20.01.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Das sagt Pfarrerin Christiane Moldenhauer über ihr erstes Jahr in Bad Belzig

Ein Jahr ist es her, dass Christiane Moldenhauer ihre Stelle als Pfarrerin im Entsendungsdienst in Bad Belzig angetreten hat. Im Interview wirft sie einen Blick zurück – und auch nach vorn.

Christiane Moldenhauer ist für zwei Jahre Pfarrerin im Entsendungsdienst in Bad Belzig. Im Interview mit der MAZ blickt sie auf ihr erstes Jahr im Hohen Fläming zurück.

Frau Moldenhauer, wie würden Sie das vergangene Jahr in einem Satz zusammenfassen?

Christiane Moldenhauer: Für mich war das ein Neuanfang auf ganz vielen Ebenen. Ich habe viele offene Türen hier erlebt – für meine Arbeit als Pfarrerin in der Gemeinde, aber auch persönlich bin ich hier ganz gut angekommen.

Was hat das Ankommen so angenehm gemacht?

Die Menschen haben mir gezeigt, dass sie sich freuen, dass ich da bin. Dass überhaupt wieder eine Pfarrerin da ist. Sie haben den Kontakt gesucht, mich eingeladen, mir positive Rückmeldungen gegeben für meine Arbeit. Angenehm war auch, dass Menschen immer mal gefragt haben, wie es mir persönlich hier geht und ob ich mich gut eingelebt habe.

War vielleicht auch das kleinstädtische Umfeld dabei hilfreich?

Nach meiner Erfahrung hilft das tatsächlich, ja. Weil man einfach schnell Menschen kennen lernt. Und es hilft auch meine Rolle als Pfarrerin, weil natürlich die Leute den Kontakt zu mir suchen und ich durch meine Arbeit viele Kontaktmöglichkeiten habe.

Studium in Greifswald, Tübingen und Berlin

Christiane Moldenhauer hat Theologie in Greifswald, Tübingen und Berlinstudiert.

Anschließend nahm sie eine Projektstelle in der missionarischen Arbeit mit Studierenden in Marburg an.

Später zog es sie zurück nach Greifswald. Für sieben Jahre arbeitete sie an der Theologischen Fakultät und unterrichtete unter anderem im Fach Praktische Theologie.

Ihre letzte Station war die Berliner Stadtmission, wo sie als Vikarin tätig war.

An welche Begebenheiten aus Ihrem ersten Jahr im Hohen Flämingkönnen Sie sich noch besonders gut erinnern?

Ich fand zum Beispiel den Neujahrsempfang der Stadt und auch die erste Begegnung mit unserem Bürgermeister und seinem Team total schön. Ebenso mit manchen Ortsvorstehern in den Dörfern. Zu merken, die Stadt Bad Belzig freut sich auch und es ist eine wichtige Verbindung zwischen Stadt und Kirchengemeinde. In der Gemeinde selber war natürlich mein Vorstellungsgottesdienst etwas Besonderes, wo ich viel Interesse, viel Neugier erlebt habe. Besondere Anlässe sind zudem kirchliche Feiertage und diese zum ersten Mal an einem neuen Ort zu gestalten.

Ein Wunsch der Gemeinde lautete, die Gottesdiensteweiterzuentwickeln – zum Beispiel Abendgottesdienste zu veranstalten und generell andere Formen zu finden, andere Zeiten. Wie hat sich das entwickelt?

Bei dem Thema haben wir schon Einiges geschafft. Es gab im letzten Jahr ein Mal im Monat in der Sommerzeit einen Abendgottesdienst zu einer anderen Uhrzeit und in einer etwas anderen Form. Das hat guten Zuspruch gefunden und ich habe erlebt, dass Menschen diese Gottesdienste besucht haben, die sonst nicht so regelmäßig dabei sind. Es ist wichtig zu fragen: Was möchte die Gemeinde? Ich möchte, dass wir da gemeinsam schauen, welchen Weg wir gehen wollen.

Können Sie da einen konkreten Anknüpfungspunkt nennen?

Ein großes Thema dabei ist zum Beispiel, wie wir noch familienfreundlicher sein können. Das braucht Zeit. Aber mit kleinen Schritten lässt sich die Atmosphäre verändern. Ich bin da ganz zufrieden und denke, wir haben manches angestoßen. Ich bin auch sicher, dass es an der Stelle weitergehen wird.

Mehrere Generationen vertreten

Wie kann man sich das mit der Familienfreundlichkeit genau vorstellen – bezieht sich das auch darauf, dass Kinder früher an die Kirche herangeführt werden?

