20.03.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Dorfkirche Gortz – Nur noch Alte: Förderverein löst sich auf

Eine vom Förderverein organisierte Veranstaltung in der sanierten Kirche. Quelle: Jacqueline Steiner

Die Nutzungsverträge sind gekündigt, das Kulturprogramm ist Geschichte. In Gortz geht eine Ära zu Ende. Nach fast 20 Jahren stellt der Förderverein, der einst zur Rettung der ruinösen Kirche gegründet wurde, seine Arbeit ein.

So hat es die Mitgliederversammlung auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Für die Freunde des Beetzseedorfs ist die Liquidation des Vereins ein Schock. Warum musste das passieren?

Junge Leute fehlen

„Unsere Mitglieder sind in die Jahre gekommen. Einige Gründer aus den Anfangsjahren sind verstorben, andere können sich aus Altersgründen nicht mehr aktiv einbringen. Leider ist es nicht gelungen jüngere Menschen für eine Mitarbeit zu begeistern. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen einen geordneten Rückzug des Vereins einzuleiten“, sagte Noch-Vereinsvorsitzende Claudia Rose der MAZ.

Claudia Rose und Uwe Sernow-Rose bei der Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses. Quelle: Frank Bürstenbinder

Für das komplett sanierte Ensemble aus Alter Schule und Dorfkirche bedeutet das Ende des Fördervereins, dass sowohl die Kirchengemeinde als auch die Kommune wieder in der Verantwortung für die Bauwerke stehen. 

„Wir wollen bis zum Mai die Übergabe abschließen“, kündigte Vereinsvorsitzende Rose an. Die zum Dorfgemeinschaftshausumgebaute Alte Schule wird in Zukunft über das Amt Beetzsee von der Gemeinde Beetzseeheide verwaltet. 

Die Kirchengemeinde muss sich wieder um die Kirche kümmern, die ohne den Förderverein keine Zukunft mehr gehabt hätte. Aus dem noch vorhandenen Vereinsvermögen bleibt noch Geld für einen frischen Turmanstrich.

Mit Konzerten ist es vorbei

Für das kulturelle Leben in Gortz bedeutet die Vereinsauflösung eine Zäsur. Es gab mehrere Konzerte im Jahr in der Kirche, die hunderte Besucher anlockten. Von Blues bis Rock, von Folk bis Klassik reichte die Palette der beliebten Veranstaltungen. Damit ist es ab sofort vorbei. 

Der Förderverein war auch Initiator zahlreicher Lesungen, Vorträge und Ausstellungen im Dorfgemeinschaftshaus. 

„Wir blicken mit Wehmut auf diese schöne Zeit zurück. Andererseits haben wir alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Die historische Mitte von Gortz ist gerettet. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, den Verein aufzulösen“, ist Claudia Rose überzeugt.

Zusammen mit ihrem Ehemann Uwe war die Vereinsvorsitzende nach der Wende aus Berlin nach Gortz gezogen, um sich eine Hofstelle zum neuen Lebensmittelpunkt auszubauen. Der desolate Zustand der Kirche ließ bei den Neu-Gortzern den Entschluss zur Gründung eines Fördervereins reifen. 

Über 50 aktive Männer und Frauen schlossen sich an. In den folgenden Jahren wurde ein unvorstellbares Pensum geleistet. Die maroden Dachbalken in der Kirche drohten einzustürzen, das Dach des Turms wies riesige Löcher auf, die Innenbemalung war vor lauter Wasserschäden kaum noch zu erkennen. 

Heute ist die kleine Bauernkirche wieder voll funktionsfähig und für die nächsten Jahrzehnte gut gerüstet. Daran haben die Mitglieder mit Eigenleistungen, viele Sponsoren und Förderprogramme ihren Anteil.

Alte Schule umgebaut

Untrennbar mit dem Förderverein verbunden bleibt neben der Sanierung der Kirche auch der Umbau der Alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Beetzseeheide. 

Mit dem Auszug der Kita ergab sich die Möglichkeit das Haus zum gesellschaftlichen Mittelpunkt in Gortz zu machen. Außerdem entstand ein moderner Anbau. Inzwischen hat das komplett sanierte Gebäude viele öffentliche und private Veranstaltungen erlebt. 

Die laufende Beaufsichtigung und Verwaltung überforderte den Verein jedoch immer mehr. Nur noch zehn aktive Mitglieder aus Gortz und Berlin sind den organisierten Förderern geblieben.

Von Frank Bürstenbinder

Das sanierte Ensemble aus Kirche und Dorfgemeinschaftshaus. Quelle: Frank Bürstenbinder
Märkische Allgemeine Zeitung, 20.03.2019
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