18.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Deshalb ist die Kirche im Wusterhausener Dorf Tornow jetzt mit einem Notdach versehen

Das Gotteshaus im Wusterhausener Ortsteil Tornow hat gerade die Handwerker, die aber momentan nicht arbeiten dürfen. Für den Baustopp gibt es gleich zwei Gründe.

Die Tornower haben kürzlich für ihr Kirchlein neben dem Gutsgelände ein Art Maxi-Zelt bekommen. Den Aufbau übernahmen Männer der Firma von Andreas Kolterjahn aus dem nahen Dessow. Sie schützen mit dem Notdach das Gotteshaus, denn darunter ist es nackt, was wiederum damit zu tun hat, dass gleich nach Ostern wichtige Arbeiten in diesem Wusterhausener Dorf in Gang gekommen waren. Dabei musste als erstes der Dachstuhl erneuert werden. Das alte Holz war morsch. Bis auf drei Sparren im alten Glockenstuhl ist der Austausch erledigt. Und auch die werden wohl noch weichen müssen.

Denkmalschutzbehörde und Mehrkosten stoppten die Arbeiten

Im Moment allerdings tut sich nichts am Bau. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen hat die Untere Denkmalschutzbehörde eine Unterbrechung der Arbeiten angeordnet. Zum anderen ist die Kasse leer.

Der unerwartete Mehraufwand am Holz für die Dachkonstruktion erweist sich als zu groß für die vorhandenen Finanzen. Zusammen gekommen waren 36 000 Euro durch Sammlungen der Kirchengänger und Sympathisanten (27 000 Euro), Spenden (5000 Euro) und einen Zuschuss der Gemeinde Wusterhausen (4000 Euro). Letztere ist die Eigentümerin dieses Gotteshauses.

Blick von der Empore auf den Altar. Dort können sich Paare kirchlich trauen lassen. Quelle: Wolfgang Hörmann

Gerhard Ganswindt, in Tornow fest verwurzelt, mahnte in der Vergangenheit immer wieder, das Kleinod aus dem Jahre 1828 zu erhalten. Er brachte das Thema nun bei der Sitzung der Wusterhausener Gemeindevertreter am 13. Mai zur Sprache. Ganswindt ist dort mit CDU-Mandat vertreten.

Der ehemalige langjährige Geschäftsführer der Hoch-, Tief- und Kulturbau GmbH Wusterhausen hat ehrenamtlich die Baubetreuung in Tornow übernommen. Dabei etwas im Vorfeld der Dachsanierung übersehen zu haben, dessen ist sich der Ingenieur nicht bewusst. „Die Genehmigung liegt vor, auch mit dem Stempel der Unteren Denkmalschutzbehörde, die allerdings jetzt bemängelt, dass ihre Zustimmung lediglich für die Eindeckung mit Biberschwänzen gedacht war. Wie das ohne einen intakten Unterbau mit Pfetten und Sparren gehen soll, ist mir schleierhaft“, sagt Gerhard Ganswindt.

Finanzproblem Thema bei Vor-Ort-Termin

Klärung erwartet er von einem Vor-Ort-Termin am Dienstag in dieser Woche. An dem sollen auch der für Tornow zuständige Pfarrer, Vertreter der Wusterhausener Gemeindeverwaltung und des Gutes teilnehmen.

Bleibt als Nächstes, das finanzielle Problem zu klären: Errechnete 16 000 Euro fehlen für das Fertigbauen.

Es wird wohl auf einen Antrag auf Fördermittel hinauslaufen. „Bis der positiv beschieden ist, kann es dauern“, befürchtet der Baubetreuer. „Diese Zeit haben wir nicht. Vielleicht kann ja die Gemeinde das Geld vorstrecken.“ Dass ihr die Kirche gehört, hat mit Festlegungen im Zusammenhang mit der Bodenreform vor 75 Jahren zu tun.

Von Wolfgang Hörmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.05.2020