30.03.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Dorfkirchen in der Region: Glasow

Die Dorfkirche in Glasow. Quelle: Andrea von Fournier

Die Dorfkirche Glasow steht – in einem guten Zustand – an der Bundesstraße 96, die dort Alt Glasowheißt. Das Dorf Glasow gibt es seit 1950 offiziell nicht mehr, es wurde Mahloweingemeindet. Die Kirchengemeinde existiert ebenfalls zusammen mit der evangelischen Mahlower Gemeinde und in einem paritätisch besetzten Kirchenrat. Glasow war nie Pfarrsitz, bis zum Jahr 1819 Filiale von Jühnsdorf, dann von Blankenfelde. Das erklärt das schlichte Aussehen und die Ausstattung der Kirche: Es ist ein Gotteshaus von Bauern für Bauern. 

Schicker Feldsteinbau

Dass sich die Gemarkungsgrenzen Glasows weit nach Mahlowhineinzogen und ansehnliche Villen von Wohlstand kündeten, wissen heute noch Mitglieder alteingesessener Familien, die vor allem rund um die Kirche ansässig sind. Das Gotteshaus ist ein Feldsteinbau mit drei Fachwerkseiten am Turm. Es kann mindestens auf die Entstehungsjahre 1330 bis 1335 datiert werden: Ein dendrologisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Eichensparren für das Dach in dieser Zeit geschlagen wurden. Ein Vorgängerbau ist unbekannt, doch es gibt ein archäologisches Gutachten, das nach Grabungen die Möglichkeit einer vorherigen hölzernen Kirche in Erwägung zieht. 

„Drei Thaler und 12 Silbergroschen“

Über die Geschichte des Gotteshauses und der Gemeinde bis 1600 ist wenig bekannt. Aus diesem Jahr stammt das erste erhaltene Kirchenbuch, ohne Personenstandsaufzeichnungen. Es verrät unter anderem, dass Pfarrer Christian Gabatt im Jahr 1611 an jedem Sonntag ein Kapitel aus der deutschen Bibel vorzulesen hatte. Für das Jahr 1672 sind größere Bauarbeiten an der Kirche vermerkt: „Drei Thaler und 12 Silbergroschen“ wurden dabei für das Bier der Bauleute verausgabt. Die exakt gleiche Summe bekam der Maurer für Ausbesserungsarbeiten am Turm, für sein Bier berappte die Gemeinde einen Taler und fünf Silbergroschen. 

Ansprechpartner und Adressen

Die Dorfkirch Glasow steht an der alten Bundesstraße  96 in Alt Glasow, rechter Hand in Richtung Mahlow/Berlin. 

Gottesdienst wird jeden Sonntag um 9 Uhr gefeiert, wenn dem nicht bedeutende Ereignisse entgegenstehen. 

Kirchenkreise sowie musikalische und kulturelle Aktivitäten finden mit den Mahlowern gemeinsam meist im Evangelischen Gemeindezentrum an der Rathenaustraße 45 statt.

Pfarrerin Anne Lauschus steht den beiden Kirchengemeinden Mahlow und Glasow seit 2005 vor. Das Büro ist unter Tel. 0 33 79/37 44 07 zu erreichen.

Größere Reparaturen

In den Jahren 1706 und 1753 erfolgten größere Reparaturen, die nur teilweise näher bezeichnet wurden. Damit hatte die Kirche im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen erreicht. Das rechteckige Gebäude von knapp 20 Metern Länge, achteinhalb Metern Breite und einer Höhe von 19 Metern liegt in Ost-West-Richtung. Dass der Grundriss an einer Seite länger ist als an der gegenüberliegenden, bleibt dem Auge des Betrachters verborgen. Die Steinquader der Wände sind unterschiedlich gut bearbeitet worden: manche sorgsam und gleich groß behauen, andere lässig und verschieden groß. 

Anne Lauschus ist evangelische Pfarrerin von Mahlow und Glasow. Quelle: Christian Zielke

Sorgfältige Neuverfugung

Das trifft auch auf die Fugenbreite zu. Im vergangenen Jahr erfolgte eine sorgfältige Neuverfugung. Seit 15 Jahren sind rote Biberschwänze auf dem Dach. Bei der Sanierung im Jahr 1977 hatte es zu schwere Betonziegel bekommen. Die mit Hylotox behandelten Balken bogen sich unter der Dachlast, und das Holzschutzmittel verursachte eine Anreicherung der Luft mit gefährlichen Gasen. Trotzdem war das Holz morsch. „Da ging kein Nagel mehr rein, und auch die Holzwürmer waren längst ausgezogen“, sagt Lektor Hans-Walter Ludwig. Die Kirche musste zeitweise gesperrt werden.

Gründliche Sanierung

2004 wurde gründlich saniert. Eine gasdichte Decke mit funktionaler Lüftung entstand. Man betritt das Gebäude unterhalb des nachträglich aufgesetzten Glockenturms durch ein Westportal. Es ist heute der einzige Eingang. Die alte „Priesterpforte“ an der Südwand wurde, von außen gut sichtbar, verschlossen. An ihr kann man auch erkennen, dass es in den letzten Jahrhunderten mehrfach Umbauphasen gab, bei denen das Portal verkleinert und zugunsten des Westportals schließlich ganz geschlossen wurde. 

