17.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Der schiefe Turm von Buchholz leuchtet bald in Rosa

Die Buchholzer Dorfkirche wird einer umfassenden Frischzellenkur unterzogen. Mit der Sanierung kehren auch historische Elemente zurück, die verloren gegangen waren. Und auch der Farbton vom schiefen Turm von Buchholz wird bald ein anderer sein.

An der eingerüsteten Kirche: Lutz Pahl (l.) vom Gemeindekirchenrat und Architekt Chris Rappaport, der sich um die Sanierung kümmert. Quelle: Jens Steglich

Die Buchholzer Dorfkirche, deren Turm sich leicht zur Seite neigt und im Volksmund deshalb auch der schiefe Turm von Buchholz heißt, wird einer umfassenden Frischekur unterzogen. Fassade und Dach werden saniert. Sowohl das Turmdach als auch das Dach des Kirchenschiffes werden mit sogenannten Biberziegeln neu eingedeckt. Und an der Außenfassade rekonstruieren die Sanierer historische Elemente, die 1981, als das Gotteshaus neu verputzt wurde, verloren gingen. Die Rückholung dieser Elemente, die im Fachjargon Faschen, Lisenen, Trauf- oder Gurtgesims genannt werden, war ein ausdrücklicher Wunsch der Buchholzer Kirchengemeinde, dem die Denkmalbehörde dann zugestimmt hat, sagt der Groß-Kreutzer Architekt Chris Rappaport. Als Vorbild für die Rekonstruktion dient ein altes Foto von der Dorfkirche, auf dem die Elemente noch deutlich sichtbar sind. Das Bild dürfte aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts stammen, vermutet der Architekt.

Das historische Bild der Kirche dient als Vorbild für die Sanierung. Quelle: privat

Auf dem Schwarz-Weiß-Foto ist freilich nicht zu sehen, welchen Farbton die Fassade damals hatte. Bei der Untersuchung des Gotteshauses sind aber Rosa-Farbtöne an Putzstücken gefunden worden, so Rappaport. Ein Indiz dafür, dass die Buchholzer Dorfkircheirgendwann einmal eine Rosa-Fassade hatte. Genau diesen Farbton soll sie nun auch wieder bekommen. „Es wird so ähnlich aussehen wie die Kirche in Reesdorf“, sagt Lutz Pahl von der Buchholzer Kirchengemeinde.

Bohrprobe zeigt: Kirche wurde 1733 erbaut

Eine Bohrprobe im Dachgebälk hat wiederum ergeben, dass die Kirche etwa um 1733 erbaut worden war. „Das wissen wir erst jetzt genau“, sagt der Architekt. Erkennbar ist das an den Jahresringen der Bäume, die beim Bau verwendet wurden. In der Fassade wurden aber auch so genannte Raseneisensteine entdeckt, die noch älter sein könnten, sagt Rappaport, der die Sanierung betreut. Die Kirche dürfte einen Vorgängerbau gehabt haben, vermutet er.

Das Gebälk ist marode. Quelle: privat

Die Sanierung hat im August begonnen. „Wir wollen im November fertig werden. Im Moment sind aber mit der Denkmalbehörde noch viele Details abzusprechen. Es könnte sich ein bisschen in den Winter hinein verschieben“, so der Architekt. Die Kosten fürs Vorhaben beziffert er auf rund 250 000 Euro. Die Buchholzer hatten auch ein wenig Glück, dass sie auch gut 100 000 Euro staatliche Gelder aus dem Staatskirchenvertrag für ihr Gotteshaus erhalten. 60 000 Euro aus Eigenmitteln steuert der Kirchenkreis bei. Geld gibt es außerdem noch von der Landeskirche, von der Sparkassenstiftung und von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler. Auch die Untere Denkmalschutzbehörde und der Förderkreis Alte Kirchen stellen Mittel zur Verfügung. „Letzter Stand ist, dass wir mit den Fördermitteln auf insgesamt 231 000 Euro kommen“, so Rappaport.

50 Prozent der Dorfbewohner sind Kirchenmitglieder

Um die Differenz von 19 000 Euro auszugleichen, sieht der Architekt zwei Wege: Bei der Sanierung sparen oder Geld über Spenden einwerben. Lutz Pahl favorisiert klar die zweite Variante. Er will mit Pfarrer Clemens Bloedhorn von Haus zu Haus gehen und um Spenden bitten. „Möglich wäre auch, die neuen Dachziegel an Spender zu vergeben. Sie bekommen dann eine Urkunde und eine Spendenquittung für ihre Zahlung“, sagt Pahl und fügt hinzu: „Wir sollten die Chance jetzt, wo das Gerüst steht, nutzen, um das Geplante zu realisieren. Diese Chance kommt so schnell nicht wieder.“

Ein Argument für die recht zügige Bereitstellung von Fördermitteln war übrigens, dass Buchholz – der kleine Beelitzer Ortsteil – einen hohen Anteil an Kirchenmitgliedern hat. 50 Prozent der Dorfbewohner sind Mitglied der Kirche – für den Osten der Republik ein hoher Wert. „Auch die, die nicht in der Kirche sind, sind motiviert, etwas für die Kirche zu tun. Das merkt man etwa bei Putzaktionen, wenn viele mit anpacken. Es gibt eine hohe Identifikation mit der Dorfkirche“, sagt er.

Dass das Wahrzeichen von Buchholz Hilfe braucht, fiel vor ein paar Jahren auf. Erst fiel ein Holzstück vom Turm. Beim genauen Hinschauen wurden dann weitere Schäden am Fachwerk des Turms sichtbar und ein Gutachten brachte später an den Tag, dass noch einiges mehr an der Dorfkirche zu tun ist.

Entwarnung: Der schiefe Turm wird nicht mehr schiefer

Nach der Sanierung wird sie wieder intakt sein. Der schiefe Turm, der sich leicht zur Seite neigt, ist dabei keine Gefahr. Ein Gutachten hat gezeigt: Der Turm neigt sich nicht weiter. Schiefer wird er nicht mehr. Warum aber ist der Kirchturm überhaupt schief? „Die Fundamente standen zu unterschiedlichen Zeiten mal im Grundwasser und mal nicht“, erklärt Rappaport. Die Fünf-Grad-Neigung können Autofahrer sehen, die aus Richtung Treuenbrietzen kommen und vor den Toren von Buchholz sich den Kirchturm genauer ansehen.

Der Turm bekommt auch eine neue Turmkugel. Lutz Pahl will außerdem darum kämpfen, dass im Turm Fledermauskästen und Nistkästen für Mauersegler untergebracht werden. Was auch noch auf der Wunschliste steht: Die Erneuerung der Turmuhr. Momentan ist es eine mechanische Uhr. Pahl hat die beiden jungen Buchholzer Paul und Louis dafür gewinnen können, die Uhr regelmäßig aufzuziehen. Einmal in der Woche gehen sie zur Kirche und tun genau das. Während der Bauzeit steht die Turmuhr allerdings still. Eine digitale Uhr mit neuem Ziffernblatt und neuen Zeigern müsste nicht mehr wöchentlich aufgezogen werden. „Mein Wunsch wäre es, wenn sich die Stadt Beelitzfür eine neue Turmuhr engagiert“, so Pahl. „Es wäre doch ein schöner Slogan, wenn die Stadt uns die neue Zeit schenkt“, sagt er.

Von Jens Steglich

Märkische Allgemeine Zeitung, 17.09.2019
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