13.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Dieb im Dom zu Brandenburg macht Beute beim Beten

Tatort Dom zu Brandenburg/Havel, Tatzeit Mittagsandacht. Während sich eine kleine Gemeinde zu Gebet und Gesang versammelt, tritt ein Dieb hinterrücks hinzu. Eine Tasche ist seine Beute, der Inhalt ist wertvoll.

Das Ehepaar Joachim und Annette Grubert aus Mittelhessen wurde am Dienstag während der Mittagsandacht im Brandenburger Dom bestohlen. Quelle: Helmut Matthies

Wenn die Kirchenuhr 12 schlägt und der letzte Glockenschlag verklingt, hebt eine kleine Gruppe gläubiger Menschen an zum Gebet. Die tägliche Mittagsandacht im Brandenburger dauert nur etwa zehn Minuten.

Die Zeit reicht an diesem Dienstagmittag einem Dieb, sich anzuschleichen, eine fremde Satteltasche mit wertvollem Inhalt an sich zu nehmen und mit seiner Beute zu entkommen.

Im Halbkreis vor dem Altar

Pfarrer Joachim Grubert und seine Frau Annette kommen aus dem hessischen Hüttenberg bei Wetzlar. Zum Abschluss ihres Urlaubs in Usedom besucht das Paar am Dienstag Brandenburg/Havel und begleitet dort seinen Bekannten Helmut Matthies zur Mittagsandachtin den Dom.

Diese Andacht findet täglich in der Krypta des Doms statt, meist kommt höchstens eine Hand voll Gläubige. Sie bilden einen Halbkreis vor dem Altar, beten und singen im Wechsel, so wie es geschrieben steht.

Andacht erfordert Konzentration

Der wechselnde Gesang erfordert Konzentration, die Teilnehmer sind in die Andacht versunken. Annette Grubert ist ohne Arg, als sie ihre Tasche zuvor auf das Gestühl in ihrem Rücken legt, nur ein, zwei Meter entfernt.

Die Besucherin überlegt innezuhalten, als sie aus der Ferne im Kirchenraum eine lallende Stimme vernimmt. Vielleicht ein Betrunkener? Vielleicht auch ein Hilfesuchender. Doch da beginnt schon mit dem letzten Glockenschlag die Andacht.

Schritte gehört

Kurze Zeit später hört die Frau Schritte, die sich nähern und etwas schneller wieder entfernen. Sie dreht sich nicht um, möchte den Frieden des Moments nicht stören. Kein Gedanke daran, dass jemand in diesem geschützten Raum etwas Böses im Schilde führen könnte.

Erst als die Andacht beendet ist und die fünf Teilnehmer miteinander sprechen, fällt ihr Blick auf die nun fast leere Kirchenbank. Die Jacke ihres Begleiters hängt noch da, die eigene Tasche jedoch ist weg.

Mann mit Tasche gesehen

Die Besucherbetreuerin am Eingang berichtet, dass ein unbekannter Mann den Dom mit einer Tasche verlassen habe. Ein anderer Zeuge hat vom Kirchenchor sogar beobachtet, wie jemand eine Tasche an sich genommen hat. Er glaubte jedoch, da habe jemand etwas vergessen.

Der Verlust ist in vielfacher Hinsicht ärgerlich. In der Tasche befanden sich die wertvolle Kamera mit den gerade erst entstandenen Urlaubsfotos und eine Brille mit geschliffenen Gläsern. Zusammen mit dem Handy und dem Geld im Portemonnaie schätzt das Ehepaar den Schaden auf etwa 2500 Euro.

Der Verdächtige trug eine Kette mit Kreuz

Die Polizei hat den Diebstahl am Tatort aufgenommen, akkurat und freundlich, wie Annette Grubert betont. Auf Anfrage bestätigt die Brandenburger Polizei das Geschehen. Der Tatverdächtige hat laut Zeugenbeschreibung kurze schwarze Haare, trug schwarze Oberbekleidung und eine Kette mit einem Kreuz.

Wie Helmut Matthies erfahren hat, könnte die Täterbeschreibung zu einem wohnsitzlosen Mann passen. Der Diebstahl vom Dienstag ist nach seiner Kenntnis nicht der erste dieser Art in der Krypta. Einem Musiker der Brandenburger Symphoniker sei im Frühjahr am gleichen Ort sein Rucksack hinterrücks gestohlen worden.

Keine Verbitterung

Das Ehepaar Grubert befindet sich inzwischen auf der Heimreise. Verbittert sind die Gäste trotz des Schadens und der Enttäuschung nicht. Brandenburg/Havel bleibe auch nach dieser Erfahrung eine „wunderbare Stadt“, die sie gern wieder besuchen möchten.

Die Gruberts würden sich freuen, wenn der Dieb wenigstens die Dinge zurückbringen oder irgendwo sichtbar hinterlegen würde, für die er keine Verwendung hat. Die Brille zum Beispiel und womöglich auch die Kamera.

Von Jürgen Lauterbach

Märkische Allgemeine Zeitung, 13.08.2019
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