11.10.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Döberitz feiert: Kirche nach zwei Jahren Bauzeit saniert

Das Gotteshaus erstrahlt wieder in neuem Glanz. Den Abschluss der umfangreichen Sanierung feierten die Döberitzer mit einem Gottesdienst und einem Konzert.

Für die Döberitzer ist gerade ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Die Sanierung ihrer Kirche konnte nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen werden. Und würde die Welt nicht gerade mitten in der Coronakrise stecken, hätten die Dorfbewohner und ihre zahlreichen Gäste am Samstag in dem Gotteshaus gesessen, statt in einem Zelt vor der Kirche zu feiern.

Pfarrer Hans-Dieter Kübler begrüßt die rund 40 Gäste zur Eröffnung der Döberitzer Kirche als Musik- und Kulturzentrum

Pfarrer Hans-Dieter Kübler begrüßt die rund 40 Gäste zur Eröffnung der Döberitzer Kirche als Musik- und Kulturzentrum Quelle: Uwe Hoffmann

Die Kirchgemeinde und der Förderverein zum Erhalt der Kirche Döberitz hatten die an der Sanierung beteiligten Gewerke eingeladen, um ihnen zum Abschluss der Arbeiten zu danken. Natürlich waren auch die Döberitzer Bürger eingeladen. Schließlich sollten sie ihre Dorfkirche neu kennenlernen.

„Die Döberitzer Kirche ist nicht nur eine Kirche für das Dorf, sondern eine Kirche des Dorfes. Eine Dorfkirche im besten Sinn“, betonte Pfarrer Hans-Dieter Kübler zur Eröffnung und dankte dem 2015 gegründeten Förderverein und seinen heute 40 Mitgliedern. Der Verein hatte mit der Erstellung eines Nutzungskonzeptes im Juni 2016 die Grundlage für die umfassende Sanierung mit EU-Fördermitteln geschaffen.

Über 400.000 Euro investiert

Nach Beginn der Planungsarbeiten 2015 konnte im August 2018 mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden. Die insgesamt über 400.000 Euro Investitionskosten wurden zu 80 Prozent durch EU-Mittel zur Förderung des ländlichen Raums gedeckt. Die Landeskirche sowie der Kirchenkreis gaben ebenfalls Geld dazu. Und der Förderverein sammelte Spenden für den Eigenanteil in Höhe von 60.000 Euro.

Im ersten Bauabschnitt wurden das Dach inklusive Dachstuhl des Kirchenschiffs und der Apsis erneuert und das Tonnengewölbe isoliert und gedämmt. Im Zusammenhang mit der Fassadensanierung wurden neue Fenster eingebaut und die Türen saniert. Auch Dachrinnen wurden erstmals angebracht.

Die sanierte Döberitzer Kirche.

Der zweite Bauabschnitt beinhaltete das Streichen der Wände, den Rückbau der eingezogenen Wände im Bereich der Winterkirche und die Rückerschließung der Empore. Der Kachelofen mit der 1996 eingebauten Ölheizung wurde durch eine Gasheizung mit Heizungsstrahlkörpern an der Wand ersetzt.

In der Winterkirche hatten die Handwerke zudem eine moderne Mini-Schrankküche und eine moderne Toilette eingebaut. Zudem wurden die elektrischen Leitungen komplett erneuert und erstmals ein Wasseranschluss gelegt. „Beim Abbau von Turmkugel und Wetterfahne zur Neu-Vergoldung, wurde sichtbar, dass der mittlere Kaiserstuhl, der Dachstuhl im Turm, stark marode und zum Teil weggefault war.

Fördermittel für den Turm

Die Turmspitze war – nach 1986 erfolgter Reparatur der Sturmschäden aus dem Jahr 1971 – nie richtig regendicht“, erklärte Erhard-Hans Löser. Der Architekt aus Kotzen hatte bereits die Sanierung der Kirche in Premnitz geplant. „Nach einem Gutachten wurde so auch die Sanierung des Turms und dessen Neueindeckung beschlossen. Was die Kosten um etwa 40.000 Euro erhöhte, wofür wir zusätzliche Fördermittel bekamen“, erinnert sich Löser.

Ein Projekt, dass dem Architekten am Herzen lag, ist die Pflanzenkläranlage hinter der Kirche. Statt pflegeaufwendiges Schilf zu verwenden, wurden Sumpfpflanzen, wie Mädesüß, Schwanenblume und Schwertlinien gepflanzt.

Architekt Erhard-Hans Löser gestaltete die Pflanzenkläranlage mit Sumpfpflanzen hinter der Kirche im Maßstab des Kirchengrundrisses.

Architekt Erhard-Hans Löser gestaltete die Pflanzenkläranlage mit Sumpfpflanzen hinter der Kirche im Maßstab des Kirchengrundrisses. Quelle: Uwe Hoffmann

Löser gestaltete die Anlage maßstabsgetreu nach dem Grundriss der Kirche und arbeitete selbst daran mit. „Am Donnerstag habe ich noch die Pflanzen eingesetzt“, so der Architekt. Die an der Sanierung beteiligten Gewerke – vom Gerüstbauer, über Dachdecker, Zimmerer, Elektriker, Tischler, Maler und Restauratorin – kommen zumeist aus der Region. So auch die Trockenbaufirma Ebner aus Döberitz, die die Arbeitsleistung als Spende ausführte.

Zur Feier des Tages gab Suhyun Lim am Samstag noch ein Konzert auf der Orgel. Das Instrument, Baujahr 1886, steht nun gereinigt, neu gestimmt und wieder an seinem Platz auf der Empore. Zuvor stand sie viele Jahre an der Wand neben der Kanzel.

Die gebürtige Koreanerin Suhyun Lim, Kantorin der Brandenburger Katharinenkriche, spielte zum Konzert auf der Orgel.

Die gebürtige Koreanerin Suhyun Lim, Kantorin der Brandenburger Katharinenkriche, spielte zum Konzert auf der Orgel. Quelle: Uwe Hoffmann

Die gebürtige Koreanerin Lim, seit 2016 Kantorin der Katharinenkirche in Brandenburg/Havel, begeisterte die rund 35 Zuhörer mit Stücken aus dem 17. und 18. Jahrhunderts, darunter Werke von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann.

Das letzte Konzert vor der Sanierung fand im Juni 2018 mit dem Brandenburger Musikensemble „Jazzocrazz“ statt. „Noch haben wir aufgrund der Coronakrise keine weiteren kulturellen Veranstaltungen in der Kirche geplant“, so der Fördervereinsvorsitzende Roland Bohm.

Pläne für die Zukunft

Konzerte und Lesungen sollen aber sobald wie möglich, neben den Gottesdiensten, stattfinden. Die Akustik und die technische Ausstattung erlauben zudem eine Nutzung als Proben- und Studioraum.

Am Sonntag wurde die Vollendung der Sanierung der Kirche mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert. Nach Kaffee und Kuchen gab ein Berliner Duo noch ein Konzert mit Gitarre und Gesang.

Von Uwe Hoffmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 11.10.2020
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