Der Blickfang

Blickfang nach Betreten der Kirche ist der gegenüberliegende farbenprächtige hölzerne Kanzelaltar in Form einer Altarwand, 1853 nach längerem Disput mit Sondergenehmigung des Superintendenten eingebaut. Die Türen links und rechts in der Altarwand haben ihre frühere Funktion für das „Wandel-Abendmahl“ gehabt. Schlichtes blaugraues Gestühl, die Hauptfarbe auch an anderen Holzelementen des Raums, zieht sich in zwei Abteilungen an den Längswänden entlang, auf Holzpodesten stehend. Der Kronleuchter ist ein schönes, historisches Stück. Er wird elektrisch betrieben. Die weiß getünchten Wände sind fast schmucklos: Die indirekten Leuchten fallen nicht auf, doch auf einem Podest rechts des Altars steht die Schnitzfigur des Johannes. Ohne Farbe, obwohl es die wahrscheinlich einmal gab. 

Es gibt eine Winterkirche

Gegenüber ist ein leerer Podest befestigt, der daran erinnert, dass es bis zu einem Einbruch im Jahr 1991 einen Petrus als Pendant gab. Er, eine silberne Taufkanne, Vorhänge, Altarbibel und Kruzifix wurden gestohlen. Das erklärt die neue, nicht schöne, aber sichere Eingangstür und das moderne Altarkreuz. Seitdem bewahrt die Gemeinde ihre Schätze außerhalb der Kirche auf. So die beiden großen Zinnleuchter, gestiftet im Jahr 1697 von „E. Blankenburg“. Die Kirche hat eine dreiseitige Orgel-Empore, deren Kassetten früher Sprüche und Bilder zierten. Mal wurde sie zur Querempore, dann wieder zur dreiseitigen ab- und aufgebaut. So entstand temporär eine Winterkirche, die man heute nicht mehr braucht: Nach dem letzten Weihnachtsgottesdienst wird die Tür versperrt und zu Ostern wieder aufgeschlossen.

Geschichte der Orgel

Gottesdienst wird im Gemeindehaus Mahlow gefeiert. 1878 kaufte die Gemeinde für 2100 Mark eine Orgel. Deren Prospektpfeifen mussten im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Im Jahr 1928 beschaffte die Gemeinde die jetzigen. Die Orgel ist in Betrieb; 2003 gab es eine Register-Erweiterung. Der Krieg von 1914 bis 1918 verschlang auch die größere der Glocken, die so schwer war, dass sie auf dem Turm zerschlagen und in Teilen abtransportiert werden musste. 1925 lieferte Apolda bronzenen Ersatz. 1942 wurde die zweite historische Glocke für den Krieg geholt. Heute läuten die Bronzene und eine Stählerne von 1956. Der Glasower Taufstein, identisch mit dem Mahlower, fasst die im Jahr 1924 von Hermann Schutsch gestiftete versilberte Taufschale„Lasset die Kindlein zu mir kommen“.

Hans-Walter Ludwig aus Glasow. Quelle: Andrea von Fournier

Der Kirchenschatz

ber den Kirchenschatz von Glasow hat sich Hans-Walter Ludwig viele Gedanken gemacht – und kann sich kaum entscheiden. Lange glaubte man in der Christengemeinde, das seien die beiden geschnitzten Holzfiguren der Apostel Petrus und Johannes. Man vermutete, die auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datierten Figuren standen einst im Dom zu Goslar.Der Diebstahl des Petrus’ 1991 bekräftigte den Verdacht. Doch Recherchen erwiesen anschließend, dass das nicht der Fall ist. In einem dunkelbraunen Köfferchen hat Ludwig eine andere Überraschung mitgebracht: Im sorgfältig weich ausgeschlagenen Inneren liegt, fest fixiert und abgedeckt mit einem gestickten weißen Tuch, der Abendmahlskelch.

Das Oblaten-Döschen

Daneben in gleichem Material und Stil ein Oblaten-Döschen. Vorsichtig entnimmt er die beiden Stücke, wie er es für unzählige Gottesdienste getan hat. Die aus vergoldetem Messing bestehenden liturgischen Gegenstände kommen regelmäßig in Glasow beim Abendmahl zum Einsatz. Gestiftet wurden sie von Ernst-Ludwig von der Gröben im Jahr 1697.

In dieser Zeit gehörte der Ort augenscheinlich zu dessen Gütern. Damals war Glasow stets „Pertinenz“, also zugehörig zu einem der umliegenden Teltow-Güter, so zu denen der von Mielow, von Bettin, von Hake oder von Billerbeck.

In der Dorfkirche in Glasow gibt es einen jahrhundertealten Schatz: einen Abendmahlskelch und eine Oblatendose.Quelle: Andrea von Fournier

Die versilberte Taufschale

Für Hans-Walter Ludwig, den Urglasower und langjährigen Kirchenältesten, gibt es noch einen weiteren Schatz in der Gemeinde: die versilberte Taufschale mit dem eingravierten Taufbefehl aus dem Matthäusevangelium. Sie wurde im Jahr 1924 von einem Glasower gestiftet und aus ihr wird bis heute das Wasser für die Täuflinge geschöpft.

Die Taufschale der Gemeinde in der Dorfkirche Glasow. Quelle: Andrea von Fournier

Der erste Täufling am 11. Dezember 1924 war Hans-Walter LudwigsMutter, Brunhilde Gäbert. Später dann er selbst, seine Kinder und alle Enkel, also vier Generationen. Das soll erstmal einer nachmachen.

Von Andrea von Fournier

Märkische Allgemeine Zeitung, 30.03.2019
Zur Kirche
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