04.06.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Kirche des ersten preußischen Denkmalschützers in Radensleben wird saniert

Die Dorfkirche Radensleben bei Neuruppin, die die Heimat von Ferdinand von Quast war, wird ab kommende Woche saniert. Allein die Arbeiten im ersten Bauabschnitt kosten gut 210.000 Euro und sind nur dank großzügiger Spenden möglich.

Am Pfingstsamstag gab es noch eine Konfirmation in der Radenslebener Dorfkirche, aber alle weiteren Veranstaltungen in dem Gotteshaus müssen warten – nicht etwa wegen der Corona-Pandemie. Vielmehr beginnen in der nächsten Woche in der Kirche die Arbeiten, um die alten Malereien an den Wänden wieder zum Vorschein zu bringen, sie zu sanieren und mit einer Schutzschicht zu versehen. Denn die Malereien gehen auf Ferdinand von Quast zurück, den ersten preußischen Staatskonservator, der auch als Urvater des deutschen Denkmalsschutzes gilt. Von Quast wurde 1807 in Radensleben geboren und starb dort auch 1877.

Möglich sind die umfangreichen Arbeiten, die allein im ersten Bauabschnitt vermutlich gut 210.000 Euro kosten werden, dank der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und nicht zuletzt auch dank des Bundes. Dieser steuert 65.000 Euro bei, hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters Anfang Mai verkündet – zur Freude auch von Pfarrerin Ute Feuerstaack und Kerstin Kerstan, die Vorsitzende des Ortskirchenrates in Radensleben.

Noch Spenden für den zweiten Bauabschnitt gesucht

„Das wird ein Schmankerl“, entfuhr es Feuerstaack am Donnerstag, als Architekt Marek Fiedorowicz erklärte, was alles gemacht werden soll. Auch André Schmitz, von 2006 bis 2014 Berlins Kulturstaatssekretär, war angetan. „Das wird großartig werden.“

Der imposante Kronleuchter wurde 2018 für fast 15.000 Euro restauriert. Er wird während der Arbeiten zum Schutz abgenommen. Quelle: Andreas Vogel

Schmitz hatte gemeinsam mit Klaus von Krosigk, dem ehemaligen Gartenbaudirektor im Landesdenkmalamt Berlin, dafür gesorgt, dass die Bemühungen für die Dorfkirche Radensleben einem größeren Publikum bekannt wurden. Denn auch wenn die Finanzierung für den ersten Bauabschnitt gesichert ist, für den zweiten Abschnitt, der noch einmal etwa 140.000 Euro kosten wird, werden noch Spenden für etwa 60.000 Euro gesucht.

Elf Dörfer stehen hinter dem Projekt

Im zweiten Abschnitt, der möglichst im nächsten Sommer beginnen soll, sollen die Bleiglasfenster neu verkittet und die Elektroanlage überarbeitet werden. Zudem werden noch Sponsoren für die zwei Gemälde in der Kirche gesucht, die vermutlich aus den Jahren 1710 und 1725 stammen und „Das Jüngste Gericht“ sowie „Jesus vor Kaiphas“ zeigen.

Die Dorfkirche von Radensleben stammt aus dem 13. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert wurde sie nach Plänen von Ferdinand von Quast umgestaltet. Quelle: Andreas Vogel

Es sei gut, dass die Radenslebener Kirche wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, sagte der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke, der die Bundesförderung eingefädelt hatte. Das Projekt sei aber nur möglich, weil die Kirchengemeinde Protzen, Wustrau, Radensleben hinter diesem Projekt stehe, obwohl es in der Gemeinde elf Kirchen gebe, sagte Gregor Hamsch, Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde Ruppin. „Alle elf Dörfer tragen das Projekt mit.“ Die Radenslebener Kirche wird damit für mehrere Jahre der Schwerpunkt sein.

Das alte Pfarrhaus soll Bildungszentrum werden

Das ist nicht selbstverständlich – zumal es ein weiteres Projekt für Radensleben gibt. Das alte Pfarrhaus soll innerhalb von zwei Jahren zu einem Bildungszentrum werden, in dem gezeigt wird, wie ein Denkmal energetisch saniert werden kann, ohne dabei den Denkmalstatus zu zerstören. Das Pfarrhaus soll dabei als Beispiel dienen und als erstes saniert werden.

Gregor Hamsch ist Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde Ruppin. Quelle: Andreas Vogel

Gregor Hamsch ist Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde Ruppin. Quelle: Andreas Vogel

Märkische Allgemeine Zeitung, 04.06.2020
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