25.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Gruft der Bredows in Wagenitz wird saniert

Die Wagenitzer wussten, dass es eine Gruft unter der Kirche gibt, aber nicht, wie es dort aussieht. Es gab nur eine kleine Maueröffnung. Jetzt soll die Gruft samt den Särgen umfangreich saniert und restauriert werden.

Eine Kirche steht in vielen Dörfern, eine Kirche mit einer gut erhaltenen Gruft findet man jedoch nicht so häufig. Doch in Wagenitz gibt es sie. 26 Särge stehen in einem Raum unter dem Kirchenschiff, darunter zehn mit den sterblichen Überresten von Kindern. Es ist die letzte Ruhestätte für Angehörige der Familie von Bredow. Der letzte Sarg ist möglicherweise 1845 dort hineingekommen. Genau weiß man es nicht.

Die Kirchengemeinde Havelländisches Luch beabsichtigt nun, die Gruft, die jahrzehntelang nicht zugänglich war, zumindest zeitweise Interessierten zugänglich zu machen. Doch wie beim Ritter Kahlbutz in Kampehl soll es in Wagenitz keinesfalls zugehen. „Hier wird es keinen Glassarg geben“, macht der Baubeauftragte der Gemeinde Andreas Flender deutlich. 

Keine Zurschaustellung

Und eine Zurschaustellung von Mumien wäre wohl auch nicht im Sinne der Denkmalschutzbehörde. Lange hat die Gemeinde um deren Zusage ringen müssen, dass die Gruft überhaupt zugänglich sein darf. Rund zwei Jahre dauerte dieser Prozess. 

„Die Kirchengemeinde hatte aber gesagt, dass wir nur sanieren, wenn die Gruft begehbar ist“, sagt Flender, der zudem von vielen Seiten ermuntert wurde, „etwas aus diesem Schatz zu machen, den die Wagenitzer da haben“. Unter den Dorfbewohnern wurde das Thema kontrovers diskutiert. Manche befürchteten, dass ständig Busse vor der Tür stehen werden. 

Intensive Abstimmungen

Intensiv verhandelt hatte die Kirchengemeinde mit der Denkmalbehörde zur Gestaltung des Eingangs in die Gruft. Sieben Varianten standen zur Auswahl. Doch was repräsentativ aussah, fiel durch. Am Ende einigte man sich auf eine recht unscheinbare Variante. Mit seinen zwei schräg angeordneten Klappen erinnert der Zugang eher an die Außenabdeckung früherer Kohlenkeller.

Am Dienstag machte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steinecke ein Bild vom Zustand der Gruft. Er hatte mit dafür gesorgt, dass Bundesmittel für das Projekt bewilligt werden. Es geht um 59 000 Euro. Weitere 80 000 Euro kommen vom Land, 30 000 Euro stellt die Kirchengemeinde als Eigenanteil zur Verfügung. 

Geschichte bleibt erlebbar

„Es ist wichtig, dass Geschichte erlebbar bleibt“, sagte Steinecke. Er hatte mitbekommen, dass sich die Diskussionen mit dem Denkmalschutz zur Eingangsgestaltung hingezogen haben und dabei auch Anstöße gegeben, wie er sagte. Denn Steinecke sah die Zeit davon laufen. „Wir haben schon häufig den Fall gehabt, dass Fördermittel verfallen sind“, sagte er. Das sollte in Wagenitz vermieden werden.

Andreas Flender hofft nun, dass der Fördermittelbescheid bald eintrifft, damit es losgehen kann mit der Sanierung. „Wir werden als erstes draußen starten und den Zugang herstellen. Dann werden fast alle Särge heraus genommen und einzeln begutachtet“, sagt er. Einige sind beschädigt worden, vermutlich in den Nachkriegswirren.

Klimaanlage wird eingebaut

Während die Eichensärge restauriert werden, soll die Gruft neu verputzt werden. Außerdem wolle man für eine ordentliche Belüftung sorgen, eine Klimaanlage sowie eine Lichtanlage einbauen. Eventuell kommt auch noch ein Gitter hinein, so dass die Besucher nicht jeden Raum betreten können, sondern nur hineinschauen.

Ziel ist es, die Arbeiten bis zum Jahresende abzuschließen, da dann auch die Fördermittel verbraucht sein müssen. Öffnungszeiten soll es anschließend nicht geben. „Wir wollen die Gruft nur für Interessierte und für Fachpublikum nach Anmeldung öffnen“, sagt Flender. Es soll Führungen geben.

Im Sinne der Familie

Auch Pfarrer Michael Jurk freut sich auf den Moment, wenn die Gruft fertiggestellt ist. „Sie gehört zu Wagenitz und es geht darum, Geschichte zu erfahren, zu erforschen und zu bewahren.“ Die Gruft mache Erwachsenen wie auch Kindern deutlich, dass der Tod mit zum Leben gehöre. „Die Sanierung der Gruft ist auch ganz im Sinne der Familie von Bredow. Die freue sich auch“, sagt er. Etwa 80 Prozent der heute noch lebenden Bredows haben in Wagenitz ihre Vorfahren. 

An eine Sanierung der Gruft hatte man ursprünglich noch gar nicht gedacht, als die Erneuerung der gesamten Kirche in Angriff genommen wurde. „Unser erster Gedanke war: Hoffentlich ist dort unter dem Kirchenschiff kein Hausschwamm zu finden. Nicht dass wir oben sanieren und unten blüht der Schwamm“, so Flender.

Durchbruch zum Turm

Mittlerweile sind an der Kirche viele Arbeiten zum Abschluss gebracht worden wie etwa die Fassadensanierung. Zuletzt wurde im Januar der Durchbruch vom Turm zum Kirchenschiff hergestellt. Ein wichtiger Baustein, um das Konzept der Hochzeitskirche weiter umzusetzen. Somit kann das Brautpaar die Kirche später durch den Westeingang betreten. Bei den Abrissarbeiten trat auch wieder das zweiflüglige Tor zum Vorschein, das einfach mit eingemauert worden war. 

„In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte man dort noch hindurchgehen“, sagte Manfred Gräning vom Gemeindekirchenrat. Zugemauert wurde der Durchgang damals offenbar, um die Winterkirche einzurichten, die es an der Stelle auch künftig geben soll. 

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 25.02.2020
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