16.02.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Bredower Orgel soll bald wieder erklingen

Seit Jahrzehnten ist die Bredower Orgel stumm. Viele Teile an dem Instrument sind defekt. Da hilft nur noch eine Restaurierung. Wie umfangreich diese ausfällt, soll entschieden werden, wenn das Schadensgutachten vorliegt

Setzen sich für die Sanierung der Orgel ein (v.l.): Rudolf Delbrück, Rüdiger Thurm und Kornelia Eue.

Setzen sich für die Sanierung der Orgel ein (v.l.): Rudolf Delbrück, Rüdiger Thurm und Kornelia Eue. Quelle: Andreas Kaatz

Dass die Orgel den Kirchenraum des Bredower Gotteshauses mit ihrem Klang erfüllt, ist schon lange her. Für die Gottesdienste muss momentan ein kleines Elektro-Piano herhalten. Dabei haben die Bredower sogar eine Orgel auf der Empore zu stehen. Nur leider funktioniert diese nicht mehr. In den 60er-Jahren soll das letzte Mal darauf gespielt worden sein.

Dabei besitzen die Bredower mit ihrer Orgel sogar einen kleinen Schatz. Denn die Königin der Instrumente stammt von dem renommierten Orgelbauer Carl-August Buchholz, der viele dieser Instrumente auch im Berliner Umland gebaut hat wie in Flatow oder Görzke.

Windanlage ist defekt

Entstanden ist die Bredower Orgel um 1861. Dass sie nicht mehr bespielbar ist, hängt nach einer ersten Einschätzung des Orgelbauers Markus Roth vorrangig damit zusammen, dass die Windanlage defekt ist. So sei das elektrische Gebläse festgegangen und die Bälge sind löchrig. Kornelia Eue vom Gemeindekirchenrat erinnert sich auch daran, dass ein früherer Pfarrer davon sprach, dass der Marder darin seine Wohnung habe.

Die Bredower wollen sich nun daran machen, die Orgel wiederherzustellen. Schon seit mehreren Jahren wird die Kollekte der musikalischen Andacht „Abendklang“ in der Brieselanger Kirche zugunsten der Bredower Orgel gespendet. Und Ende 2019 hatte sich der Förderverein zum Erhalt der Bredower Dorfkirche gegründet. Sein erstes Projekt – die Restaurierung der Turmzier – ist abgeschlossen. Jetzt kümmert er sich um das Instrument.

Restaurierung ist teuer

„Die erste Frage ist für uns jetzt, ob wir die Orgel so restaurieren, wie sie mal war, oder ob wir sie nur bespielbar machen und dazu die kaputten Teile austauschen“, sagt Vereinsvorsitzender Rüdiger Thurm. Letzteres sei aber von der Qualität her nicht so gut. Vorsichtige Kostenschätzungen gehen von rund 70 000 Euro aus, die das Projekt kosten könnte.

Bevor die Restaurierungsarbeiten beginnen, will man erst einmal einen Überblick über die Schäden erhalten. Pfarrer Rudolf Delbrück sagt: „Wir haben einen Orgelsachverständigen, der empfohlen hat, dass wir ein Gutachten in Auftrag geben.“ Der Gemeindekirchenrat habe jetzt grünes Licht dafür gegeben, dass alle Schäden aufgelistet und ein Katalog mit den erforderlichen Arbeiten erstellt werden. Anschließend soll entschieden werden, wie man weiter vorgeht. „Wir benötigen das Gutachten auch, um Fördermittel beantragen zu können“, sagt Rüdiger Thurm.

Spendenfluss ins Stocken geraten

Bisher konnten rund 8000 Euro für die Orgel gesammelt werden – mithilfe von Konzerten, aber auch durch Einzelspenden. Leider hatte die anhaltende Pandemie dafür gesorgt, dass der Spendenfluss ins Stocken geraten ist. „Im vergangenen Jahr wollten wir vier Veranstaltungen machen. Wir konnten es aber nicht wegen Corona“, bedauert Kornelia Eue.

Nun soll es aber nach Möglichkeit weiter gehen. Passend ist, dass die Orgelrettung gerade in diesem Jahr Fahrt aufnimmt, denn 2021 wurde zum Jahr der Orgel ausgerufen. Dazu finden auch im Kirchenkreis Falkensee Veranstaltungen statt und zwar vom 28. September bis 9. Oktober. „Wir hoffen zudem, dass das Jugendblasorchester im Rahmen der Aktion ’Musikschulen öffnen Kirchen’ nach Brieselang kommt“, sagt Pfarrer Delbrück. Am 19. Juni ist ein entsprechendes Konzert geplant. Die Spenden sollen ebenfalls der Bredower Orgel zugute kommen.

Elektrik muss auch erneuert werden

Angesicht des Umfangs der Restaurierungsarbeiten und der dabei entstehenden Kosten wird die Orgelrettung möglicherweise noch einige Jahre dauern, schätzt der Pfarrer. Zumal es allein mit der Restaurierung nicht getan sei. So muss wohl auch die Elektrik der Kirche erneuert werden. „Wir können sonst den Orgelmotor nicht anschließen. Die elektrische Anlage hat einen Stand von Ende der 60er-Jahre. So wurde uns dringend empfohlen, dass wir uns darum kümmern“, sagt Delbrück.

Aktuell stehen aber auch noch andere Aufgaben an. So soll die durch Feuchtigkeit geschädigte und jetzt neue verputzte Stelle in der Apsis ab März farblich restauriert werden. Sobald die Temperaturen es zulassen, erfolgen außerdem die Restarbeiten am Turm. Und demnächst sollen Ziffernblätter aus Aluminium die teils defekten Ziffern der Turmuhr ersetzen.

Kornelia Eue indes freut sich immer noch, dass es im Vorjahr gelungen ist, die Turmzier zu restaurieren und zu vergolden. Nun hofft sie, dass bald die Orgel wieder gespielt werden kann. „Die Kirche hat einen guten Klang. Das haben auch schon mehrere Orchester bestätigt“, sagt sie. Als einmal die Don Kosaken dort auftraten, habe man den Gesang bis zur B 5 gehört, erinnert sie sich.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 16.02.2021
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