Wir haben ein Mal im Monat ein besonderes Gottesdienstformat, das heißt Familienkirche. Da ist der Gottesdienst kürzer und in einfacherer Form. Anschließend gibt es einen Brunch. Das Ziel ist, dieses Format für viele Generationen ansprechend zu machen. Die Familienkirche war gar nicht mein Impuls, sie wird von unserer Gemeindepädagogin Christina Zesche geleitet. Und für die anderen Gottesdienste am Sonntag wäre zum Beispiel wichtig, dass sich Kinder auch während des Gottesdienstes mal zum Spielen zurückziehen können. Ich möchte das Signal geben, dass es gar nicht schlimm ist, wenn ein Kind mal lacht oder weint oder Geräusche macht – das gehört dazu und das darf auch im Gottesdienst sein.

Wie ist denn generell die Altersstruktur in Bad Belzig und Umgebung in den Gottesdiensten?

Es ist durchaus gemischt und mehrere Generationen sind vertreten. Insgesamt würde ich mir aber wünschen, dass sich noch mehr Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene in unseren Gottesdienstenwohlfühlen. Die tauchen weniger auf – und ich kann das auch ein Stück verstehen, dass sie sagen: In der Form ist das für sie nicht ansprechend.

Wie könnte man hier eventuell Abhilfe schaffen?

Man müsste da wohl zum Beispiel noch mal über die Uhrzeit nachdenken. Aber ich merke, dass Jüngere bei den Abendgottesdiensten eher mal einen Versuch machen, als am Sonntagmorgen.

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Sie sagten bei unserem ersten Gespräch, dass die Dörfer und die Stadt jeweils andere Bedürfnisse hätten und sich gegenseitig ergänzen sollten. Haben Sie in dem Jahr schon erspüren können, was das Dorf braucht und was die Stadt?

Ich glaube, dass sie eigentlich ähnliche Dinge brauchen. Die Frage ist an beiden Orten: Wie können wir als Kirchengemeinde Menschen in ihrem persönlichen Leben begleiten? Und wie können wir uns als Kirchengemeinde in das öffentliche Leben vor Ort einbringen? Die Menschen auf den Dörfern sind natürlich viel stärker damit konfrontiert, dass es viele Angebote vor Ort nicht mehr so regelmäßig gibt – und das betrifft auch den Gottesdienst.

Inwiefern?

Wir feiern dort zu besonderen Anlässen, zu besonderen Festen. Ich glaube, das ist auch angemessen. Aber ich erlebe natürlich, dass es auch Enttäuschungen hervorruft, wenn unsere vielen Dorfkirchen nur noch selten mit dem vollen Leben erfüllt werden können. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht dabei stehen bleiben, sondern nach vorn schauen und das Beste daraus machen.

Was haben Sie sich für Ihr zweites Jahr in der Region vorgenommen, wo liegen noch Herausforderungen?

Ein großes Thema ist im Moment eine energetische Sanierung der Marienkirche. Da laufen gerade sehr konkrete Vorbereitungen. Und die Arbeit mit Kindern und Familien möchte ich, solange ich hier bin, wirklich gerne mit voranbringen. Für die Gemeinde selber ist mein Eindruck, dass, nach sehr viel Unruhe und wenig Kontinuität in den letzten Jahren, eine ruhige Phase nötig ist, eine gewisse Erholungszeit und Neuorientierung.

Momentan der richtige Ort

Sie haben damals gesagt, die zwei Jahre Entsendungsdienst seien eine Chance für beide Seiten, um zu prüfen, ob es passt. Was sagen Sie nach einem Jahr – passt es?

Im Moment ja, das kann ich von meiner Seite so deutlich sagen. Ich fühle mich hier wohl – auf der Stelle und auch an dem Ort. Ich habe auch das Gefühl, ich kann mich hier gut einbringen. Man weiß natürlich nie, was noch im nächsten Jahr passiert, aber im Moment ist das für mich der richtige Ort.

Am Ende Ihrer zwei Jahre erscheint wieder ein Artikel. Welche Überschrift soll er haben?

Ich wünsche mir eigentlich, dass das, was ich jetzt empfinde, dann auch noch gilt. Dass ich für die Zeit, für die ich hier bin, merke: Das ist der richtige Ort für mich. Und ob das eine kürzere oder eine längere Zeit ist, das ist dabei fast egal.

Von Josephine Mühln

Märkische Allgemeine Zeitung, 20.01.2020
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