03.01.2021  –  Lausitzer Rundschau

Deutschlands bester Orgelbauer hat in Bad Liebenwerda gelernt

Damian Schütze aus Thalberg hat den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks als Bundessieger beendet. Kein junger Orgel- und Harmoniumbauer ist besser als er. Und er kann noch mehr.

03. Januar 2021, 16:06 Uhr• Bad Liebenwerda
Von Manfred Feller

Der Wahl-Thalberger Damian Schütze ist Deutschlands bester Orgel- und Harmoniumbauer. Er hat den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks gewonnen. Sein Ausbildungsbetrieb war der Mitteldeutsche Orgelbau A. Voigt GmbH in Bad Liebenwerda. Das ist heute auch sein Arbeitgeber. © Foto: Foto: Handwerkskammer Cottbus/VRS

Besser geht fast nicht: Damian Schütze aus Thalberg hat seine Gesellenprüfung zum Orgel- und Harmoniumbauer mit 298 von 300 möglichen Punkten abgeschlossen. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung im Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt GmbH Bad Liebenwerda und seit Februar 2020 dort Geselle hat er damit auch den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks in seinem Beruf gewonnen. Er ist 1. Bundessieger geworden.Eigentlich wird für die Bestenermittlung ein Wettbewerb organisiert. Doch Corona hatte dies verhindert. Deshalb war die Gesellenprüfung die Grundlage. Je Ausbildungsjahr gibt es durchschnittlich zwei Lehrklassen für ganz Deutschland. Die Theorie wird in Ludwigsburg vermittelt.

Damian Schütze überzeugt mit Präzisionsarbeit beim Gesellenstück

Für die Gesellenprüfung hat Damian Schütze in akribischer Handarbeit einen Einfalten-Magazinbalg aus Holz und Leder gefertigt. Während das Gebläse in einer Orgel die erforderliche Luft für die Pfeifen liefert, hält der Balg den Luftdruck immer konstant. Dies sei für die Stimmung einer Orgel sehr wichtig. Bei zu wenig Wind klingen die Töne tiefer.Sein Gesellenstück hat er nicht für die Vitrine gefertigt. Es ist bereits in der Orgel in Wiederau verbaut. Dieses große Instrument wird derzeit restauriert. Das ist das Gesellenstück von Damian Schütze - ein Einfalten-Magazinbalg, aus Holz und Leder gefertigt. Das ist das Gesellenstück von Damian Schütze – ein Einfalten-Magazinbalg, aus Holz und Leder gefertigt.
© Foto: Foto: Damian Schütze Der berufliche Weg von Damian Schütze war beinahe vorgezeichnet. „Mein Vater ist Fagottist in einem Orchester“, sagt der 23-Jährige. Ziemlich früh habe er ein Keyboard geschenkt bekommen. Doch das war nicht das richtige Instrument. Ab dem 6. Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht. 13 Jahre lang. Es folgte wie so oft das Schlüsselerlebnis. „Mein Vater spielte in der Kirche Orgel. Ich war damals 14 oder 15 Jahre alt und ging mit. Der Pfarrer fragte mich, ob ich mein Taschengeld mit dem Orgelspiel bei Gottesdiensten aufbessern möchte. Es gab 20 Euro“, so Damian Schütze. Er sagte zu. Denn Geld könne man als junger Mensch immer gebrauchen.

Damian Schütze steigt vom Klavier auf die Orgel um

„Die Umstellung vom Klavier auf die Orgel war schon groß, schon wegen des Spiels mit den Füßen. Das ist ganz anders. Aber das Klavier war eine gute Basis“, blickt er zurück. Noch heute spielt er als Organist Orgeln in Merseburg und Bad Dürrenberg. Er stammt nämlich aus der Nähe von Bad Dürrenberg. Dorthin pendelt er an den Wochenenden. Er ist also Wahl-Thalberger.Da er nicht studieren wollte, wie er sagt, beendete er seine Schulzeit nach der 11. Klasse. Er absolvierte ein Praktikum bei einem Klavierbauer. Das war überhaupt nicht sein Ding, gesteht er und merkt an: „Das sind Fabrikfirmen. Man arbeitet den ganzen Tag nur an einer Sache. Dabei fehlt mir die Abwechslung. Die Orgel dagegen gibt es nicht zweimal.“

Für Damian Schütze stimmt in Bad Liebenwerda das Gesamtpaket

Daraufhin bewarb er sich bei mehreren Orgelbauern und nahm die erste Zusage aus Bad Liebenwerda sofort an. Die drei Probetage in der Werkstatt und in der Orgelakademie hätten ihn als Gesamtpaket schließlich überzeugt.

Das ist mittlerweile mehr als vier Jahre her. Auch sein Ausbildungsbetrieb war und ist zufrieden. Schließlich brachte Damian Schütze durch sein Orgelspiel die musikalische Seite gleich mit. Denn das Bauen sei nur die eine Seite. Das Instrument müsse am Ende auch perfekt klingen. Beim Stimmen der Orgel, das nach Gehör oder mit dem Stimmgerät erfolgen kann, zeigt der Geselle besonderes Talent.

Durch Können krönt Damian Schütze die Ausbildung

Sein Chef ist voll des Lobes. „Damian Schütze besitzt ein großes Engagement und beschäftigt sich mit dem Instrument Orgel auch außerhalb der Arbeitszeit. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Ausbildung mit so einem Ergebnis zu krönen“, sagt Dr. Markus Voigt, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt GmbH in Bad Liebenwerda.Das spannende, aber auch anstrengende an dem Beruf sei, dass die Arbeitsorte wechseln. Das jüngste große Projekt war die Restaurierung und Modernisierung der Orgel in der Nathanaelkirche in Leipzig-Lindenau.In Berlin-Biesdorf ist die Voigt-Orgel aus den Jahren 1984/85 neben der Wartung hin zu einer anderen, dem Zeitgeschmack folgenden Klangfarbe umgebaut worden. Sie habe jetzt weniger Hochtöne, so Damian Schütze. Andere Projekte waren oder sind unter anderem in Essen, Hanau, Oßmaritz und Cottbus.Seine Berufsentscheidung hat der 23-Jährige nicht bereut. „Es wird nie langweilig, weil ich das Handwerkliche und das Musikalische gut verbinden kann. Es warten immer neue Herausforderungen auf mich“, sagt er.

Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021

Nach der Geige im vorigen Jahr ist die Orgel das Instrument des Jahres 2021 in Deutschland. Sie ist nach Angaben des Landesmusikrates Brandenburg das erste Tasteninstrument, dem ein ganzes Jahr mit den unterschiedlichsten Aktivitäten gewidmet wird. Die Orgel gilt nicht nur als König der Instrumente, sondern auch als das größte Musikinstrument der Welt. Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Die Landesmusikräte küren seit zwölf Jahren jeweils ein Instrument, dass im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen soll.

Lausitzer Rundschau, 03.01.2021
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