14.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Kirche Rangsdorf hat ein Totenkronenbrett

In der Rangsdorfer Kirche hat jetzt ein Totenkronenbrett. Zum Gottesdienst am Sonntag können Besucher der Kirche das historische Exponat bestaunen.

Pfarrerin Susanne Seehaus vorm Totenkronenbrett. Quelle: A.v.Fournier

Die Rangsdorfer Kirche ist seit 2016 zunächst außen, anschließend innen saniert worden. Pfarrerin Susanne Seehaus kann zufrieden sein. Das mediterran gelb farbige Gotteshaus hat nun eine neue Dachdeckung, eine moderne Luftheizung auf Gas-Wasser-Basis und im Innenraum helle, solide Holzbestuhlung. Der Besucher riecht noch die Farbe. Das nächste große Projekt, das im Gespräch mit der Denkmalpflege zurzeit auf den Weg gebracht wird, ist die Mauereinfriedung des Areals auf dem Dorfanger.

Eines sucht man vergebens in der Rangsdorfer Kirche – Schätze aus vergangener Zeit. Lediglich historisches Abendmahlsgeschirr und Teile der wieder aufgetauchten und aufgearbeiteten Mosaik-Buntglasfenster waren bisher im Fokus der Gemeinde.

Gedenkbretter auf dem Dachboden

Doch der Dachboden offenbarte vor Jahren zwei Gedenkbretter aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ein Artikel in der Zeitschrift „Der Rangsdorfer See und Umgebung“ von 1930 sprach noch von 16 „Schildern“, von denen die interessantesten im Vorraum der Kirche ausgestellt wären. Niemand vermag zu sagen, ob die fehlenden im Krieg vernichtet oder in den Wirren danach entwendet wurden. Die Kirchenältesten beschlossen nach der Innensanierung, sich dieser beiden letzten Fundstücke restauratorisch anzunehmen. Mit einem Totenkronenbrett wurde begonnen.

Präsentiert zum Tag des offenen Denkmals

Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals vor einer Woche konnte das Holzbrett in alter Schönheit den Besuchern präsentiert werden. Am Sonntag zum Gottesdienst kann es wieder bewundert werden. Das eher unspektakulär gehaltene Brett ist eines von vielen, die einer weltweiten christlichen Tradition folgten, im deutschsprachigen Raum vom 13. bis 19. Jahrhundert nachgewiesen. Unverheiratet Verstorbenen – Kindern und jungen Männern und Frauen – wurde symbolisch eine Brautkrone auf den letzten Weg mitgegeben.

Es folgten Totenkronenbretter

Damit wurde die „entgangene“ weltliche Hochzeit beklagt und stattdessen eine himmlische symbolisiert. Zunächst gab es Kränze, Diademe und Kronen, die die Angehörigen zum Gedenken herstellten und die in oder auf die Gräber gelegt wurden. Später folgten dann Totenkronenbretter in den Kirchen, auf denen oft Kronen befestigt wurden und die die Lebensdaten und -umstände der Verstorbenen festgehalten haben. Leider fehlt am Rangsdorfer Brett die Krone. Es erinnert an die tugendhafte 19-jährige Brusendorferin Dorotea Elisabeth Hänicken, die fünf Jahre lang bis 1781 im Dienst einer Herrschaft gestanden hatte.

Das aufgearbeitete Brett in der Rangsdorfer Kirche. Quelle: Andrea von Fournier

Eine Todesursache vermerkt der Text nicht, den die Geschichtswerkstatt Rangsdorf für die Kirchenchronik notiert hat. Vielleicht gibt es noch Verwandtschaft in Brusendorf? In den vergangenen Monaten hat die Berliner Diplom-Restauratorin Carmen Runkewitz das Holz des Totenkronenbretts gesäubert und stabilisiert.

Das genügte, um die Schrift und die farbigen Blüten wieder gut sichtbar zu machen. Für die Arbeiten an der nächsten Tafel, die der Gefallenen der Befreiungskriege huldigt, muss die Gemeinde erst wieder mit der Spendenbüchse losziehen, sagt Pfarrerin Susanne Seehaus. Aber es lohne sich.

Von Andrea von Fournier

Märkische Allgemeine Zeitung, 14.09.2019
Zur Kirche
Dorfkirche Rangsdorf im Pressespiegel
Die Kirche Rangsdorf hat ein Totenkronenbrett 14.09.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Kirchensanierung in Hohennauen noch bis 2020 23.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Trauernde Maria kehrt nach 90 Jahren zurück nach Zeuden 22.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Arbeiten an der künftigen Eselpilgerkirche in Neuendorf schreiten voran 18.10.2019 · Märkische Oderzeitung
Hommage an Claire Waldoff in der Dorfkirche Kleßen 14.10.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Das Sühnekreuz von Sergen kehrt jetzt in das Dorf zurück 12.10.2019 · Lausitzer Rundschau