 1996 bis 2000 gestalteten Fenster im Chorraum und seine Bilder in der Ausstellung“, so Pfarrer Andreas Buchholz. Und weiter: „Gerhard Henschel hat es verstanden, mit seinen Farben Licht ins Lebens, Licht in die Seele zu bringen.“

Immer mehr zurückgezogen

Zur Vernissage kamen auch Gerhard Henschels Kinder Martin Henschelaus Potsdam und Heide Henschel aus Berlin mit ihren Familien. „Unser Vater hat sich schon in den letzten 13 Jahren immer mehr aus der Öffentlichkeit und von den Menschen zurückgezogen. So war es ein guter Moment, als im August 2014 kurzfristig eine Ausstellung seiner Bilder im Torhaus zustande kam – ohne damals zu wissen, das dies seine letzte Ausstellung war, zu der er selbst anwesend sein konnte“, so Heide Henschel bewegt. 

Jetzt im Pflegeheim

„Die Diagnose Demenz, die ihm im Februar 2016 gestellt wurde, traf uns alle sehr hart“, so Heide Henschel weiter. „Im Sommer 2017 zeichnete sich ab, das er mehr Hilfe benötigt, als ihm daheim gewährleistet werden konnte und so bezog er im Dezember 2017 ein Zimmer im Pflegeheim auf Herrmannswerder in Potsdam, wo er sich gut eingelebt hat.“

Gerhard Henschels (li.) bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte als Künstler zusammen mit Amkelina Kegel und dem inzwischen verstorbenen Maler Helmut Neitzel. Quelle: Uwe Hoffmann

Nach Auflösung seiner Wohnung und seines Ateliers wurde den Kindern erst richtig klar, wie umfangreich das künstlerische Werk ihres Vaters ist. Da die Kirchengemeinde nun so schnell einen Ausstellungstermin anbot, den die Kinder dankend annahmen, kann dieses reiche Schaffen in weiteren Ausstellungen gezeigt werden, wie seine Familien hofft. Gern hätte wieder das Torhaus diese Ausstellung gezeigt, aber die Gemeinde hat anders entschieden.

Gläubig und belesen

Ganz persönliche Worte fand Amkelina Kegel, seit 50 Jahren eine gute Freundin Gerhard Henschels: „Er war eine wichtige Person in unserer Gemeinde, weil er sehr belesen, sehr gläubig und sehr suchend war. Er hatte immer neue und überraschende Gedanken, die er mit Beharrlichkeit verfolgte. Er hat uns inspiriert und angestiftet, etwas zu tun, uns zu bewegen.“ So setzte sich Gerhard Henschel immer wieder auch künstlerisch mit Glauben und Religion auseinander.

Wichtig: die Hoffnung

Die Bilder sollten ein Bollwerk gegen die Gleichgültigkeit, die Müdigkeit des Lebens, die monotonen Wiederholungen und Mutlosigkeit sein. In diesem Sinne sagte es Gerhard Henschel einmal zu einer Ausstellungseröffnung. „Bilder sind für mich Wege des Verstehens, Glaubens und Hoffens. Das Wichtigste, was wir unseren Nachkommen zu übergeben haben: Hoffnung.“

Pfarrer Andreas Buchholz eröffnete die Ausstellung. Quelle: Uwe Hoffmann

Zur Ausstellungseröffnung spielten die langjährige ehemalige Kantorin Hanna Seefeld (Piano) und Annette Lapschies (Violine). Auch das Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ erklang – gemeinsam mit den knapp 50 Ausstellungsbesuchern gesungen, weil Henschel Taizé-Lieder gern im Chor der Gemeinde sang.

Viele Werke

Gerhard Henschel gestaltete, in seinem unverkennbaren Stil, unter anderem auch die Gemälde in der Luther-Kirche hinter dem Altartisch und im Saal der Musikschule in der Alten Mühle.

Gerhard Henschels Bilder werden in der Verkaufsausstellung „Form und Farbe“ noch bis zum 29. September gezeigt.

Von Uwe Hoffmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 05.08.2019
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